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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Barbara Eckholdt / www.pixelio.de
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16.07.2009, 21.53 Uhr

Ich geh dann mal prokrastinieren…

Ich glaube, es ist noch kein halbes Jahr her, dass ich das Wort „Prokrastination“ oder „prokrastinieren“ das erste Mal gehört habe. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich bilde mir ein, es vorher noch nie bewusst wahrgenommen zu haben. Zuerst dachte ich, es sei was Unanständiges :P, aber dann stellte es sich als profane „Aufschieberitis“ heraus. Und ich dachte mir, warum muss man denn schon wieder ein ursprünglich englisches Wort einführen, wenn man es doch recht simpel auch in unserer Sprache ausdrücken kann? Mittlerweile sehe ich es überall und es scheint im deutschen Sprachgebrauch angekommen zu sein.

Außerdem ist auch das Thema an sich plötzlich ins Zentrum des Interesses gerückt. Ist das Aufschieben von Dingen nur eine schlechte Angewohnheit, oder eine Art zu Leben oder gar eine psychische Krankheit? Ich meine, eigentlich kennt das ja so gut wieder jeder von uns (also zumindest ich! ), dass man lieber noch 5 Minuten liegenbleibt, die Steuererklärung vor sich her schiebt oder einen eigentlich fertigen Brief noch ein paar Tage rumliegen lässt, bevor man endlich zur Post kommt. Oder bei Studenten sehr beliebt: erst mal ordentlich putzen, bevor man die Diplomarbeit oder das Lernen beginnt . Aufschieben ist eigentlich meistens ziemlich nervig, man muss sich mit dem unliebsamen Thema nur noch länger auseinandersetzen, es erzeugt unter Umständen Stress und schlaflose Nächte. Um man weiß rein rational, dass es natürlich besser ist, wenn man es gleich erledigt. Aber irgendwie kriegt man es dann doch wieder nicht hin, obwohl man es sich ganz fest vorgenommen hat.

Irgendwann tritt man sich meistens selbst in den Allerwertesten und bringt es halt hinter sich, wenn es wirklich wichtig ist. Aber es gibt auch Menschen – und es wurden in den letzten Jahren dramatisch mehr -, die schaffen es einfach nicht, diesen letzten Schritt zu gehen. Die sitzen dann drei Jahre an ihrer Diplomarbeit und können sie einfach nicht beenden. Die verpassen Termine und Fristen, was zu Geldstrafen oder sogar zum Jobverlust führen kann. Psychologen sagen, das ist eine Art Selbstschutzmechanismus, um sich nicht mit negativen Gefühlen auseinandersetzen zu müssen. Andere haben Angst, vor Misserfolgen. Sie fangen deshalb Sachen gar nicht erst an, oder bringen sie nicht zu Ende. Denn so kann man sich eine Illusion aufbauen, dass man nie versagt. Andere behaupten, sie könnten nur unter Druck arbeiten. Die vielen Ablenkungen unserer heutigen Welt in Form von Fernsehen, Internet und Technik darf man dabei natürlich auch nicht unterschätzen.

Ich versuch mich immer wieder daran zu erinnern, wie schön es ist, wenn man eine unangenehme Aufgabe hinter sich hat, um mich zu motivieren. Es klappt immer öfter, aber manchmal ertappe ich doch wieder beim Prokrastinieren .

Weitere Informationen:
[www.polylog.tv]
[www.geo.de]
[www.sueddeutsche.de]
[psychologie.suite101.de]
[www.faz.net]

Bild: Barbara Eckholdt / www.pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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