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Die Tücken des Alltags

(44 Einträge)

Ländliche Schneelandschaft
112 mal angesehen
17.02.2009, 18.38 Uhr

Glitzernder Schnee und spritzender Matsch

Es ist auf eine Weise Winter zur Zeit, wie schon ewig nicht mehr. Hier in München hat es den ganzen Tag geschneit, als müsste das Wetter drei schneearme Jahre aufholen. Aber: Welten sind zwischen einer schneebedeckten ländlichen Region und einer verschneiten Stadt. Die Stadt ist allerhöchstens einen Tag schön, dann kommt unerbittlich Matsch, Dreck, Hundehaufen, Schotter. Nie bin ich, als ich noch in den bayerischen Alpen wohnte, je im Winter von einer Depression befallen worden. Dort war der Winter entweder spannend, aufregend, schön, oder auch mal nervig, weil ich trotz Kindheit in den Bergen nie eine leidenschaftliche Skifahrerin war. Aber nie war er einfach nur dreckig-matschig. Alles außer Skifahren war schon deshalb so schön, weil es nur im Winter überhaupt möglich war: Schneemann-Bauen, Iglu schichten, Schnee-Guatl machen und im Schnee kühlen, Schlittenfahren, Schneeballschlachten. Die ersten jugendlichen Annäherungsversuche meines später langjährigen Ehemanns wurden mit Schnee getätigt. Wer als weiblicher Teenager in einem Schulbus sass und plötzlich von hinten eine Handvoll reinweissen Schnees in den Nacken geschoben bekam, wusste: ich werde geliebt! Bei einer Handvoll Matsch mit Split ist das nicht unbedingt gegeben.

Heute gegen nachmittag schon ging hier in der Stadt der Schnee in Regen über. In der Mittagspause musste ich Sprünge vor den Fußgänger-Ampeln hinlegen, weil ich sonst in Seen von Dreckwasser ertrunken wäre. Ganz zu schweigen von den Ausweichmanövern vor den Abenteurer-Radfahrern, deren sportlicher Ehrgeiz es ist, bei jedem, sprich: jedem! Wetter Fußgänger zu erschrecken. Mindestens 50 % meiner Münchner Freunde meinen, immer spätestens im Februar hegten sie Auswanderungsgedanken. Und auch ich krieg den Februar-Stadt-Blues. Werde am Wochenende in meine Heimat fahren und über schneebedeckte Felder schauen und knirschenden Schnee unter meinen Füssen spüren statt knatschendem Matsch.
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Philine

Philine

Alter: 63 Jahre,
aus Schönau

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Kommentare

17.02.2009 19:49 kruemel
Wahr gesprochen
17.02.2009 20:00 Eugenius
Liebe Philine,
Du sprichst mir aus der Seele.Deine Betrachtungen über Winter in Stadt und Land sind sehr realistisch dargestellt und eine leichte Wehmut überkam mich beim lesen.Kinder und Jugendträume stiegen plötzlich in mir hoch.
Und morgen geht's wieder hinaus in die matschige Großstadt.

Liebe Grüße

Heinz
18.02.2009 08:18 kleinNina
Ich kann ebenfalls nur zustimmen! Danke für den Beitrag!
19.02.2009 19:05 finker
Schön, dass Du wieder mal Zeit fandest, ich les' Dich so
gerne.
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