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Land&Natur

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06.04.2009, 14.32 Uhr

Slow City - Langsam zur Schnecke werden

Beeil dich mal! Wirklich? Schon Momo wusste: Wer Zeit spart, verliert dafür was anderes. Auch die Initiative SlowCity zeigt, dass langsamer schneller ist.

La Dolce Vita

Als im Rom der 90er Jahre an der Spanischen Treppe ein neues Fast-Food-Restaurant eröffnete, fühlten sich einige Römer berufen, die einheimische Esskultur zu wahren und gründeten als Gegenbewegung „Slow Food“. Daraus entstand später „CittàSlow“ oder „Slow City“. Der Grundgedanke: Im Mittelpunkt einer Stadt sollen der Mensch und die Umwelt stehen, nicht Weltwirtschaft, Mobilität und Industrie. Deshalb sind die Ziele auch die Wahrung und Stärkung der Regionalkultur.

Umweltpolitik, Infrastruktur, urbane Qualität, Aufwertung einheimischer Erzeugnisse, Gastfreundschaft und die Erhaltung der Landschaft werden gefördert. Vor allem geht es darum, regionale Vielfalt zu erhalten, individuelle Besonderheiten jeder einzelnen Stadt zu pflegen, den Bürgern zu neuem Selbstbewusstsein zu verhelfen und die Wertschätzung für ihre Stadt zu steigern.

Im italienischen Levanto etwa sucht man Hektik vergebens: Die Gassen der Altstadt sind für Autos tabu, Handwerker und Bauern aus der Nachbarschaft beliefern die Geschäfte. Das spricht für die Waren, aber auch für den sparsamen Umgang mit Zeit - Levanto ist ein Ort der Langsamkeit, eine ‚Cittàslow’.


Auch Hersbruck mag’s slow

12.500 Einwohner zählt das fränkische Hersbruck, und es ist stolz auf die kleinen Geschäfte und Märkte, auf Bratwurst, Bier und den typischen Brotkuchen. Die kleine Stadt wurde von den italienischen Gründervätern von Cittàslow anhand deren Kriterienkatalog begutachtet und als erste Stadt in Deutschland mit der CittàSlow-Schnecke ausgezeichnet.

Die Hersbrucker konnten auch einige Trümpfe auf den Tisch legen: regionale Wochen in den Gasthäusern und Restaurants der Kleinstadt und ihrer Umgebung, Jahr- und Wochenmärkte mit regionaltypischen Erzeugnissen, die Hersbruck ebenso fördert wie die traditionelle Hirtenkultur und Kirchweih. Budget gibt es dafür nicht, sämtliches Engagement kommt von den Bürgern und Offiziellen der Stadt.

Der Bürgermeister hofft, "Trendsetter für zahlreiche Nachahmer einer nachhaltigen Stadtentwicklung" zu sein. In Hersbruck wurde z.B. der Stadtbusverkehr 2006 auf Erdgasbetrieb umgestellt, die Frankenalb Therme werden mit Hackschnitzeln beheizt, und die ganze Stadt durchzieht ein optimales Radwegenetz.


Deutsche Schnecken à la carte

Das Konzept Città Slow passt auf den ersten Blick nicht in eine Zeit, in der alle Orte versuchen, "sich als kleines ‚Silicon Valley‘ zu präsentieren, überbordend von innovativer Dynamik und zukunftsgerichteter Flexibilität", meint Meinrad Bumiller von der Expo-Marketing Waldkirch e.V. Die kleine Stadt wirbt zwar auch um Wirtschaft und Industrie, berücksichtigt aber immer soziale und ökologische Faktoren. Auch Überlingen ist nachhaltig und lockt als "lebenswert, liebenswert, slow" Gäste an den Bodensee.

In Schwarzenbruck denkt Bürgermeister Norbert Reh derweil über den passenden Kick-off nach: "Wir überlegen noch, wie wir die Auszeichnung zur Slow City richtig bekannt machen". Verdient hat sich Schwarzenbruck die Auszeichnung unter anderem mit den Bürgersolaranlagen, die die Gemeinde auf öffentlichen Gebäuden installiert und den Bürgern kostenlos zur Verfügung stellt.


SlowCity funktioniert überall

Wer nicht in einer langsamen Stadt wohnt, kann trotzdem die Prinzipien leben, die SlowCity vorgibt.

* Kauft Produkte, die in der Region hergestellt werden – auch wenn Ihr dann mal länger drauf warten müsst, weil gerade nicht Saison ist
* Denkt ökologisch, wenn Ihr einkauft – egal, ob es Möbel oder Sportartikel sind
* Beteiligt Euch, wenn es um politische Entscheidungen geht und sagt was, wenn Euch was nicht gefällt
* Unterstützt die biologische Landwirtschaft
* Seid gastfreundlich


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