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Kloster Schäftlarn
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13.09.2008, 10.51 Uhr

1. Tag - von München zum Kloster Schäftlarn

Zugegeben, spektakulär ist die erste Station nicht, wenn man von München zu Fuß an den Bodensee gehen will. Kloster Schäftlarn ist ein allseits beliebtes Ausflugs- und Radfahrerziel für freizeitaktive Münchner. Es ist die erste Station auf dem sogenannten Münchner Jakobsweg. Wir hatten ihn für unseren Fußmarsch gewählt, weil wir so eine gut beschilderte Wegweisung hatten und außerdem die Gewähr, dass wir uns auf einer landschaftlich schönen und verkehrsarmen Route vorwärts bewegten.

Wir trafen uns am vergangenen Samstag auf dem Jakobsplatz, nicht ahnend, dass zur gleichen Zeit tatsächlich in der Jakobskirche eine Aussendungs-Messe für Jakobspilger stattfand. Das erzählten uns dann die vier anderen Marschierer, die am selben Tag losgezogen waren und die wir an fast jeder Station wieder trafen. Einer von ihnen war ein echter "Pilger". Ein junger Mann um die 30, allein unterwegs, erzählte uns, er sei "gerufen" worden, nach Santiago de Compostela zu gehen. Mit ganz wenig Geld, darauf angegewiesen, dass ihn die Klöster an den Stationen aufnahmen, wenn er nicht im Freien übernachten konnte, hatte er sich mit Schlafsack und Isomatte auf den Weg gemacht. Ein krummer Ast diente als Pilgerstab, er hatte weder Karte noch Wegbeschreibung dabei, marschierte einfach gen Westen.

Da waren wir vergleichsweise gut ausgestattet. Wir hatten 5 verschiedene Karten im Maßstab 1:50.000, eine detaillierte Wegbeschreibung, Regenumhänge, genügend Klamotten für kalte und warme Tage, und statt eines Pilgerstabes hatte unser K. seine Bergstöcke dabei, deren er allerdings schon am ersten Tag beinahe verlustig ging. Denn: vor lauter Fotografieren fielen sie ihm in einen Seitenarm der Isar, als er in der Nähe des Hinterbrühler Sees mit seiner Kamera beschäftigt war, um jugendliche Surfer beim Wellenreiten abzulichten. Erster Schock nach einer knappen Stunde Gehzeit. Aber da ließen sich die Surfer in ihren Neopren-Anzügen nicht lumpen. Einer setzte geistesgegenwärtig mit seinem Surfbrett mutig dem schwimmenden Bergstock nach und rettete ihn für den weiteren Fußmarsch.

Überhaupt sind uns auf unserem Weg viele kleine feine Menschlichkeiten begegnet. Irgendwie ist die Welt langsamer, wenn man nur in Zeiten von höchstens 5 km/h denken kann. Und damit anscheinend auch freundlicher und verbindlicher.
Der erste Tag war außerdem noch unbelastet von Blasen, Muskelschmerzen, Knieschnacklern. Wir waren noch mehr nach außen gerichtet, bestaunten die Isarauen, als sähen wir sie zum ersten Mal. Und fühlten uns in andere Welten ein als unsere. Was K. angesichts eines Isar-Tümpels zu dem Ausspruch hinriss: "Wär`ich ein Molch, ließe ich mich hier nieder".
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Philine

Philine

Alter: 63 Jahre,
aus Schönau

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Kommentare

15.09.2008 05:29 finker
Phantastische Idee sich in einen Molch zu denken !
Freue mich auf Deinen nächsten Tagesbericht.
Finker
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