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Die Tücken des Alltags

(44 Einträge)

Papiertänzer
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23.02.2009, 15.01 Uhr

Der Einzelne und das Ganze

Gestern, Faschingssonntag, am Münchner Stachus. Es tobte nicht gerade der Faschingsbär, aber immerhin: Auf einer Bühne präsentierte ein lieblos als Pharao verkleideter Radio-Charivari-Moderator eine kleine Truppe von ca. 15 Tänzern, zu denen auch das Faschingsprinzenpaar von Asberghofen? Grindholzhausen? Oberpframmern? - weiß ich nicht mehr genau - gehörte. Wiewohl Tanzen nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, fand ich die Truppe richtig gut. Modern Dance, ein bisschen abgefahren, ein bisschen schräg, absichtlich eckig, aber in der Wirkung harmonisch. Was war`s, was mir so gefallen hat? Ich glaube, das selbe, das mich bei Chören immer fasziniert: Der einzelne ist nicht so wichtig, und doch kommt es irgendwie auf jeden einzelnen an. Nur im Zusammenspiel der vielen wird ein Kunstwerk draus, und das ist dann mehr als die Summe aller Einzelpersonen. Da ist keiner gleicher als die anderen.
Schönes Bild, dieses harmonische Zusammenspiel von vielen Individuen zu einem Gesamtkunstwerk. Schöne Metapher auch für das Zusammen, neudeutsch: Teamwork - in der Arbeit, in der Familie, im Freundeskreis, in der Gesellschaft überhaupt. Jeder darf er selbst sein, und aus lauter Selbsten wird was schönes Ganzes. Ach, klingt das gut ... aber meine Lebenspraxis sieht anders aus. Viele Selbste ziehen an je ihrem eigenen Strang und dann geht irgendwann mal gar nix mehr. Sag ich jetzt so, und wage nicht mehr, mich hier nicht an der eigenen Nase zu packen. Ich mutiere ja selbst immer mehr zum Einzelkämpfer, wenn ich nicht aufpasse. Zur Zeit wünsche ich mich mindestens einmal pro Woche als Eremitin in eine einsame Waldhütte. In einer Welt, in der alles mit allem zusammenhängt, muss ich höllisch aufpassen, nicht meinen Faden zu verlieren.
Vielleicht sollte ich dieses Angerührtsein vom harmonischen Miteinander von Chor und Tanz-Ensemble als Hinweis nehmen, dass ich weit weg bin davon. Muss ich zumindest annehmen, wenn ich dran denke, was mein lieber Freund K. - der mit der Isolatoren-Sammlung! - erst kürzlich von sich gab, als ich mal wieder verbal um mich schlug. Er meinte, er beginne schon mal damit Holz zu sammeln - um mich Hexe zu verbrennen
Ja, die Hölle, das sind die anderen, wusste schon Sartre vor mir, und jeder ist der andere des anderen - scheisse ... jeder ist die Hölle des anderen, nein, so auch nicht ..., jeder für sich und einer gegen alle... nein, kann ja gar nicht stimmen... Ach, lasst uns doch alle einen Chor oder eine Tanzgruppe gründen....
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Philine

Philine

Alter: 62 Jahre,
aus Schönau
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