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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Kurt F. Domnik / www.pixelio.de
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06.04.2009, 22.49 Uhr

Schrille Vögel

Endlich ist wieder Frühling: alles grünt und blüht wie verrückt, puschelige Hummeln summen vor meinem Bürofenster und die Vögel zwitschern aus vollem Halse… und wenn ich es mir recht überlege irgendwie anders als früher. Vielleicht bilde ich mir das ja alles nur ein, vielleicht liegt es auch nur an der Gegend - wir sind ja erst vor zwei Jahren hierher gezogen -, aber ich hab eindeutig das Gefühl, sie zwitschern anders. Also sie singen nicht nur vor allem morgens, sondern gern mal auch nachts um halb eins. Und dann sind manche so schrill, dass es in den Ohren weh tut. Sie erinnern auch manchmal entfernt an Handys, aber es sind keine, nicht in der Lautstärke, nicht in der Dauer, nicht um die Uhrzeit…

In der aktuellen Ausgabe des Süddeutsche Zeitung Magazins wird genau dies thematisiert. Es wird wohl zunehmend beobachtet, dass durch den steigenden Lärm Vögel anfangen, neue Singstrategien zu entwickeln. Denn sie zwitschern ja nicht, um uns zu unterhalten, sondern um Weibchen anzulocken, Rivalen fernzuhalten oder andere vor Gefahren zu warnen. Rotkehlchen fangen zum Beispiel an, nachts zu singen, weil dann der Autolärm nicht mehr so hoch ist. Nachtigallen singen lauter. Amseln hingegen erhöhen ihre Frequenz, um noch gehört zu werden.

In dieser Gegend ist der Lärmpegel relativ hoch, auch wenn wir eigentlich schon fast im Grünen wohnen, die Felder fangen nur hundert Meter weiter an. Dennoch ist die wirklich viel befahrene Bundesstraße nicht weit entfernt, die Einflugschneise von Frankfurt führt teilweise auch über uns hinweg und selbst auf dem Rhein tuckern ununterbrochen irgendwelche Motoren. Wenn wir manchmal spazieren gehen merkt man ganz deutlich, dass es hier gar keine richtige Stille gibt. Kein Wunder also, dass die Vögel alles überschreien müssen, wer weiß, wie der Lärm sich für sie anhört.

Auch wenn das „Stadtleben“ für die Vögel einige Vorteile bietet, also mehr Futter, wärmeres Klima und weniger Feinde, aber das ständige Schreien schwächt und sogar Lockrufe könnten von den Weibchen missverstanden werden. Es wird auch vermutet, dass sich irgendwann neue Arten bilden, also dass die Stadtvögel und Landvögel später nicht mehr miteinander kommunizieren können. Ich meine okay, schrilles Handy-Gezwitscher ist nicht wirklich angenehm, aber für die Vögel selbst ist es ja nicht nur nervig, sondern sogar lebensbedrohend. Wirklich erschreckend was allein Lärm ausrichten kann.

Weitere Informationen
[sz-magazin.sueddeutsche.de]
[www.n-tv.de]
[www.br-online.de]
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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