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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Vortrag
79 mal angesehen
27.04.2008, 21.24 Uhr

Bildungsvortrag, Teil 2

Okay, auf einzelnen Wunsch einer netten Person werde ich noch schreiben, wie der Vortrag war. Nee, hätte ich auch so gemacht, aber wir waren das ganze Wochenende unterwegs, so dass ich nicht ins Internet kam.

Ja, also eigentlich war es wirklich nett. Es waren sogar so um die 50 Mann gekommen. Aber weil ich schon lange in keiner Vorlesung war, für mich auch wirklich anstrengend zuzuhören. Ich bin echt nicht mehr in Übung. Früher wäre es kein Problem gewesen 45 Minuten einem Professor zuzuhören. Aber ich konnte die meiste Zeit doch einigermaßen folgen . Olli und seine anwesenden Mitstudenten hatten da weniger zu tun, denn ihr Prof hatte den Vortrag immer mal in Teilen während der Vorlesung (zumindest von den Ideen her) an ihnen ausprobiert bzw. mit ihnen ausdiskutiert. (Man bedenke, dass sie eigentlich Mathe bei ihm haben ). Die haben nämlich zwischendrin immer wieder so genickt und waren auch bei der anschließenden Mini-Diskussion schon immer viel weiter in ihren Denkansätzen. Zuerst dachte ich, dass ich so langsam war . Aber zum Schluss war mir klar, dass sie das alles schon mal gehört haben mussten.

Ach ja, welche Meinung hat der Redner nun vertreten? Im Großen und Ganzen die selbe wie ich . Er hat zwar den Hirnforschern durchaus ihre Daseinsberechtigung zugesprochen und wollte ihre Meinung auch gar nicht verteufeln. Aber auch er ist der Meinung, dass Gehirnaktivitäten nur anzeigen, dass das Gehirn Gedanken produziert, aber nicht unbedingt dass sie der Ursprung der Gedanken sein müssen. Seine Begründung ging dann auf die Philosophen Descartes und Kant zurück (es war ja auch ein Vortrag eines philosophischen Gesprächskreises). Ganz ehrlich, ich kann nicht mehr wiedergeben, was er da nu genau gesagt hat. Ich war froh, ihm in dem Moment folgen zu können. Aber im Ende ging ungefähr darum:
1. Gehirnaktivitäten sind zwar notwendig zum Denken, müssen aber nicht der ausschließliche Grund dafür sein.
2. Der Wille ist frei. Selbst wenn wir eingesperrt werden, ist unser Wille nicht eingesperrt. Wir haben die Verantwortung über unser Denken.
3. Auf die Frage, ob das Gehirn die Moral diktieren kann (Es ging ja auch folgende These: Falls Forscher wirklich herausfinden, dass das Gehirn unseren Willen und unsere Moral diktiert, könnten Verbrecher theoretisch nicht verurteilt werden, da sie ja nichts dafür könnten, sondern nur ihr Gehirn.): wir sind alle nicht nur "Produkte" unseres Körpers und damit Gehirns, sondern auch unseres Umfelds und unserer Kultur, die unsere Moral und unser Denken prägen.

Zum Schluss folgte noch eine Mini-Diskussion. Es meldete sich jemand (ein anderer Teilnehmer aus dem Philosophie-Forum, er und der Prof kannten sich und ihre gegensätzlichen Meinungen gut...), der die Seite der Gehirnforscher vertreten wollte. Das ist an sich, wie ich finde, eine sehr gute Idee. Aber er unterstellte dem Redner, dass er die Gehirnforscher verteufeln wollte, dass er Ihnen unterstellen wollte, dass sie keine Moral hätten etc. Das alles war aber augenscheinlich nicht der Fall. Selbst ich, die ich das Gesagte erst einmal verarbeiten musste, wusste, dass das so nicht war. Insofern schoss diese Gegenstimme sich eher selbst ins Aus.

Klar, auch ich hätte es gut gefunden, wenn da ein enstprechender und fachlich fundierter Gegenpart sich hätte zu Wort melden können. Aber ich fürchte hoch angesehene Gehirnforscher haben für so kleine Vorträge am Freitag Abend nicht unbedingt immer Zeit.
Zumal während der Diskussion auch klar wurde, dass sich der Prof durchaus mit den Arbeiten der Forscher auseinander gesetzt hatte, und wusste, wovon er sprach bzw. worüber er sich ein Urteil bildete. Auch lautete das abschließende Urteil, dass jeder sich da selbst ein Urteil drüber machen muss... und selbst wenn die Gehirnforscher recht hätten, dann muss sich jeder darüber klar werden, ob er sich seiner eigenen Verantwortung für sein Leben und das der anderen entziehen kann.
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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