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Auf Achse!

(6 Einträge)

levy
182 mal angesehen
12.04.2008, 22.32 Uhr

Neue Stimme einer alten Kultur

Tiziano Terzani schrieb in seinem Buch „Fliegen ohne Flügel“, dass es in unserer Zeit keine wahren Meister mehr gäbe. Keine Maler, die wahrlich begnadet sind, keine Bildhauer, deren Werke anrühren, und keine Musik, die von Herzen des Künstlers in das Herz des Zuhörers geht. Damit kann er nicht Yasmin Levy gemeint haben….

Vor ein paar Wochen machte ich einen Abstecher in meine Stadtbücherei am Harras und fand bei „Weltmusik“ der CD-Abteilung eine Sängerin, deren Name ich nicht kannte. Ich nahm sie mit, war von der Stimme begeistert und kaufte mir prompt ein Ticket als sie vergangenen Samstag im Ampere auftrat.

Es war ein Konzert der israelischen Sängerin Yasmin Levy, eine Galionsfigur der Ladino-Musik. Nicht Latino? Nein, Ladino. Das erklärte sie uns nachdem sie zwei Lieder zum Einstieg sang und uns von ihrer musikalischen Herkunft erzählte. Ladino ist eine Musik, die tief in der spanischen Tradition verwurzelt ist. Und so berichtete sie, dass 1492 Isabella und Ferdinand von Spanien die Juden aus ihrem Land vertrieben.

Wer sein Leben retten konnte floh in die Mittelmeerländer, Griechenland, Italien, den Balkan, die Türkei oder nach Nordafrika. Nachdem sie über Jahrhunderte in Spanien gelebt hatten nahmen sie die spanische Sprache mit und mischten sie mit Elementen des neuen Sprachraumes – es entstand Ladino, das noch heute in Yasmins Generation in Israel gesprochen wird und mit der nächsten Generation aus dem täglichen Sprachgebrauch verschwunden sein dürfte.

Worüber handeln die Lieder des Ladino? Mehr oder weniger über alles das, was auch andere thematisieren: Liebe, Freude, Leid, aber insbesondere die Sehnsucht nach der alten spanischen und der noch älteren judäischen Heimat, nach Jerusalem.

Und so brachte die 32-Jährige ihr ganzes Herz und Leidenschaft in die Lieder, die ihr ihre Mutter als Kind beibrachte. (Mit der einen Hand schlug sie mit dem Kochlöffel den Takt, mit der anderen hielt sie Klein-Yasmin auf den wippenden Hüften. „I bring you my songs from my mother’s kitchen here to you“).

Neben ihrer Mutter trat sie vor allem durch ihren Vater Ytzhak Levy ein musikalisches Erbe an, der verstarb als sie nicht einmal 2 war. Als Kantor sammelte er sein Leben lang die Lieder des Ladino, er dürfte stolz sein, wie seine Tochter den über 500 Jahre alten Liedern neues Leben einhaucht.

Am viel zu schnellen Ende eines phantastischen Konzerts mit vier Begleitmusikern aus vier verschiedenen Ländern blieb mir ihre Bemerkung zu den Problemen in ihrer Heimat im Kopf.

„Ladino ist eine Musik, die daran erinnert, dass es eine Zeit gab, wo wir egal von welcher Herkunft im gegenseitigen Respekt lebten. Und es gibt keinen Grund, warum dies heute nicht ebenso möglich sein sollte."


Wer wissen möchte, wie sie klingt...hier ein paar Lieder aus ihrem aktuellen, dritten Album "Mano Suave".

[de.youtube.com]

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Kommentare

12.04.2008 22:53 wovo
Danke, Katalin,

ich muss mir die Dame doch mal näher ansehen/_höhren.

Kürzlich wurde sie im SWR3 präsnentiert - beim dann einzigen Lied das nach der Einfürhung folgte, war ich allerdings abgelenkt.
14.04.2008 08:44 kruemel
wovo schrieb:
beim dann einzigen Lied das nach der Einfürhung folgte, war ich allerdings abgelenkt.


Aber an Yasmins Aussehen lags nicht, oder? *lach*

Ach nee, SWR3 ist ja Radio
16.04.2008 10:18 Bienenfreund
Danke für den tollen Beitrag! Solche Beiträge liebe ich, weil sie nicht nur unterhalten, sondern man etwas lernen kann und Hintergründe vermittelt findet.
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