Beitrag bearbeitet von Heckenimker am 21.07.10 um 15:43 Uhr.
Bienenfreund schrieb:
Immer wieder sind meine Messungen des Wassergehalts des Honigs mit dem Handrefraktometer widersprüchlich. Das Gerät ist geeicht.
Problem:
Wenn man mit einem Zahnstocher oder Zündholz Honig aus einzelnen Wabenzellen einer Wabe entnimmt und misst, erreicht man Werte zwischen 15% und 19%.
Wenn man während des Schleuderns die Probe aus dem auslaufenden Honig nimmt, kann man zum Beispiel 16% messen, wenn der Eimer voll ist, zeigt er 17%.
Wenn man die Probe nach einigen Tagen des Klärens und Absetzens von der Oberfläche des Eimers nimmt, zeigt er 17,5%.
Wenn man den Honig in der Abfüllkanne misst, kann er sich vom Ablasshahn zur Oberfläche bei einer 50 kg Kanne um bis zu 1% unterscheiden, bei einer Honigsäule von etwa 50 cm.
Exakte Wissenschaft sieht für mich anders aus.
Ich kann jedem nur raten, diese Messungen mal durchzuspielen. Zwar ist es etwas mühsam, das Gerät nach jeder Messung wieder zu reinigen und zu trocknen, aber der Aufwand lohnt sich für die Messreihen. Ich verwende zum Putzen ein neues feuchtes Schwammtuch und zum Trocknen ein Brillenputztuch.
Wie sind Eure Erfahrungen? Ich frage auch vor dem Hintergrund, dass ja bei allen Honigbewertungen exakte Prozente hergenommen und zu Grunde gelegt werden.
Sicher, anders geht es wohl nicht - aber wenn die Werte so zufällig und flüchtig sind, was taugen dann alle diese Messungen??
Bienenfreund
Hallo Bienenfreund,
Nein nicht sinnlos - aber problematisch.
Verzeiht, dass die Antwort etwas lang geworden ist.
Ehe ich zu angesprochenen Fragen komme, als Hintergrund, zwei Fakten aus alter Imkerpraxis meiner Vatergeneration. Noch aus Zeiten ohne heutige Messtechnik bei jedem Imker.
1)
Bekanntlich darf man zum Honig nichts zugegeben – doch darf ihm auch nichts entzogen werden.
Also auch kein Wasser, im nach-hinein!
Diese heute verbindliche Vorschrift war vor ihrer amtlichen Festlegung, als schweigend gebilligte Übereinkunft zwischen guten Imkern und ihren Kunden schon immer Vertragsgrundlage.
Ich beschreibe nun hier zwei Vorgehensweisen beim Schleudern und Lagern von Honig , (genauso altehrwürdige wie der oben genannte Anspruch), die, so meinte man, nicht im Widerspruch zu diesem Anspruch standen also allgemein praktiziert wurden.
2)
Zum Schleudern schritt man, wenn nur möglich im Juli, wenn über Europa einige Zeit ein sonniges, stabiles Hoch herrschte also die Luftfeuchte gut unter 50 % lag. Meist noch in knochentrockenen Räumen (in Deutschland s. g. Bienenhäuser, anderswo – wenn in Hausnähe gegeben am Dachboden mit Temperaturen über 30°C und Relativen Feuchten kleiner 30 %).
Die Schleudern waren offen. Es wurde also in der Mitte sehr trockene Luft eingesogen (durch welche dann die Honigfäden fliegen) und am Mantel wasserangereicherte Luft wieder rausgedrückt.
Weil die Schleudern langsam, (also lange), liefen wurde dabei der Wassergehalt vom abfließenden Honig um mindestens 1 % gesenkt ohne, dass jemand deswegen Gewissensbissen haben musste.
Heute ist man nicht mehr abhängig vom Wetter oder Raum.
Um den Honig nicht mit zu hoher Raumfeuchte anzureichern kann man ein Tag vorm Schleudern in den Raum ein Ausfrier-Entfeuchter stellen und sicher sein, dass der Honig im Scheuderabfluss nicht eine höhere Feuchte hat als in den Waben. Er wird durch das Schleudern sicher nicht feuchter!
3)
Ist der geschleuderte Honig mit der Feuchte in der Nähe von 18 % Wasser und hat er zudem eine ungünstige Zusammensetzung (mit Tendenzen zur Sedimentation ) so kann es leicht zur Wasseranreicherung in den Oberflächenschichten kommen – und als Folge zur Gärung desselben.
