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Land&Natur

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07.05.2009, 17.02 Uhr

Mal was anderes sehen: Bavarian Walking

Langeweile? Lust auf einen anderen Sonntag? Dann ab ins Priental, wo man sich von 7 Bäuerinnen und Landfrauen auf 8 verschiedenen Rundgängen erklären lassen kann, wie heute im Priental Landwirtschaft funktioniert und wie kulinarische Delikatessen vom Land entstehen.

Wie Bauern, Bürger und Adlige dort früher gelebt haben, erfährt man bei der Gelegenheit auch gleich. Außerdem inklusive: der Duft von Blumenwiesen und Heu, weicher Moorboden unter den Füßen und als Untermalung Vogelgezwitscher und Milchkannengeschepper. Und von uns gibt’s dann noch 5 Hotspots zum Einkehren obendrauf.


Tour 1: Millibankerl & Hiefin

Millibankerl? Hiefin? Was soll das denn sein? Antworten gibt’s beim Rundgang um den Ledererhof im Aschauer Ortsteil Haindorf. Hier erfährt man, dass das Millibankerl die Bank im Dorf ist, an der früher die Milchkannen abgeholt und alle wichtigen Informationen ausgetauscht wurden. Und dass „Hiefin“ die Holzgestelle sind, auf denen früher das Heu auf den Feldern getrocknet wurde.

Rund 500 Jahre hat der Hof schon auf dem Buckel. Längst ist das Millibankerl passé und ein Milchauto kommt auf die Höfe. Kaum vorstellbar, dass zum Beispiel auf den grünen Wiesen bis nach dem zweiten Weltkrieg noch Getreide angebaut wurde. Selbst Kartoffeln und der blau blühende Lein, Grundstoff für Lein- und Handtücher, gediehen hier. Und woher die Milch kommt, das weiß man nachher auch - ein Glas frischer Milch inklusive.


Tour 2: Schloss & Gespenst

Schutz und Trotz, Macht und Aufbegehren – um die wechselhaften Beziehung von Landherren, Burgherren und bäuerlichen Untertanen und vom Aufstieg des Burgadels zum Industrieadel geht’s auf einer weiteren Tour rund um die Burg Hohenaschau. Ein Schlossgespenst kommt in der Geschichte natürlich auch vor.

Kindergruppen und Schulklassen können auf einer Sandbank an der Prien sogar Stockbrot am offenen Feuer backen. 2008 wird übrigens das Schloss Hohenaschau neben Rosenheim einer der Schauplätze der Bayerischen Landesausstellung mit dem Titel „Adel in Bayern“ sein.


Tour 3: Feuer & Römer

Vor den Rittern waren auch schon die Römer da. In den Höhenberger Kiesgruben fanden Sondengänger vor einiger Zeit fast zweitausend Jahre alte Münzen aus der Römerzeit. Auch bronzezeitliche Fibeln und Gebrauchsgegenstände wurden schon entdeckt.Doch das ist eine andere Geschichte, und die erzählt Elisabeth Airinger auf ihrem Rundgang, der auf dem Geigerhof in Höhenberg beginnt.

Dieser hat übrigens selbst Aufregendes hinter sich: dreimal innerhalb von 50 Jahren ist er abgebrannt, und dreimal haben ihn seine Bewohner wieder aufgebaut. Am sagenumwobenen Bärensee erfahren die Besucher, was Streuwiesen sind und wie sie gemäht werden.


Tour 4: Marterl & Mehlmus

Mehlmus aus Milch, Mehl und Butter war die karge, aber nahrhafte Kost der Holzknechte. Ihr Leben war hart und manch einer kam bei der schweren Arbeit im Wald ums Leben. Holzkreuze im Wald und Gedenktafeln im Fels, so genannte Marterl, erinnern an sie. Die Geschichten dazu kennt Christine Pfaffinger.

Wer sich mit ihr auf einen Rundgang um den Auerhof begibt, bekommt sie zu hören und lernt gleichzeitig den Wald als Kraft und Lebensspender mit allen Sinnen erleben. Da dürfen auch mal die Schuhe ausgezogen werden, um einen Bach zu durchqueren. Vorausgesetzt es ist warm genug. Wer will, darf am Schluss sogar vom Mehlmus probieren.


