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Culloden 1 Culloden II Memorial Stone of Clan Fraser (Culloden)
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01.07.2007, 07.34 Uhr

Schottland (Teil 6b)

Da vor allem ich an Geschichte sehr interessiert bin, haben wir am späten Nachmittag noch eine Abstecher nach Culloden gemacht. Und da ich der Meinung bin, dass ein bisschen Geschichte nie verkehrt ist, hier eine kurze Einführung (wen das nicht interessiert, der liest einfach weiter unten wieder weiter)

Eigentlich hat alles mit Elisabeth I begonnen, denn die hatte, wie ihr vielleicht wisst, keine Kinder. Deshalb ging der Tron an den Sohn von Mary Queen of Scots, James Stuart. Nachdem zwei seiner Söhne regiert hatten, hatten die Engländer jedoch genug von den katholischen Stuarts und haben sie aus dem Land gejagt, weshalb James II, ein Enkel von James I, ins Exil nach Rom gegangen ist.

Dort kam auch sein Sohn, Charles Eduard Stuart zur Welt, besser bekannt als Bonnie Prince Charlie. Denn viel Schotten wollten "ihren" König wieder auf dem Tron sehen. Diese Anhänger von James nannte man Jacobites (vom lateinischen Jacobus für James).

Bonnie Prince Charlie war jung und glaubte die Welt erobern zu können. Deshalb reiste er nach Schottland und versuchte mit wenig Geld eine Armee aufzustellen, was ihm auch gelang. Am Anfang war seine Armee (bestehend aus den Clans der Highlands) auch sehr erfolgreich. Er hatte Schottland bereits für sich zurückerobert. Doch mit Schottland alleine wollte er sich nicht zufireden geben und marschierte gegen England.
England war aber eine Nummer zu groß für ihn und so wurde seine Armee zurückgedrängt und traf bei Culloden zum letzen mal auf die Engländer.

Als bekannt wurde, dass Cumberland mit seiner Armee auf Inverness marschierte, postierte Charles seine Armee auf dem nahe gelegenen Culloden Moor. Sie zählte noch etwa 5.000 Mann und war durch Krankheiten, Hunger und schlechte Bewaffnung geschwächt und demoralisiert.

Cumberlands Regierungsarmee umfasste 8.000 Infanteristen und 900 Kavalleristen, zu denen neben englischen Soldaten auch deutsche Söldner, Hannoveraner sowie mehrere Regimenter regierungstreuer Schotten gehörten. Cumberland war zwar kein begnadeter Stratege, hatte aber bei kleineren Scharmützeln gegen die Franzosen einige Erfahrung gesammelt und war mit der Kampfweise der Highlander vertraut.

Angesichts der ungünstigen Bedingungen schlug Murray für die Nacht vor dem 16. April einen Nachtangriff auf die Regierungstruppen vor. Da es sehr lange dauerte, bis die auf der Suche nach Nahrung zerstreute Armee versammelt war, wurde das Lager der Feinde nicht rechtzeitig gefunden und in den frühen Morgenstunden brach man das Vorhaben ab. Murray und einige andere Offiziere forderten angesichts ihrer übermüdeten Soldaten einen Rückzug in weniger zugängliches Gelände, wurden aber überstimmt. Charles beschloss, Cumberland auf der flachen Ebene des Culloden Muir zu erwarten. Er übernahm das Kommando des Zentrums.

Zu Beginn der Schlacht eröffneten die weit überlegenen Geschütze Cumberlands ein destruktives Feuer auf die Linien der Jakobiten, das deren schwächere Artillerie nicht effektiv erwidern konnte. Angesichts der steigenden Verluste gab Prinz Charles Lord Murray die Anweisung, den Angriff zu befehlen.

Nur ein Teil der jakobitischen Truppen beteiligte sich an dieser Attacke. Die MacDonalds, die traditionell das Recht für sich beanspruchten, den rechten Flügel zu stellen, waren auf dem linken Flügel postiert worden und weigerten sich aus Zorn über diese Kränkung größtenteils, dem Angriffsbefehl zu folgen. Die Hauptlast des Kampfs fiel deswegen auf die Camerons, MacLeans, Chattans und MacLachlans.

Trotz schwerer Verluste durch das Artilleriefeuer und die Musketensalven der Regierungstruppen konnten die Highlander die erste Linie bei zwei Regimentern durchbrechen. Die zweite Linie hielt jedoch. Es kam zu einem harten Nahkampf, doch angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit der Regierungstruppen und des Artilleriefeuers mussten die Jakobiten schließlich unter schweren Verlusten den Rückzug antreten. Nach Berichten von Zeitzeugen hat die Schlacht insgesamt nur etwa 25 Minuten gedauert.

