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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Äpfel
129 mal angesehen
25.02.2009, 20.42 Uhr

Resteverwertung leicht gemacht

Wenn ich an meine Oma denke, bzw. wenn mein Mann von seinen Großeltern erzählt, dann gehört zu diesen Geschichten auch, dass sie so gut wie nie Lebensmittel wegwarfen. Reste wurden immer irgendwie verwertet. Sei es, dass Nudeln, Kartoffeln oder auch Kartoffelbrei verbraten wurden, aus altem Brot Armer Ritter gezaubert wurde oder die Suppe eben an drei Tagen hintereinander gegessen wurde. Bzw. wurde die Suppe selbst aus Gemüse- und oder Knochenresten gekocht.

Auch bei meinen Eltern ist Resteverwertung völlig normal - wenn auch nicht mehr ganz so extrem - und auch ich habe das ebenso so übernommen. Bzw. muss ich sagen, als ich noch jünger war und allein wohnte, schmiss ich doch recht regelmäßig Sachen weg, weil die meisten Packungen immer zu groß waren. Heute gehen mein Mann und ich einmal in der Woche einkaufen und planen, was wir kochen und essen wollen. Und meistens kommen wir ziemlich genau hin – auch wenn das nicht immer 100%ig klappt.

Aber so selbstverständlich ist das scheinbar nicht. Denn neben den vielen Lebensmitteln, die die Supermärkte täglich übrig haben (und nur teilweise zur Tafel bringen), ist es auch so, dass die meisten Privatleute zu viele Lebensmittel kaufen und dann einen Teil davon wegschmeißen. Das liegt zum einen an den Jumbo- bzw. Sparpackungen und zum anderen daran, dass sie planlos und damit doppelt und dreifach kaufen oder Reste vom Kochen einfach entsorgen. In Großbritannien landen wohl jährlich 4 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, in den USA wirft wohl eine vierköpfige Familie jährlich 60 Kilogramm weg. In Deutschland gibt es kaum Zahlen. Nur eine Studie aus Österreich könnte vielleicht ein paar Rückschlüsse ziehen lassen. Da wurde festgestellt, dass 10% aller Lebensmittel originalverpackt (!!) im Müll landet – und zwar unabhängig davon, ob die Menschen reich oder arm sind.

Dass so wenige Reste verwertet werden, liegt auch daran, dass immer weniger Menschen kochen, und damit vielleicht aus Überbleibseln etwas Leckeres zaubern können. Die Tafel in Berlin überlegt bereits, einfache Rezepte zu verteilen. Denn nur wer wenigstens ein bisschen mit Lebensmittel umgehen kann, kann sie auch verarbeiten.

In Großbritannien gibt es sogar eine Kampagne der Regierung, die „Love food, hate waste“ heißt. Dort werden grundlegende Dinge der Haushaltsführung erklärt, die scheinbar nicht mehr selbstverständlich sind. Z.B. wie man Essenspläne und die dazugehörigen Einkaufslisten erstellt oder welche Lebensmittel man wie aufbewahrt und verwendet. Es gibt auch einen "Lebensmittelrechner" der zum Beispiel angibt, wie viel Reis oder Kartoffeln man für eine bestimmte Anzahl an Essern braucht.

Außerdem gibt es wirklich nette Tipps und Rezepte, wie man Reste oder überreifes Obst am besten verwertet – oder es von vornherein anders als normal lagert. So wäre ich zum Beispiel nie auf die Idee gekommen, Trauben einzufrieren oder zu reife Bananen auf Toast zu schmieren und mit ein bisschen Zimt zu garnieren. Klingt aber ganz lecker!!

Wir hatten heute erst eine Gemüsepfanne aus den Sachen gezaubert, die dringend weg mussten. Einfach Möhren, Paprika und Tomaten zusammen gebraten, lecker gewürzt und mit Reis serviert - so einfach kann's sein. Und man muss dazu kein Kochgenie sein. Deswegen wundere ich mich so oft darüber, dass immer mehr Menschen auf's Kochen verzichten. Aber kein Wunder, wenn einem die Werbung ständig suggeriert, dass Fertiggerichte ja sooooo viel schneller und trotzdem was für "Genießer" sind…

[www.tagesspiegel.de]
[www.lovefoodhatewaste.com]
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

26.02.2009 10:24 Weizenkeim
Hallo Krümel, über die Tatsache, welche du hier beschreibst, rege ich mich schon lange auf.
Wir sind aber nun mal eine sehr konsum-orientierte Gesellschaft. Und Reste verwerten gehört nicht zum Konsum. Sinnvoll einkaufen demzufolge auch nicht.
Mittlerweile gibt es ja Kochsendungen im TV, aber die verwerten auch keine Reste Dem Fakt Lebensmittel müßte ein ganz anderes Bewußtsein entgegengebracht werden. Leider ist das in einer Überfluss-Gesellschaft sehr schwierig und viele Dinge sind verlernt worden.
Schon fast schlimm.
Trotzdem gönne ich jeden seinen vollen Teller.
26.02.2009 16:29 Eugenius
Die letzten Jahre des 2.Weltkrieges und auch noch einige Jahre danach waren Zeiten bitterster Not . Wer - wie ich - sie erlebt und überlebt hat , für den ist es fast unmöglich Lebensmittel achtlos in den Müll zu werfen . Danke für deinen Appell an die Vernunft.
lg.
28.02.2009 10:31 chgeschu
Heute wird mit Lebensmitteln umgegangen wie wenn sie gar keinen Wert mehr hätten. Es werden sicherlich viele Menschen von der Werbung beeinflusst, dass man alles und überall zu günstigen Preisen erwerben kann.
Darum denke ich, machen sich die Menschen keine Gedanken mehr wie die Lebensmittel entstehen und welcher Aufwand für gesunde Produkte betrieben werden muss. Das zeigt sich doch schon im Familienkreis, wenn ich die Enkel frage wo dieses oder jenes Produkt herkommt oder wie es entsteht bzw. wie es wächst. Bemerke ich oder meine Frau ein solches Defizit wird darüber ausgibigst geredet. Und beim Kochen dürfen / sollen die Kinder mit eingebunden werden. Und so schmecken Omas Gerichte meistens besser als zu Hause das schnelle Essen. Aber man muß sich die Zeit nehmen um Überzeugungsarbeit zu leisten. Na dann wünsch ich euch einen
guten Appetit. Übrigens bei uns wird noch zum Essen gebetet und das ist den Enkeln auch wichtig geworden. So denke ich: Von nix kommt nix!
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