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Aufgeschnappt

Was die Medienwelt so hergibt (37 Einträge)

Regionale Währung - der Chiemgauer
66 mal angesehen
26.05.2009, 16.27 Uhr

Regionale Produkte - regionale Währung

In der letzten ZEIT gab es ein journalistisches Highlight: Ein Dossier darüber, dass unserem derzeitigen Wirtschaften ein "Höher, Weiter, Schneller" systemimmanent ist und warum (hab ich so einleuchtend noch nie erklärt bekommen - in Kürze: weil wir uns als "Arbeitsgesellschaft" definieren) und Alternativen dazu. Der Titel: "Wir können auch anders", der Autor ein Wolfgang Uchatius, von dem ich bisher nichts gehört habe, den ich mir aber merken werde.
Unser derzeitiges Wirtschaftssystem vergleicht er mit einem Flugzeug. Das kann auch nicht "stehen bleiben", es muss weiter, sonst stürzt es ab. Dem setzt er einen wirtschaftlichen Hubschrauber entgegen. Denn der kann in der Luft stehen bleiben, ohne dass er abstürzt. Und dann bringt er ein paar Beispiele dafür, wie aus einem Flugzeug ein Hubschrauber werden könnte, der sich aus verschiedenen Einzelteilen zusammensetzt. Und als eines dieser Teile beschreibt er - mit einer guten Portion Humor in dem eher trockenen Thema - den "Chiemgauer". Hier eine kleine Kostprobe:
"Der Chiemgauer ist ein Mensch, der im oberbayerischen Chiemgau lebt: So war das jedenfalls bis vor 6 Jahren. Dann kam ein Lehrer aus Rosenheim auf die Idee, das Geld neu zu erfinden. Gemeinsam mit sechs Schülerinnen der 10. Klasse führte er, neben dem Euro, ein zweites Zahlungsmittel ein. Seitdem ist der Chiemgauer auch etwas, mit dem man sich eine Leberkässemmel oder eine Computermaus kaufen kann. Geld eben. Ein Chiemgauer ist einen Euro wert. Aber nur im Chiemgau. Nur bei Leuten und Unternehmen, die ihn als Zahlungsmittel akzeptieren."
Es folgt eine launige Beschreibung, wie sehr die Zahl derer steigt, vor allem seit der Finanzkrise, die im Chiemgau mit Chiemgauern bezahlen, wie die Scheine aussehen, nämlich bunt wie Monopoly-Geld, bis er schließlich bei dem Clou der ganzen Sache ankommt, in der ja viel mehr drin steckt als eine folkloristische Besonderheit. Der Chiemgauer verweigert sich nämlich der grundkapitalistischen Eigenheit, Geld anzuhäufen und gegen Zinsen zu verleihen. Den Chiemgauer soll man ausgeben, nicht anhäufen. "Wer die Scheine behält, muss alle drei Monate eine Verlängerungsmarke kaufen". Und weil eine solche Schwundwährung permanent an Wert verliert, kann man, wenn man sie verleiht, kaum Zinsen verlangen. Weshalb, und das ist der wirtschaftliche Clou, "ein Unternehmen, das sie sich ausleiht, nicht zu permanentem Wachstum gezwungen ist. Es kann glücklich stagnieren." Ein Baustein für den Hubschrauber eben.
Tatsächlich soll es inzwischen allein in Deutschland 28 Regionalwährungen geben, etwa 30 weitere sind in Planung. Es sind kleine wirtschaftliche Mikrokosmen entstanden, in denen etwas weniger Renditedruck herrscht. Im Vergleich zu den Milliarden von Euro, die sich bundesweit in Umlauf befinden, nicht weiter relevant? Man wird sehen. An dieser Stelle sei auf alle Fälle den Chiemgauern gedankt für diese freche wirkungsvolle Idee.

Bildquelle: Wikipedia
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Philine

Philine

Alter: 63 Jahre,
aus Schönau

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Kommentare

07.10.2009 13:54 Bienenfreund
Der Chiemgauer bezahlt mit Chiemgauern, ein nettes Wortspiel
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