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Wirtshaus zum Koch in Rottenbuch Ammerbrücke
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21.09.2008, 10.02 Uhr

Von Wessobrunn nach Rottenbuch

Wir machten uns vom Geisenberger Hof guter Dinge weiter auf den Weg zu unserer nächsten Station, Rottenbuch. Die Sonne verwöhnte uns mit milden, herbstlichem Licht. Richtig heiß war es also nicht. Wir marschierten den Vormittag lang sehr zielstrebig Richtung Hohenpeißenberg. Den Berg selbst ließen wir aus, das hatten wir uns schon beim Start in der Früh vorgenommen. Schließlich waren wir alle schon öfter dort, und wir merkten, dass wir unsere Kräfte schonen mussten.

In einiger Selbstüberschätzung hatten wir von ein paar Probewanderungen her - 30 Kilometer am Tag gingen wir ohne Probleme - die Meinung, wir könnten die empfohlenen 10 Tage von München nach Lindau leicht in 8 oder 9 Tagen schaffen. Aber wir hatten dabei nicht bedacht, dass es ein großer Unterschied ist, ob man jeden Tag weitergeht, also die Muskulatur sich nicht erholen kann. Und ob man einen Rucksack auf dem Buckel hat mit Gepäck für 10 Tage - und nicht einen 1-Tags-Brotzeit-Rucksack. Außerdem begannen an diesem Tag finkers Knie mit schmerzhaften Revolten gegen unsere Tour. Aber wir marschierten tapfer weiter, mussten akzeptieren, dass das einzige Wirtshaus in Hohenpeißenberg an diesem Tag Ruhetag hatte, verspeisten im verlassenen Wirtsgarten unsere Brotzeit von Frau Geisenberger und machten uns weiter auf den Weg nach Rottenbuch.

Als wir durchs Ammertal kamen - die Zeit war schon sehr fortgeschritten - war klar: finkers Knie machte das ständige Auf und Ab nicht mit. Also rauf Richtung Straße, Verbindungsstraße von Schongau nach Rottenbuch. Das war jetzt wiederum für mich der Horror: Gehen auf einer Teerstraße und ständig Autos mit Hochgeschwindigkeit an uns vorbei - gräßlich. Und wir schätzten, bis Rottenbuch waren es mindestens noch 5 oder 6 Kilometer. finker mobilisierte alle seine Kräfte und war schon weit voraus, als wolle er das Knie doch noch austricksen, als ich an einem Parkplatz kurzerhand den einzigen Parker dort ansprach - wie in alten Zeiten, als wir noch "trampten" (macht heute kein Mensch mehr!). Obwohl ich lange keine süssen 17 mehr bin und 2 ältere Herren im Schlepptau hatte, nahm uns der Fahrer bereitwillig mit und erzählte von seinen Rucksack-Urlauben in England, bei denen er auch immer jemanden fand, der ihn mitnahm. Er half uns offensichtlich gerne und von Herzen, fuhr uns in Rottenbuch an das einzige? Café am Ort, mit Pension! - und kein Mensch der Welt hätte uns mehr von diesem Ort weggebracht. Wir bezogen unsere Quartiere in der Pension - und ich war an diesem Abend einfach nur glücklich. Sitzen dürfen, eine Tasse Kaffee trinken dürfen, Schulter und Schienbeine entlasten - das war wie Weihnachten. Im Wirthaus vor der Klosterkirche trafen wir dann auch unsere Mitpilger wieder. Der Hamburger hatte sich auch noch verlaufen und musste mindestens 7 Kilometer zusätzlich gehen! Und was sag ich: Wir bekamen in Rottenbuch das beste Essen vom grantigsten Wirt, das wir jemals bekommen hatten.
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Philine

Philine

Alter: 62 Jahre,
aus Schönau
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Kommentare

21.09.2008 18:20 Bienenfreund
Sehr spannend zu lesen, ja, aber wie ging es dann weiter?
Ihr seid total mutig, 30 km am Tag, das wär nix mehr für mich.
Und warum war der Wirt so grantig? Hat er Euch das Essen auf den Tisch geworfen? Ich mein' ja nur
21.09.2008 19:37 Philine
Bienenfreund schrieb:

Sehr spannend zu lesen, ja, aber wie ging es dann weiter?
Ihr seid total mutig, 30 km am Tag, das wär nix mehr für mich.
Und warum war der Wirt so grantig? Hat er Euch das Essen auf den Tisch geworfen? Ich mein' ja nur


Der Wirt bellte Gäste und Personal nur im Kasernenton an. Wir durften nicht jeder seine eigene Rechnung bezahlen. So ein "Gschieß" gibt`s bei ihm nicht. Und auch den Zeitpunkt des Bezahlens bestimmte nur einer: der Herr Wirt. Ab und zu kam er aus der Küche in den Wirtsgarten geschossen, bellte ein paar Anweisungen an die - sehr gelassenen - Bedienungen und verzog sich dann wieder in seine Küche...

Am nächsten Tag ging`s dann weiter nach Steingaden - beschreib ich im nächsten Blog. Hab heute keine Zeit mehr...
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