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Die Tücken des Alltags

(44 Einträge)

Vernetzung
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20.07.2009, 14.43 Uhr

Alles im Umbruch

So deutlich wie zur Zeit war mir der Allround-Quantensprung im Weltgeschehen noch nie. Denn jetzt ist er ganz konkret in meinem Leben angekommen. In der Arbeit: Vollkommene Umstellung auf neue technische Systeme, Vorschau auf semantisches Web, Targeting, Profiling und wie sie alle heißen, die Schlagwörter. Aber es sind keine Worte mehr - es stecken nun neue Software-Systeme dahinter. Die Wirtschaft: keine allgemeine Diskussion über das Ende des kapitalistischen Wirtschaftens mehr, nein, in meinem Umfeld wirkliche Crashs, reale Insolvenzen, keine Aufträge mehr. Und drittens Leben hier am Alpenrand: Regen ohne Ende, nein, nicht irgendwie Regen, sondern Stark-Regen, Gewitter von einer Wucht, die Kinder schreien und Katzen unter die Sofas flitzen lassen. Wasser, als würde es kübelweise ausgeschüttet.
Hab ich grad eine depressive Phase? Ist mein Hirn nicht alltagstauglich für eine Welt, in der täglich - ja, täglich - die Meldungen wechseln, was man alles anstellen muss, um - das Überleben mal außen vorgelassen - seine Produkte noch an den Mann oder die Frau zu bringen? Alles natürlich im Internet bereitstellen. Und dann: Suchmaschinen-Optimierung - ganz großes Thema. Jeder ist noch schlauer als der andere, aber so richtig wissen tut es keiner. Zu Ende denken darf man das nicht: Wenn google seine Suchmaschinen-Logik ändert, weil alle manipulieren, geht das Spiel von neuem los? Wie lange spielt man da mit? Halt, aber eigentlich ist das alles ja auch schon wieder Schnee von gestern, nicht die Suchmaschinen bringen`s, sondern social media, die Arbeit mit den großen Social Networks (gehört landlive da eigentlich dazu????). Jede beliebige Information ist für jeden ständig verfügbar. Alles hängt mit allem zusammen. "Alles Quantenphysik", sagte kürzlich ein Freigeist, dem ich abnahm, obwohl er Software verkaufen wollte, dass es ihm nicht nur ums Geld verdienen ging. Mag ja sein, alles Quantenphysik. Nur - ich musste das bisher nicht wissen. Ich durfte als Mensch mit Wurzeln im 20. Jahrhundert in meiner überschaubaren Welt meine Dinge tun, nach Regeln, die teilweise vorgegeben waren, die ich aber über den Haufen schmeissen konnte, (na ja, meistens jedenfalls), wenn sie nicht sinnvoll waren, und ich konnte mir neue machen, wenn es mir nicht passte (manchmal wenigstens). Und wenn sie funktionierten, gut so. Und jetzt? Es fehlen die überschaubaren Rahmen, es ist nichts mehr wirklich kontrollierbar. Nicht im Nachrichtenwesen - die Nachrichten verbreiten sich heute über Twitter & Co., was - Beispiel Iran - richtig und gut sein kann. Aber auch in Windeseile in jeder beliebigen auch zerstörerischen Richtung. Wer hat denn in der Wirtschaft noch den Überblick über die Milliardenlöcher der Banken und Groß-Unternehmen? Wem kann man denn noch glauben und trauen? "Ah", meinte da der Freigeist, "Vertrauen und Authentizität", darauf käme es in Zukunft an. Die Leute in ihren Communities, wüssten schon, wer glaubwürdig ist und wer nicht. "Und das hat dann nichts mehr mit Hierarchie und Autorität zu tun". Und außerdem hätte sich die Zeit von "Survival of the fittest" überlebt, jetzt ginge es um Zusammenarbeit, um Kooperation und nicht mehr um Konkurrenz. Hört sich ja nicht schlecht an, und ich finde es ausgesprochen wünschenswert, wenn dem geglaubt wird, der am meisten weiß, und nicht dem, der am meisten Autorität oder Macht hat oder am lautesten schreit. Aber im Augenblick finde ich, hängen alle bloß in der Luft. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass ausgerechnet zu so einem Zeitpunkt die relativ neue Wissenschaft "Gehirnforschung" uns weismachen will, es gäbe keinen freien Willen. Alles irgendwie (von wem oder was?) gesteuert. Hilflos ausgeliefert (wem oder was?). Das sind Zeiten, in denen Filme wie "Matrix" gemacht werden. Wenn dann in diesem Durcheinander noch Starkregen und Existenzsorgen dazu kommen, kann es schon eng werden. Mein Sohn, mit dem ich das Thema diskutierte, und der jetzt ungefähr so alt ist wie ich war, als ich meine zweite erwachsene Lebensphase einleitete, meinte: "Alles im Umbruch, ja, aber es kommt etwas viel Besseres". Und er sagte das mit dem Ton derer, die sicher sind, dass sie es inzwischen einfach besser wissen als Muttern. Hat mich getröstet, irgendwie...
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Philine

Philine

Alter: 62 Jahre,
aus Schönau
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