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Auf Achse!

(6 Einträge)

Prinzregententheater Bühne
253 mal angesehen
08.03.2008, 21.55 Uhr

Ein korsischer Abend

Vor zehn Jahre stolperte ich im Radio über einen Song, der nach Ablauf der Spielzeit vom Radiosprecher als „Fields of Gold“ von Sting benannt wurde. Was meine Wissbegier nicht stillte, denn neugierig war ich nicht auf den ehemaligen Police-Bassisten, sondern auf die zweite Stimme, die im Titel zu hören war.

Beim Musikhändler meines Vertrauens löste sich das Rätsel auf: Es war der Sänger der korsischen Band I Muvrini, von denen ich kurz entschlossen eine CD mitnahm. Und nachdem ihre CDs (mein Tipp: „Leia“) jahrelang auf meinem Player rauf- und runterspielten war es für mich keine Frage, ob ich für ihr Münchner Konzert eine Karte kaufe – ich musste hin.

Und so strömte ich mit ganz vielen anderen vergangenen Dienstag ins altehrwürdige Prinzregententheater in München. Keine schlechte Location dachte ich bei mir, als ich die Treppen des im Jugendstil erbauten Festspielhauses erklomm und mich in der vierten Reihe, praktisch zu Füßen der Musiker wieder fand.

Kaum jemand kennt hierzulande I Muvrini, aber in Frankreich und vor allem in ihrer korsischen Heimat sind sie Stars. Vor rund 30 Jahren gründeten die Brüder Jean-François und Alain Bernardini ihre Band, die sich der Belebung der korsischen Sprache und Kultur verschrieb.

Doch während andere mit revolutionären Parolen Eigenständigkeit demonstrieren (z. B. Fermin Muguruza für die Basken) verzichten I Muvrini auf Politik und werben für ihr Anliegen, mit dem, was sie am besten können – ihrer Musik. Über die Jahre haben sie einen eigenständigen Stil entwickelt, der Anklänge in der Popmusik und den polyphonen Gesängen Korsikas nimmt.

Am Anfang standen die traditionellen, polyphonen Gesänge, "Paghjellas", die die Brüder von ihrem Vater Ghjulio, einem bekannten Dichter und Sänger, bereits als Kinder gelernt hatten, im Mittelpunkt. Ihre Musik erweiterten sie im Laufe der Jahre mit Streichern, Gitarren, Akkordeons, Percussion, Dudelsäcken, Drehleier, Kora und moderner Elektronik – ein Mix, der ihnen in Frankreich hohe Chartplatzierungen und viele Goldene Schallplatten bescherte.

Und genauso wie das französische Publikum ging es dem Münchner Publikum im ausverkauften Prinzregententheater. Von Beginn an hatten die Musiker uns im Griff, spielten und sangen mit so einer Begeisterung, dass am Ende die drei Reihen vor mir aufstanden, um zu applaudieren und mitzusingen.

Nun, im Sitzen sehe ich nicht viel, also stand auch ich schnell auf, dreht mich einmal kurz um, um zu sehen, dass das ganze Theater stand und vereinzelt korsische Fahnen geschwenkt wurden. Immer wieder erzählte der Sänger Alain Bernardini zwischen den Liedern von ihrem Ursprung und von seiner Kindheit, eine Zeit wo Alter eine Auszeichnung war. Fazit: Ein Abend, der an Menschlichkeit seines gleichen sucht - vielleicht das Erfolgsgeheimnis von I Muvrini.


Und wer mal reinhören möchte….

[vids.myspace.com]

[youtube.com]

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Kommentare

09.03.2008 10:49 kruemel
Ich krieg schon Gänsehaut, wenn ich das hier nur lese
09.03.2008 11:55 Ginger
Da wirst du wahrscheinlich noch lange von zehren...

Er hat aber auch eine schöne eindringliche Stimme und auch wenn ich nichts verstehe von dem was er singt, es hört sich schön an.
11.03.2008 11:41 Katalin
Ginger schrieb:

Da wirst du wahrscheinlich noch lange von zehren...

Er hat aber auch eine schöne eindringliche Stimme und auch wenn ich nichts verstehe von dem was er singt, es hört sich schön an.


Ja, da hänge ich noch länger mit den Gedanken nach

Leider hab ich nicht die Lieder als Link gefunden, die ich gerne zum Probehören reingestellt hätte...
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