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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Café Bohnen
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09.03.2009, 22.36 Uhr

Klangvolles Essen schmeckt auch besser

Das man Essen lieber mag, wenn es nett aussieht dürfte ja jedem bekannt sein. Das kannte man ja schon als Kind, wenn die Eltern aus Essen lustige Gesichter gemacht haben. Und ein nett dekoriertes und angerichtetes Essen schmeckt auch besser, als ein lieblos auf den Teller gepacktes.

Dass wir von unserer Psyche aber so manipuliert werden, dass uns Essen auch dann besser schmeckt, wenn es nur toll klingt, das war mir neu. Da gab es wohl eine nette kleine Studie, die herausgefunden hat, dass Kinder Gemüse lieber haben, wenn es einen fantasievollen Namen hat. So aßen sie "Röntgenstrahlen-Karotten" auch Tage später noch sehr viel häufiger als schnöde Möhren. Das funktioniert übrigens auch mit "Dinosaurier-Bäumen" (Brokkoli) oder "Power-Pillen" (Erbsen) - also mit allen Namen, die die Fantasie der Kinder anregen.

Wer jetzt aber glaubt, dass nur Kinder darauf "hereinfallen", der irrt sich. Auch Erwachsenen schmecken Gerichte mit klangvollen Namen sehr viel besser, als solche mit normalen Bezeichnungen. Ein Super Doppel Mega Whopper wird besser im Geschmack bewertet werden, als ein Brötchen mit Bulette - selbst wenn es genau dasselbe Produkt ist. Man erkennt das Prinzip auch sehr schön in den Speisekarten gehobener Restaurants - die von blumigen Umschreibungen ja nur so strotzen. Das kann sogar soweit führen, dass solche Bezeichnungen uns dazu verführen zu glauben, der Koch wäre kreativer und erfahrener als er wirklich ist. Ein weiteres gern genutztes Anwendungsfeld: die Lebensmittel-Industrie - ich erinnere nur kurz an all die Wellness-, Premium- und Bio-Produkte

Das alles hat etwas mit Erwartungen zu tun. Wir tendieren dazu, nur das im Essen wahrzunehmen, was wir zu finden glauben. Das Essen muss wirklich deutlich schlechter sein als erwartet, bevor wir enttäuscht werden. Das bedeutet auf der einen Seite, dass wir aufpassen müssen, ob die angepriesene Qualität wirklich enthalten ist. Auf der anderen Seite können wir das auch schamlos selber ausnutzen: bei der nächsten Party einfach vom eigenen aufgetischten Essen selber total überzeugt sein und es als uraltes Familienrezept ausgeben, die Wahrscheinlichkeit, dass es auch den Gästen schmeckt, wird damit sprunghaft steigen

Gefunden hier:
[www.telegraph.co.uk]
[www.demodirt.com]
offline

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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen

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