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Die Tücken des Alltags

(44 Einträge)

Bayernwappen
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10.04.2008, 19.55 Uhr

Leben und leben lassen

Ob das alles wirklich so stimmt mit der bayerischen Mentalität, mit der liberalitas bavariae, mit dem leben und leben lassen, weiß ich so genau nicht. Aber eines weiß ich schon: Für richtig revolutionäre Umtriebe sind wir Bayern nicht bekannt. Es gibt eine Anekdote aus dem Jahr 1918, als Bayern tatsächlich kurzzeitig eine Räterepublik war. Als es zu den ersten Unruhen und Straßenaufmärschen kam, soll ein Gesandter aufgeregt auf den damaligen König Ludwig III. zugelaufen sein, der gerade im Hofgarten lustwandelte, und geschrieen haben: "Majestät, Majestät, sie machen Revolution!" Und Majestät soll eher verwundert als erschrocken gefragt haben: "Ja, derfn`s denn des?" (Dürfen sie das überhaupt?)
Wie auch immer, die Monarchie war am Ende, die Räterepublik kurze Zeit später auch, und München war auf dem Weg zur "Hauptstadt der Bewegung". So weit, so schlecht. Trotzdem, so eine kleine anarchistische Ader haben die Bayern schon. Sie machen einfach nicht, was sie sollen. Jüngstes Beispiel: Rauchverbot. Es ist ja schon kurios: Da wurde 2008 das schärfste Nichtraucher-Gesetz der ganzen Republik ausgerufen, und kaum sind 3 Monate vergangen, schon ist das Gesetz das Papier nicht mehr wert, auf dem es gedruckt ist. Viele Kneipen sind nun Clubs, oder von 20 Uhr bis Sperrstunde Clubs, oder im Nebenzimmer tagt ein Club, ist damit eine geschlossene Gesellschaft und so gilt: Rauchen erlaubt. Die örtlichen Tageszeitungen bringen Übersichten, wo man wieder in aller Ruhe rauchen kann, wenn man eine Club-Karte hat. Und sogar die Bierzelte auf dem Frühlingsfest haben die Erlaubnis: Rauchverbot aufgehoben. Wir mussten kürzlich mit einem Besuch aus Hamburg erst ein paar Kneipen abklappern, um eine rauchfreie zu finden.
Ehrlich, mich stört das nicht. Ich gehe dann eben nicht in Kneipen, in denen geraucht wird. Tatsächlich finde ich es viel gescheiter, wenn die Wirte selbst entscheiden. Aber irgendwie passt es zu Bayern: Ein richtig hartes Gesetz muss her, das dann einfach listig umgangen wird....
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Philine

Philine

Alter: 62 Jahre,
aus Schönau
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