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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Hardangerfjord
59 mal angesehen
21.07.2009, 21.08 Uhr

Virtuelles Wasser

125 Liter Wasser verbraucht eine Person pro Haushalt an einem ganz durchschnittlichen Tag. Schon das ist relativ viel, wenn auch im europäischen Vergleich gar nicht mal schlecht. Da liegen wir sogar im unteren Drittel. Allerdings sind diese 125 Liter noch nicht mal die halbe Wahrheit über unseren Wasserverbrauch. Denn was man zumeist völlig aus den Augen verliert: natürlich brauchen alle Lebensmittel, die wir essen, und alle Produkte die wir gebrauchen und konsumieren, zur Herstellung Wasser. Dafür wurde der Begriff „virtuelles Wasser“ eingeführt, da es natürlich nicht im Produkt selbst enthalten und nicht mehr sichtbar ist. Rechnet man dieses mit ein, so summiert sich unser täglicher Wasserverbrauch auf unglaubliche 4000 Liter pro Tag.

Besonders wasserintensive Lebensmittel sind zum Beispiel Kaffee oder Kakao. Sie brauchen für ein Kilo sage und schreibe 21.000 bzw. 27.000 Liter. Ein Kilo Rindfleisch braucht immerhin noch 15.455 – wobei 15.300 davon allein schon für die Produktion des Futters verwendet wird. Doch auch nicht essbare Produkte enthalten viel virtuelles Wasser. Dazu gehört zum Beispiel Baumwolle. Für eine Jeans werden 11.000 Liter benötigt – die Abwässer sind außerdem besonders pestizidbelastet. Baumwolle aus Usbekistan trägt deswegen nicht unerheblich zum Schrumpfen und zur Vergiftung des Aralsees bei. Auch technische Produkte sind nicht zu unterschätzen: 20.000 Liter für einen Computer und unglaubliche 400.000 Liter für ein Auto – wer hätte das gedacht?

Ironischerweise exportieren die heißesten Länder oft die Waren, die am meisten virtuelles Wasser enthalten: Kaffee aus Äthiopien, Weizen aus Syrien, Orangen aus Israel, Tomaten aus Spanien. Da Wasser jedoch immer knapper wird, diskutieren Wissenschaftler inzwischen darüber, ob wasserintensive Produkte nicht in heiße und trockene Länder exportiert werden soll, um die Ressourcen zu schonen. Das könnte sogar zukünftige Kriege um Wasserquellen verhindern. Allerdings funktioniert das nicht so einfach. Oft sind diese Länder so arm, dass sie sich einen Import dieser Produkte gar nicht leisten können. Auch würden dadurch Arbeitsplätze verloren gehen. Und wer möchte sich schon von einem anderen, möglicherweise feindlichen Land bei Grundnahrungsmitteln abhängig machen?

Die Erkenntnisse über virtuelles Wasser können zukünftig trotzdem helfen, die Wasserressourcen zu schonen. So müssen Gemüseplantagen ja nicht unbedingt in der Wüste angelegt werden. Neue, effizientere Bewässerungssysteme und der konsequente Ausbau der Mehrfachnutzung von Wasser sind ebenso ein Schritt in die richtige Richtung.

Für uns als Verbraucher sollte es zum Beispiel eine Überlegung wert sein, ob es denn unbedingt das Rindersteak aus Argentinien oder die xte Tasse Kaffee am Tag sein muss.

Guter Überblick über das virtuelle Wasser in den verschiedensten Produkten
[zelos.zeit.de]

Weitere Informationen
[www.zeit.de]
[www.zeit.de]
[www.sueddeutsche.de]
[jetzt.sueddeutsche.de]
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen

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Kommentare

28.07.2009 01:26 HansWerner
wow - so hab ich das noch nicht gesehen. Aber ich frage mich schon seit Jahrzehnten, ob wir nicht endlich mal wenigstens damit anfangen sollten, uns gründlich mit unseren Lebensgewohnheiten auseinander zu setzen. Dazu müßten wir endlich mal anfangen, unser hecktisches und darin sicher auch oberflächliches Leben zu verändern. Mehr Qualität statt Quantität ist sicher angesagt.
28.07.2009 20:07 kruemel
HansWerner schrieb:
wow - so hab ich das noch nicht gesehen. Aber ich frage mich schon seit Jahrzehnten, ob wir nicht endlich mal wenigstens damit anfangen sollten, uns gründlich mit unseren Lebensgewohnheiten auseinander zu setzen. Dazu müßten wir endlich mal anfangen, unser hecktisches und darin sicher auch oberflächliches Leben zu verändern. Mehr Qualität statt Quantität ist sicher angesagt.


Ja, das denke ich mir auch sehr oft.
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