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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Flagge Island
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26.04.2009, 18.33 Uhr

Naturparadies Island?

Island gehört ja für mich zu den Ländern zu den Ländern, wo ich unbedingt noch mal hin will. Die Wasserfälle und Geysire, die Hochmoore und das Meer – die Insel im Atlantik ist ein einziges großes Naturschauspiel, wo es noch echte Wildnis gibt.

Aber ganz so idyllisch, wie das Bild in meinem Kopf, ist wohl auch Islands Natur nicht mehr. Davon erzählt der folgende Artikel [www.tagesspiegel.de] Ja, die Isländer haben unberührte Natur vor der Haustür, Erdwärme und Wasserkraft machen Energie nicht nur sauber sondern auch preiswert. Aber der Nachteil dabei ist: Wer viel davon hat, geht sorglos damit um. Island hat einen so hohen Energieverbrauch wie die Amerikaner und sogar eine höhere Autodichte als Deutschland. Zumeist fahren sie große Jeeps, sie benutzen Plastikgeschirr zu Hauf und ökologisches Denken wurde bisher eher belächelt.

Außerdem ist der Energiesegen auch gleichzeitig ein Fluch, denn Erdwärme und Wasserkraft lassen sich nicht exportieren, die Energie muss grundsätzlich vor Ort produziert werden. Die niedrigen Energiepreise locken ausländische Firmen an, so zum Beispiel den amerikanischen Konzern Alcoa. Der hat auf Island eine Aluminiumschmelze gebaut. Die benötigte Energie dafür stammt aus einem extra gebauten riesigen Staudamm, der ein unberührtes Naturgebiet im Osten der Insel überflutet hat. Beschlossen wurde das Projekt von den Politikern still und heimlich während eines Regierungswechsels. Die Bewohner des entlegenen, strukturarmen Ostens freuten sich über die 700 Arbeitsplätze, aber es gab auch Proteste von Isländern, denen klar war, wie viel Natur geopfert wurde.

So richtig bewusst wurde den meisten Isländern erst, was sie verloren hatten, als der Film Draumalandið Anfang April in die Kinos kam. Die Dokumentation zeigt die Geschichte des Staudammes, seiner unbemerkten Planung und die Zerstörung von fast 60 Quadratkilometern unberührter Natur durch die Wassermassen. Er entlässt die Isländer mit der Frage wie viel Natur für das Wachstum der Wirtschaft gerade in Zeiten der Krise geopfert werden darf. Die Frage ist nicht unberechtigt, die nächste Schmelzhütte ist bereits geplant.

Doch es gibt auch einen Sinneswandel in Island. Viele wollen die Krise nutzen, um eine neue Gesellschaft zu gestalten und einen neuen Umgang mit der Natur zu festigen. So sollen ein nachhaltiges „Wellness Country Iceland“ entstehen, bei dem die heißen Quellen im Landesinneren für Spas genutzt werden sollen. Derzeit werden die Gegebenheiten auf ihr Potenzial überprüft. Andere Isländer, die durch die Krise ihre Arbeit verloren haben wollen nun Naturwanderungen anbieten oder aus ökologisch hergestellter Schafswolle Pullover produzieren und verkaufen. Vielleicht rettet die Krise sogar Island Natur, wer weiß.

[www.tagesspiegel.de]
Trailer zum Dokumentarfilm: [www.draumalandid.is]
[icelandweatherreport.com]
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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