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Land&Natur

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22.06.2009, 15.00 Uhr

Unterwegs im Namen des Naturschutzes

Es ist halb sechs Uhr morgens. Franziska Nath, (22), Biologiestudentin in den Niederlanden, die Frau mit hellgrüner Regenjacke, Fernglas um den Hals und Klemmbrett in der Hand, bleibt stehen und neigt den Kopf leicht zur Seite. „Ist das eine Gartengrasmücke?" wendet sie sich fragend an ihren Kollegen Jan Spiegelberg (20) aus dem Rheinland. Prüfend lauscht er der Stimme des Vogels, der aus dem Busch am Rand eines Naturpfades zwitschert und sein Revier besingt. Spiegelberg bestätigt ihre Vermutung. Die 22-jährige Biologiestudentin trägt daraufhin den Vogelnamen auf einer Karte ein.

Die beiden Jugendlichen führen eine Singvogelkartierung durch, eine von vielen Aufgaben der Naturschutzwarte auf Wangerooge.Dafür stehen sie regelmäßig schon vor Sonnenaufgang auf, denn in den ersten Stunden des Tages sind die meisten Reviergesänge zu hören. „Diesen Gesängen ordnen wir die richtigen Singvogelarten zu", erklärt Nath. „Nur die Vögel aufzuschreiben, die wir sehen, reicht nicht aus, da sich viele Tiere meist versteckt aufhalten," fügt Spiegelberg hinzu. Ziel ist es, nach Sammeln und Auswerten der Daten Trends zu erkennen, wie sich die einzelnen Bestände auf der Insel entwickeln.

Nach der Kartierung geben sie, während eines Frühstücks vor der Oststation, der LAND & Forst einen kleinen Einblick in die Arbeit und das Leben eines Naturschutzwartes. „Insgesamt gibt es auf der Insel zwei Stationen. Jan Spiegelberg wohnt in der Weststation, die während der Brutsaison mit zwei Naturschutzwarten besetzt ist, und ich in der Oststation. Dort leben ganzjährig zwei Naturschutzwarte", erläutert Nath und wärmt sich an einer Tasse Tee ihre Hände.


Gewöhnungsbedürftig, aber spannend

„Das Inselleben unterscheidet sich von der Hektik am Festland", sagt Jan Spiegelberg. „Aber es ist auch spannend", fügt seine Kollegin mit einem Lächeln hinzu. Es gibt zwar fließend Wasser und auch Elektrizität, doch auf Unterhaltungsmedien, wie Fernseher oder Internetflatrate müssen sie verzichten. „Ich finde es auch mal erholsam, nicht mit dem ‚Müll’ der Welt zugeschüttet zu werden", betont die Biologiestudentin.

Im Haus gibt es einen Aufenthaltsraum mit einer Sofaecke, einem Schreibtisch, einem Regal mit Literatur zum Naturschutz und einem Holzofen. „Wir suchen Treibholz und hacken das Holz auch selbst", berichtet der 20-Jährige stolz. Weiterhin gibt es noch eine Küche, ein Badezimmer und ein Schlafzimmer, das sich die Studentin mit einer weiteren Naturschutzwartin teilt.

Rückblick: Regenhose, Wanderschuhe, Pullover, Hosen und vieles mehr – Mit einem 55 Liter-Backpackerrucksack kam Franziska Nath am 5. April 2009 auf der Insel an. „Ich habe viele Socken eingepackt, da ich nicht jede Woche waschen kann", berichtet die Naturschutzwartin lächelnd, denn die Waschmaschine steht sechs Kilometer entfernt auf der Weststation.

Neben körperlicher Fitness und Flexibilität ist die Bereitschaft, sich Wissen über die Flora und Fauna anzueignen, eine wichtige Eigenschaft, um als Naturschutzwart zu arbeiten. „Außerdem sollten sie nicht kontaktscheu sein", fügt Nath hinzu. Wenn Inselbesucher ihre Hunde nicht anleinen oder abseits der Naturpfade in den Dünen picknicken, müssen sie die Urlauber auf den Verstoß hinweisen. Auch bei vogelkundlichen Führungen kommen die Beiden mit unterschiedlichen Leuten ins Gespräch.

Wenn Touristen über die vielen Tümpel auf der Insel staunen, erklärt Nath den Grund dafür: „Zehn Tage vor Kriegsende wurden auf Wangerooge noch einmal 6.000 Bomben abgeworfen. Viele dieser Bombentrichter sind heute noch zu sehen und die einzigen offenen Süßwasserflächen auf der Insel. Sie sind bedeutende Biotope, nicht nur für die Vogelwelt, sondern zum Beispiel auch für die seltene Kreuzkröte und viele Libellenarten."


Kleine Insel und große Aufgaben

Im 14tägigen Rhythmus findet an der gesamten Wattenmeerküste eine Wasser- und Watvogelzählung statt. „Wir sind für die Küstenabschnitte der Insel Wangerooge zuständig", berichtet Nath.

„Bei Hochwasser, wenn die Vögel nicht im Watt nach Nahrung suchen können, sitzen sie an der Wattkante oder in den Salzwiesen, um sich auszuruhen. Dann sind sie besser zählbar", weiß Spiegelberg. Die Ergebnisse werden, wie bei der Singvogelkartierung, dazu genutzt, um zum Beispiel Trends in der Bestandsentwicklung zu erkennen.

Eine weitere Aufgabe der Naturschutzwarte ist das Ölopfermonotoring: „Alle 14 Tage laufen wir am festen Strandabschnitt entlang, schauen nach toten Vögeln und nehmen den Verölungszustand auf. Schon bei einem kleinen Ölfleck können sie sterben. Durch den Putzvorgang kann das Öl auch in den Verdauungstrakt geraten – das kann zu inneren Verletzungen führen. Teilweise putzt der Vogel auch imprägnierenden Fettfilm auf seinen Federn weg und kühlt langsam aus – was zum Tod führen kann", erklärt die Biologiestudentin.



Den kompletten Bericht könnt ihr auf der Onlineseite der LAND&FORST nachlesen:

[www.landundforst.de]
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Kommentare

22.06.2009 21:14 kruemel
Schöner Bericht!
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