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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Blindsight
42 mal angesehen
14.02.2009, 19.02 Uhr

Filmtipp: Blindsight, Teil II

Kaum zu glauben, dass das schon wieder ein Jahr her ist, dass ich "Blindsight" in meinem Blog vorgestellt habe. Vor einer Woche habe ich nun das Buch ausgelesen und gestern auch den Film dazu gesehen. Was soll ich sagen, es hat sich wirklich gelohnt (bitte schaut für einen kleinen Überblick über die Geschichte in den alten Blogeintrag ).

Auf jeden Fall war es eine gute Idee, das Buch vorher zu lesen. Es gibt einen umfassenden Einblick in die Geschehnisse dieses Jahres, als die Bergbesteigung durchgeführt wurde und liefert natürlich auch viele Hintergrundinformationen über die Blindenschule und die Teilnehmer der Expedition. Die einzelnen Schüler und ihre Geschichten werden sehr ausführlich vorgestellt. Sie kommen selbst zu Wort und erzählen von ihrer Vergangenheit sowie von ihren Wünschen und Zukunftsträumen. Und natürlich wird alles aus Sabriye Tenberkens ganz persönlicher Sicht beschrieben.

Der Film liefert dann die visuellen Aspekte. Man kann sich alle Teilnehmer, über die man vorher so viel erfahren hat, in bewegten Bildern anschauen, und muss sie sich nicht mehr über die Beschreibungen Sabriyes vorstellen (was den Leser aber der blinden Sicht Sabriyes und der Kinder natürlich etwas näher bringt). Allerdings merkt man ganz schnell, dass der Film trotz einer Laufzeit von über 100 Minuten nur einen winzigen Ausschnitt aller Geschehnisse zeigen kann. Auch mussten Schwerpunkte gesetzt werden: Einige Jugendliche werden ausführlicher vorgestellt, als andere, manche Ereignisse werden nur kurz angedeutet. Auch bekommen Erik Weihenmayer und die Bergführer einen größeren Platz eingeräumt. Trotz alledem ist der Film aber gut gemacht und sehr berührend. Außerdem ist ein Interview mit Sabriye Tenberken und Paul Kronenberg auf der DVD, wo sie einige Informationen noch "nachliefern", die im Film keinen Platz gefunden hatten.

Eine Sache ist mir allerdings noch aufgefallen: Vor dem Lesen und Film schauen dachte ich, diese Expedition wäre sozusagen der Höhepunkt des Lebens dieser Kinder - ihre einzige Möglichkeit einmal über sich hinauszuwachsen. Wenn man nur den Film (ohne das Interview) sieht, könnte man vielleicht noch ebenso denken. Natürlich stimmt das auch, aber nur teilweise. Diese Jugendlichen wurden - nach einer oft schweren Kindheit, in der sie beschimpft und ausgeschlossen wurden - in der Blindenschule zu völlig selbstständigen und gut ausgebildeten, jungen Erwachsenen herangezogen, die stolz auf sich und ihr Leben sind. Ihnen wurde beigebracht, dass sie alles erreichen können, wenn sie es nur wollen. So begannen sie, auf öffentliche Schulen zu gehen und höhere Schulabschlüsse zu machen. Sie begaben sich in Ausbildungen - zum Beispiel zu Massagetherapeuten - oder gingen sogar ins Ausland zum Studieren. Damit haben sie ihren ganz persönlichen "Berg" oft schon bestiegen. Die Expedition war gar nicht notwendig, um ihnen zu zeigen, was sie können. Auch wenn diese ihnen sicherlich noch einmal einen Schub für ihr Selbstbewusstsein gegeben hat, und den ein oder anderen darin bestärkte, in das eigene Abenteuer seines Lebens zu starten.

Sabriye, Paul und die Mitarbeiter der Blindenschule leisten eine großartige Arbeit, und es ist sehr berührend und beeindruckend zu erfahren, was die Schüler später aus ihrem Leben gemacht haben. Eine wirkliche Inspiration - auch oder gerade als nichtbehinderter Mensch.

[www.braillewithoutborders.org]
[blindsight-derfilm.de]
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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