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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Gabi Schoenemann / www.pixelio.de
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07.07.2009, 22.27 Uhr

Freegans

Vor ein paar Tagen bin ich erst über die Locavores gestolpert, heute sind die Freegans dran. Während es bei den Locavores ja darum ging, nur Lebensmittel zu konsumieren, die in einem Umkreis von maximal 100 bis 200 Kilometern hergestellt worden sind, versuchen die Freegans sich so weit wie möglich von jeder Art von Konsum zu entfernen. Sie wollen damit unser verschwenderisches, ökonomisches System boykottieren.

Dabei geht es nicht nur um Kleidung oder Möbel, die grundsätzlich Secondhand benutzt werden oder Dinge, die sie auf dem Sperrmüll finden. Sie sind vor allem damit berühmt geworden, dass sie Lebensmittel aus Mülltonnen herausholen. Das mag im ersten Moment eklig klingen. Aber man muss bedenken, dass in allen Industrieländern und vor allem in den USA Lebensmittel weggeworfen werden, die eigentlich noch völlig in Ordnung sind. Das ist leicht welkes Obst und Gemüse oder Joghurt, der gerade das Mindeshaltbarkeitsdatum erreicht hat. Wenn die so genannten „Dumpster Diver“ (Tonnen-Taucher) auf Tour gehen, holen sie Produkte aus den Müllbeuteln, die noch vor einer halben Stunde in den Regalen gelegen haben und in den meisten Fällen auch noch eingeschweißt sind. Es gibt Freegans, die sich sogar ausschließlich von solchem „Müll“ ernähren.

Ursprünglich waren die Freegans vor allem politisch und ökologisch sehr engagierte Menschen, die sich dann auch vegan, also komplett ohne Tiere Produkte, ernährten – entsprechend setzt sich „Freegans“ auch aus „free“ und „vegans“ zusammen. Es gibt aber auch immer mehr Anhänger dieses Trends, die durchaus auch Fleisch und Eier mitnehmen, entweder weil sie aus nur rein finanziellen Gründen das „Dumpster Diving“ betreiben (was im Moment immer mehr zunimmt) oder auch diese weggeworfenen Lebensmittel nicht verkommen lassen möchten.

Natürlich muss man dabei vorsichtig sein, dass man nicht auf wirklich verdorbene Lebensmittel stößt, oder dass man sich an scharfen Gegenständen im Müll verletzt. Auch gehen immer mehr Supermärkte dazu, ihren Müll wegzusperren, bewachen zu lassen oder mit Farbe oder Reinigungsmitteln ungenießbar zu machen. Aber die Ausbeute sei wohl immer noch so gut, dass es sich lohnt.

Einige Freegans steigen komplett aus der Gesellschaft aus. Oft sind es hochqualifizierte Menschen, die die bewusst ihre gut bezahlten Arbeitsplätze aufgeben und sich dem Kapitalismus und dem damit verbundenen negativen Einfluss auf Umwelt und Tiere verweigern. Auch wenn lange nicht alle so extrem leben wollen oder können, so steigt doch das Bewusstsein für Konsum und die Wiederverwendung von Produkten spürbar an.

Weitere Informationen:
[www.freegan.at]
[www.stern.de]
[www.gemuesegarten.at]
[www.welt.de]

Und noch ein paar gute Infos auf Englisch
[freegan.info]
[www.nytimes.com]
[www.cnn.com]

Foto: Gabi Schoenemann / www.pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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