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Land&Natur

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Textilarbeiter bei edun edun-Gründer Bono und Ehefrau Alison Hewson Naturmode
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04.02.2009, 12.21 Uhr

Mode mit Moral

Ein Teil der Mode entdeckt ihr Gewissen: Nach der Lebensmittelbranche mit der Bio-Theke bei Aldi & Co. steigt auch die Mode auf den Bio-Zug auf. Doch waren in der Vergangenheit weite Latzhosen, Batikschals und schlabberige Wollpullis Synonyme für ökologisch produzierte Kleidung zeigen uns Promis wie Leonardo di Caprio und Sienna Miller den neuen Chic der fair gehandelten Mode.


Natur-Mode im Kommen

Man muss gar nicht ins Ausland gehen, um nach ökologischem Standard produzierte Kleidung zu finden. Seit Jahrzehnten vertreiben und produzieren deutsche Unternehmen modischen Chic mit Bewusstsein. Und das mit wachsendem Erfolg. Neben dem Marktführer Hess Natur erobern immer mehr kleinere Unternehmen den Markt. Eines davon ist das in Marburg ansässige Unternehmen Foster Naturkleidung. „Im Alter von 24 Jahren habe ich die Firma gegründet, weil mich schon sehr früh die Umweltbewegung angezogen hatte“, sagt Lars Volkmar, Geschäftsführer bei Foster Naturkleidung. „Ich begann als Student wöchentlich mit einem Marktstand in der Fußgängerzone Bio-Kleidung zu verkaufen.“ Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Innerhalb eines Jahres kam das Ladengeschäft, seit 2003 der Internetshop dazu.


Chemie-Schock treibt Bio-Boom an

In den letzten Jahren rüttelten Berichte die Konsumenten auf, die von den ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen der Textilbranche in der Dritten Welt berichteten. Neben diesen Missständen sprechen auch gesundheitliche Argumente dafür, auf „Grün“ umzusteigen. Denn die Bekleidungsindustrie ist längst zum Großabnehmer von Chemikalien geworden: rund ein Viertel der weltweit produzierten Chemikalien kommen dort zum Einsatz. Formaldehyd kann beispielsweise ätzend auf die Haut wirken und Allergien hervorrufen. Das Metall Nickel, an dem rund 15 Prozent der Deutschen allergisch sind, findet sich nicht nur in Knöpfen, sondern wird auch zum Einfärben von Textilien benutzt. Das Nervengift Blei, Bestandteil so mancher T-Shirt-Aufdrucke, wird mit Kopfschmerzen, Müdigkeit und sogar Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht.


Qualität, konsequent und kontrolliert

Ganz anders bei Foster Naturkleidung. „Ökologische Grundlage der Einkaufskriterien sind bei uns die Standards des IVN, dem internationalen Verband des Naturtextilwirtschaft“, so Volkmar weiter. „Wir arbeiten daran, hier die Standards zu vereinheitlichen.“ Wichtig dabei seien nicht nur Materialien aus biologisch kontrollierter Tierhaltung, sondern auch soziale Standards und die regionale Fertigung. „In Deutschland und in anderen Regionen Europas geht ein ganzer Industriezweig kaputt, weil wir uns genötigt sehen, in China zu produzieren. Erst schicken wir die Baumwolle von Ägypten nach Italien, machen feines Tuch daraus, um es dann in Indien und China nähen zu lassen.“


Weg vom Hippie-Image

Wenn wundert es, wenn bei diesen Argumenten auch Prominente das politisch korrekte Modemachen für sich entdecken. Bekanntestes Beispiel ist hier Bono Vox, Sänger der irischen Rockgruppe U2. Sein ohnehin starkes soziales Engagement rundete er 2006 mit der Gründung des Fashion-Labels Edun ab, das er gemeinsam mit seiner Frau Ali Hewson betreibt. Biologisch angebaute Stoffe kommen wir zwar nicht zum Einsatz, dafür lassen sie in speziell ausgesuchten Fabriken in Afrika, Indien und Südamerika produzieren. Moderner, klassischer Chic und Marketing werden hier Groß geschrieben. Für eine Werbekampagne standen Stars wie Lindsay Lohan und Top-Model Helena Christensen vor der Kamera.


Modisch-soziale Mission: American Apparel

Beim US-Textilunternehmen American Apparel kommt sportlich-hippes Outfit mit einem unternehmerischen Gewissen zusammen, das in den USA seines Gleichen sucht. Übertarifliche Löhne, Renten- und Krankenversicherungen, Integrationskurse und Wellness sind nur einige Punkte, die American Apparel wie das Eldorado für Arbeiter erscheinen lassen. Ein Engagement, das belohnt wird: Innerhalb von vier Jahren verdoppelte sich der Umsatz auf 35 Millionen Dollar und machte die Firma von Dov Charney zu einer der größten T-Shirt-Produzenten in Amerika.


Hippes aus dem Kloster: Misericordia

Ursprünglich wurde das Projekt von Benediktinerschwestern in Peru ins Leben gerufen. Die beiden Franzosen Aurelyen und Mathieu kamen auf die Idee, namhafte Designer wie Bernhard Wilhelm Kollektionen entwerfen zu lassen, die dort produziert werden. Durch den Ausbau der Kollektion und den Export nach Europa konnte die "Cabaña of Alta Costura of Misericordia" errichtet werden, wo alle Kollektionsteile entworfen und produziert werden. Alle Erlöse aus dem Verkauf der Kollektionsteile fließen an den Herstellungsort Ventanilla im Norden Perus zurück, wo mit dem Geld der Aufbau sozioökonomischer Strukturen ermöglicht wird. So viel soziales Engagement hat seinen Preis: Ein T-Shirt kostet mindestens 50 Euro!

Fotos: edunonline.com/Doreen Salcher - Fotolia.com
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