Auch dagegen hatte man eine erprobte Vorgehensweise.
Man stellte für einige Zeit (auch um den Schaum- und Wachsaustritt zu beschleunigen) die Kübel mit Honig auf den staubtrockenen, nicht isolierten Dachboden. Lose zugedeckt mit sauberen Leinentüchern.
Es herrschten da meist Temperaturen zwischen 30° bis 36°.
Der Honig blieb also stock-warm, klärte sich gut und rasch. Doch man beließ ihn da für mindestens 2 Wochen. Die hohen Temperaturen und das stark ausgetrocknete Dachholz wirkten dieser Anreicherung mit Wasser in den obersten Honigschichten entgegen.
Die Wasserdiffusion aus dem Honig, durch das Leinentuch ins Dachholz war so effizient, dass Gärvorgänge an der Oberfläche fast nie ein Problem wurden selbst wenn man den Honig damals , (aus Zeitmangel) kaum umrührte.
4)
Das Messen der Honigfeuchte.
Nachdem ich viele der Richtlinien diverser Institute und Hersteller vergleichend durchgelesen hatte, war mir klar, dass zwar aus praktischen Gründen die Refraktormetermessung konkurrenzlos verbleibt, dass man aber bei solchen Messungen, wie im Kastentext beschrieben, auch Ergebnisse bekommen kann, wie sie gezeigt und beanstandet werden. (Deswegen habe ich oben mit dem Hinweis auf alte Praktiken angefangen.)
Die Sache ist ja noch viel komplizierter als es die Kurzbeschreibungen zu den Refraktormetern schon vermuten lassen. Leider ist der Honig an Luft immer dabei mit dieser Feuchte zu tauschen.
D.h. ich sehe die Refraktormeter als Messmittel für Imker ohne Alternative – doch man sollte sich von diesem, unter Bedingungen, wie sie beim Imker, also außerhalb von einem Labor mal sind, betreffend Genauigkeit nicht mehr erhoffen als diese Messung überhaupt her geben kann. Nicht die geeichten (kalibrierten) Messgeräte sind daran schuld. Es ist auch die Physik die mitspielt.
Von schlechten oder falsch skalierten Refraktormetern ganz zu schweigen – denn in den Fragen geht es ja nur um die Reproduzierbarkeit bei Wiederholungen. Dann wenn die Bedingungen (für Honig und Umgebung) nicht ganz fix gehalten werden oder gehalten werden können.
Meine Meinung ist, dass deine Ergebnisse normal und nachvollziehbar sind. Ich gebe zu, dass man dabei mit einem flauen Gefühl zu kämpfen hat.
5)
Diesem Gefühl bin ich entkommen indem ich kein Refraktormeter besitze. Dafür habe ich eine Feinwaage. Damit bestimme ich die spezifische Dichte vom Honig.
Mit der Dichte wiederum komme ich auf den Wassergehalt beim Schleudern.
Auch hier geht die Temperatur stark ein, doch weil ich ca. 0,5 dm³ Honig benutze schwankt sie nicht so wie auf dem Prisma. Man kann sie mit dem Thermometer exakt messen. Und dann über Messkurven die Dichtewerte auf 20°C zurückrechnen.
Die Luftfeuchte beginnt bei einer 0,5 dm³ Probe erst nach Stunden eine Rolle zu spielen.
Die Messung über die Dichte ist deutlich aufwendiger als Refraktormetermessung – also kaum zu empfehlen. Messe die Dichte nur nur von Fall zu Fall. Nicht bei jedem Honig der anfällt.
Meistens langt mir die über Jahre gesammelte Erfahrung.
Für Interessierte - Zu Messung der Dichte/Feuchte mal eine Kurzübersicht.
Specific gravity of honeys with different water content. Tabelle unten stammt aus:
Honigdichte nach WHITE, J W (1975) Physical characeristics of honey,
In Crane, E (ed.) Honey, a comprehensive survey, Heinemann Edition; London; pp 207-239.
Sehr informativ auch die Links:
[www.bee-hexagon.net]
[www.fao.org]
Water Specific
content gravity at 20°C
H2O Dichte
(%) kg/dm³
13,0 1,4457
14,0 1,4404
15,0 1,4350
16,0 1,4295
17,0 1,4237
18,0 1,4171
19,0 1,4101
20,0 1,4027
21,0 1,3950
Die Tabelle in Kurzform - angenähert mit einer Formel (Polynom).
Wasser in % = - 1362,3 + 2100,4 x Dichte -794,84 x Dichte x Dichte
Grüsse HI