Einem Teil der hannoverschen Kavallerie gelang es, den rechten Flügel der Jakobiten zu umgehen. Zwar die Regierungstruppen lange genug aufzuhalten, um einem erheblichen Teil der geschlagenen Armee den Rückzug zu ermöglichen, doch unter den Soldaten, die das Schlachtfeld nicht schnell genug verließen, richtete die Kavallerie anschließend ein Massaker an. Die Verluste der Besiegten waren enorm: rund 1.250 Jakobiten waren getötet worden, im Vergleich dazu 300 Regierungssoldaten.

Nach der Schlacht befahl Cumberland, alle verwundeten und gefangenen Jakobiten zu exekutieren. Seine Soldaten töteten etwa 450 verwundete Jakobiten, weitere sollen in eine Scheune gebracht und in ihr bei lebendigem Leib verbrannt worden sein. Einige höherrangige Gefangene wurden zunächst verschont, um in Inverness vor Gericht gestellt und später gehängt zu werden. Dieses auch für damalige Verhältnisse barbarische Vorgehen versuchte Cumberland damit zu rechtfertigen, dass es sich bei den Jakobiten um Hochverräter handele, denen gegenüber die üblichen Kriegsregeln nicht galten. Am folgenden Tag schickte Cumberland Patrouillen auf das Schlachtfeld, um etwaige weitere Überlebende aufzugreifen und zu töten. Hierbei starben zeitgenössischen Quellen zufolge noch einmal etwa 70 Jakobiten. Weitere Gefangene brachte man zunächst nach England und stellte sie dort wegen Hochverrats vor Gericht. Auch sie wurden bis 1754 großenteils hingerichtet.

Cumberland befahl darüber hinaus, mit äußerster Härte gegen die schottische Bevölkerung vorzugehen, da er sie der Unterstützung des Aufstands oder des Prinzen verdächtigte. Die englischen Truppen wüteten in den Highlands, es kam massenhaft zu willkürlichen Exekutionen, Verhaftungen, Plünderungen und Brandschatzungen.

Seine Erbarmungslosigkeit, seine menschenverachtende Brutalität und sein Zynismus brachten Cumberland den dauerhaften Hass aller Schotten und den ihm bis heute anhaftenden Beinamen the Butcher („der Schlächter“) ein.

Mit Waffengewalt und mit sehr repressiven Gesetzen (disarming act) wurden die Clans in den folgenden Monaten entwaffnet, die Burgen gebrandschatzt und das traditionelle Clan-System zerstört. Weite Teile der gälischen Kultur gingen in der Folge unter, da fortan die traditionelle Kleidung (Kilt und Tartan), die Verwendung der gälischen Sprache und sogar das Spielen der traditionellen Musik und der Dudelsack verboten waren.

Die Schlacht bei Culloden war die letzte Schlacht auf dem Boden der britischen Inseln. Sie wird in Schottland bis heute vielfach als nationale Katastrophe wahrgenommen, wobei die Grausamkeiten Cumberlands und die folgende Zerstörung der alten Gesellschaftsordnung der Highlander gleichermaßen eine Rolle spielen.


Bei diesem Hingergrund ist das Schlachtfeld phaszinierend anzusehen. Dort wo die einzelnen Clans postiert waren sind sogenannte Clanstones aufgestellt, auf denen der Name des Clans steht, der hier gestanden hatte.
Auch die gefallenen Engländer sind mit solchen Steinen verewigt. So kann man sich die Schlacht noch sehr gut vorstellen.

Selbst im mehr als ströhmenden Regen. Denn bei unserem Besuch hatte sich das Schlachtfeld wieder in ein Moor verwandelt und wir hatten größte Mühe überhaupt irgendwo hinzukommen. Aber, da mich (aus Gründen die hier zu lange dauern würden um sie auszuführen) etwas besonderes mit dem Clan Fraser verbindet, wollte ich diesen Stein unbedingt sehen.
Also haben wir uns tapfer bis dorthin durchgekämpft. Normalerweise, hätte ich dort etwas verweilt, doch wir konnten nur sehr kurz bleiben und mussten dann den schwierigen Rückweg antreten.

Als wir dann am Abend durchnässt und völlig fertig in unserem Quartier in Inverness ankamen, bieb uns nur die Hoffnung, dass dieser Regen kein Dauerzustand werden würde......








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