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Die Tücken des Alltags

(44 Einträge)

An der Salzach Radweg an der Salzach Tauernradweg
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15.06.2009, 16.44 Uhr

Auf dem Tauernradweg

Neffe 1 hatte Bedenken. Die Gefahr, dass die 3tägige Tauernradweg-Tour mit zwei schwer angejahrten weiblichen Einpeitschern (Mutter und Tante) in Langeweile endet, war nicht von der Hand zu weisen. Neffe 2 war da aufgeschlossener. Kein Wunder - 3 Jahre machen schon was aus bei 9 und 12jährigen Nervensägen. Aber dann wurde doch fast ein Abenteuer-Urlaub draus. Denn die Tour war bereits am 1. Tag nach der harmlosen Anfangsetappe ein happiges Unterfangen. Bergauf und bergab ging`s noch 18 Kilometer auf einer zwar nicht vielbefahrenen aber immerhin stets frequentierten Landstraße nach Burghausen. Neffe 2 beharrte darauf, dass er immer nur bergab radeln wollte, uneinsichtig gegenüber allen physikalischen Gesetzen. Außerdem kam er immer dann, wenn es wirklich wichtig wurde, mit seiner Gangschaltung nicht zurecht. Und dann musste er spätestens alle 3 Kilometer irgendetwas Flüssiges zu sich nehmen. Neffe 1 hielt in ähnlichem Rhythmus an, um mit seinem neuen I-Phone alles im Bild festzuhalten, was irgendwie nach Foto-Motiv aussah. Und so waren wir um einiges länger unterwegs als wir erwartet hatten. Gott sei Dank hatten wir in Burghausen Zimmer vorbestellt und hatten dann um sieben Uhr abends tatsächlich den 1. Tag mehr schlecht und recht mit wehen Hinterteilen hinter uns gebracht. Aber das war noch gar nichts gegen den 2. Tag. Weil wir die Landstraßen wegen der Schlenkerei von Neffe 2 unbedingt vermeiden wollten, ließen wir uns darauf ein, den Weg von Burghausen nach Tittmoning am linken Salzach-Ufer zu benutzen. Keine Straße, sondern ein idyllischer Rad- und Wanderweg, allerdings schon seit Jahren unter dem Kloster Reistenhaslach wegen Steinschlag-Gefahr gesperrt. Der Wirt in Burghausen meinte zwar, das Sperrgebiet wäre leicht zu überwinden. Man müsse nur einmal die Schuhe ausziehen, Hosenbeine hochkrempeln und durch eine kleine Furt waten. Aber was dann tatsächlich kam, war so harmlos nicht. Die Absperrung mit übermannshohem Drahtzaun ging vom Fluss bis zur Burg, es gab also keine Möglichkeit, an dem Zaun vorbeizukommen außer auf einem winzigen von wagemutigen Vorwanderern oder Vorradlern dem Schilf ertrotzten Pfad knapp über dem Ufer der Salzach. Ohne Befestigung, knapp über dem hier schnellenreichen Fluss. Wir warfen unser Gepäck über den Zaun und erhielten wundersamer Weise Hilfe von einem weiteren Radler, der just zu dem Zeitpunkt hier auftauchte und versicherte, er hätte dieses Hindernis schon des öfteren überwunden. Gemeinsam schafften wir die Räder tatsächlich einerseits unter der Sperre hindurch, andererseits an der Sperre vorbei in luftiger Höhe über dem Fluss (wobei uns stets bewusst war, dass wir gesetzeswidrig handeln und mir eigentlich ständig, dass es unvernünftig ist, was wir tun. Es ist also in keinem Fall zur Nachahmung empfohlen). Erschwerend kam hinzu, dass unsere Aktion genauestens beobachtet wurde von einer Gruppe von ca. 20 Rentnern auf der anderen Seite der Absperrung, deren Ausflug hier ein jähes Ende nahm. Echt abenteuerlich!

Ich hätte nie gedacht, dass wir das schaffen. Ich habe vorher leidenschaftlich dafür plädiert, den Umweg über die Landstraße zu benutzen. Meine Schwester jedoch kam in Abwägung der beiden Gefahrenquellen: 1) Sturz in die Salzach und 2) Neffe 2 mit Schlenkereien auf der Landstraße eindeutig zu der Überzeugung, dass der Salzachsturz das geringere Übel wäre. Nun gut, sie hat recht behalten, wir haben alle Hindernisse hochkonzentriert gemeistert, getrübt einzig von der Aufregung, dass Neffe 2 ausgerechnet im gefahrenreichsten Moment unbedingt aufs Klo musste.

Dafür hat Neffe 1 eine wunderschöne Fotoreihe gemacht, die er alle mit Kurzüberschriften versehen hat: Der Weg - die Stadt - der Fluss - die Grenze - die Brotzeit - die Mündung - die Kunst - die Brücke - die Burg - die Kirche - die völlig fertige Radler-Truppe.
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Philine

Philine

Alter: 62 Jahre,
aus Schönau
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Kommentare

15.06.2009 18:07 Ginger
Klasse, hört sich gut an, man möchte mit dabei gewesen sein.
15.06.2009 21:45 kruemel
Abenteuerlich!
15.06.2009 22:00 Eugenius
Aus meiner Radlerfahrung weiß ich , dass mehrtätige Radtouren immer mit Überaschungen gespickt sind.Mit oder ohne Neffen.Das Wichtigste - Ihr habt alles gut überstanden
22.06.2009 11:57 Paula
prima, scheint ihr habt alle gut Spaß gehabt
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