Tour 5: Bauern & Grundherren

Schon seit 1180 gibt es den Kailhof, aber erst vor 150 Jahren ermöglichte die Säkularisierung, dass die Bewohner den Hof der Kirche abkaufen konnten. Von mittelalterlichem Raubmord, harten Kriegsjahren, gesegnetem Kinderreichtum und Bauernbefreiung handeln die Geschichten, die Kathrin Thaurer auf ihrem Rundgang um den Kailhof in Göttersberg erzählt.

Der Ausflug durch die Zeit führt in die heutige Landwirtschaft mit Kühen, Hühnern und Schweinen. Auf dem Weg sind Wasser und Quellen ständige Begleiter und man erfährt hautnah, welche große Bedeutung die elementaren Ressourcen Wasser und Boden gerade in unserer modernen Zeit haben.


Tour 6: Kleinhäusler & ein Radio

Bei dieser Tour gibt’s sogar Livemusik: Vom harten Leben der Kleinhäusler erzählt nämlich ein Lied, das Leni Bauer bei ihrem Rundgang um den Schusterhof zum Besten gibt. Der Hof liegt in Stein, einem abgelegenen Weiler in der schmalsten Ecke des Prientals, dramatisch eingeschlossen von hohem Fels und dunklem Wald.

Der kleine Grund rund ums Haus und das wenige Vieh reichten nicht aus, so dass die „Kleinhäusler“ allesamt nebenher ein Handwerk ausüben mussten. 1908 ließ Freiherr von Cramer-Klett 1908 eine Schule in dieser „Einöde“ bauen. Der erste Lehrer dort war ein „Daniel Düsentrieb“ seiner Zeit: Lehrer Hickl sorgte dafür, dass Elektrizität und Radio ins Tal kamen.

Den Landwirten heute geht’s übrigens in einem Punkt wie den Kleinhäuslern damals: Auch sie können von der Landwirtschaft alleine nicht leben und arbeiten nebenbei in anderen Berufen. Das süße Dessert am Ende der Tour: in Schmalz gebackene „Mäuse“.


Tour 7: Grenzgänger & Wilderer

Jetzt wird’s spannend: Wilderer und Schmuggler stehen im Mittelpunkt des Rundgangs um den Simmerlhof. Der befindet sich auf 900 Metern „ganz hinten“ in Sachrang an der Tiroler Grenze. Das Leben der Menschen im Grenzgebiet von Österreich und Deutschland war übrigens geprägt von guter Nachbarschaft: Die Tiroler kamen herüber in die Kirche, man heiratete hinüber und herüber und machte gemeinsam Musik.

Bei allen Rundgängen wichtig: das Heute. Monika Pfaffinger bringt uns hier zum Beispiel die Landwirtschaft in den Bergen nahe: wie mühsam es ist Steilhangwiesen zu mähen oder wie sich der Wald die Landschaft dort zurückholt, wo Wiesen nicht mehr bewirtschaftet werden. Zum Abschluss gibt es im eigenen Ofen gebackenes frisches Bauernbrot.


Tour 8: Handschellen & Aussichten

Die Freiheit liegt ja bekanntlich in den Bergen. Zumindest bei Sonntagsausflügen. Früher waren die Berge für manche aber auch ein Gefängnis. Bis in die jüngste Zeit bestand oberhalb von Aschau die „Gefangenenalm“ der Justizvollzugsanstalt Bernau.

Dort endet eine Gruseltour über Henker, Haft und Herrschaft. Auf einer dreieinhalbstündigen Wanderung durchstreifen die Teilnehmer die Zeit, als die Herren von Hohenaschau noch das Sagen hatten, und kommen vorbei an Schauplätzen von Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit während der nationalsozialistischen Diktatur.

Gut, dass man auf der ehemaligen Gefangenalm auch einkehren kann. Und der Blick über den Chiemsee ist wirklich ein absolutes Highlight!


Weitere Links:

www.bavarian-walking.de

www.bauernland-und-bauersleut.de

Auf der Seite von „Bavarian-Walking“ bzw. „Bauernland und Bauersleut“ finden sich die Termine der nächsten Wanderungen, Beschreibungen der Wanderungen und Kontaktdaten.
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