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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

nature.picture / www.pixelio.de
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30.06.2009, 22.03 Uhr

Loca-was?

Ich habe heute mal wieder einen mir völlig neuen Begriff kennen gelernt - und ich staune immer wieder, welche Kreativität die Leute an den Tag legen, wenn es darum geht, neuen Trends einen Namen zu geben. Wobei, nein, eigentlich habe ich sogar noch weitere Begriffe in diesem Zusammenhang gelernt. Aber wir fangen besser von vorne an.

Wovon ich eigentlich rede ist der englische Begriff "Locavore", der mir im ersten Moment so gar nichts gesagt hat. Er entstand in Anlehnung an carnivore (Fleischfresser, gibts auch im deutschen als karnivor - fleisch fressend) oder herbivore (Pflanzenfresser). Locavore sind also Menschen, die nur Nahrungsmittel essen, die aus der Umgebung stammen. Das heißt also nur saisonale Produkte, am besten von kleinen Erzeugern, die maximal 100 bis 200 Kilometer entfernt sind.

Auch hier in Deutschland achten immer mehr Menschen auf die Herkunft ihrer Nahrungsmittel. Aber besonders im finanzkrisengeschüttelten Amerika breitet sich der Trend sehr schnell aus. Aber ironischerweise ist die Hochburg der Locavore ausgerechnet in New York angesiedelt. Hier gibt es immerhin 45 Bauernmärkte - damit ist es sogar einfacher in dieser Millionenmetropole ökologische Produkte zu kaufen, als beispielweise in bäuerlichen Gegenden wie Kansas oder Nebraska, wo man erst eine Stunde in die nächste Stadt fahren muss. Auch immer mehr Supermärkte kennzeichnen lokal hergestelltes Obst und Gemüse, Restaurants bieten Gerichte aus ausschließlich regional produzierten Lebensmitteln an.

Doch der Trend geht noch weiter: immer öftern werden Hinterhöfe in Gärten umgewandelt, denn nichts ist besser für die Umwelt als der eigene Anbau. Im Arbeiterviertel Brooklyn wurde im Rahmen einen sozialen Projektes ein verkommenes Basketballfeld für die Gemüseproduktion umfunktioniert. Selbst der Central Park dient mittlerweile als Nahrunsquelle. "Wildman Steve" bietet hier Kurse an, in denen die New Yorker lernen, was sie im Park alles essen können - Pilze, Walnüsse, Äpfel, Kräuter.

Der Imker David Graves siedelte sogar Bienenvölker auf den Dächern New Yorks an, was überraschend gut funktioniert. Der Honig ist wohl ungewöhnlich süß und herb - und auch wenn man sich über die Umweltbelastung Sorgen machen mag, aber Pestizide werden in der ganzen Stadt nicht benutzt. Sogar Hühner werden teilweise schon in den Hinterhöfen gezüchtet. In New York selbst gab es nie Gesetze über die Hühnerhaltung, in anderen Bundesstaaten wurde das Haltungsverbot für Privatpersonen inzwischen aufgehoben.

Spätestens seit Michelle Obama dafür sorgte, dass der Rasen des Weißen Hauses in einen Garten umgewandelt wurde, ist der eigene Garten wieder "in". Das freut übrigens auch die professionellen Gärtner. Denn gerade in den oberen Gesellschaftsschichten in Amerika ist es immer öfter gang und gäbe sich einen Gemüsegarten inklusive Gärtner anzulegen, der einem die Ernte frisch gewaschen vor die Tür legt. Ein teurer Spaß, denn das Anlegen eines gerade mal ein mal ein Meter großen Beetes kostet schlappe 450 Dollar, die Pflege dann noch mal 35 Dollar pro Woche. Aber ich gönne es den Gärtnern .

Artikel über die Locavore in New York: [www.utopia.de]
Artikel über die "Leihgärtner": [www.sueddeutsche.de]
Artikel über private Hühnerhaltung in den USA [www.rooster24.com]

Zwei sehr interessante Filme über die Locavore:
[www.polylog.tv]
[www.arte.tv]

Foto: nature.picture / www.pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

30.06.2009 23:38 zora
...dann liegen wir ja im Trend...
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