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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: Carlo Schrodt / www.pixelio.de
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28.07.2009, 21.54 Uhr

Lüchow ist aufgewacht

Aus der Reihe, Menschen, die mich beeindrucken: Das kleine Dörfchen Lüchow liegt im Mecklenburg-Vorpommern. Es stand noch vor wenigen Jahren kurz vor dem Aussterben. Gerade mal vier Einwohner - alle über 60 - waren noch übrig und viele Häuser standen leer. Dann kam Architekt Johannes Liess. Er arbeitete lange Zeit auf der ganzen Welt, nur im Sommer wählte er mit seiner Familie für zwei Monate die ländliche Abgeschiedenheit in Lüchow. Hier konnten die Kinder frei sein, hier waren alle glücklich.

Deshalb entschied die Familie in Lüchow zu bleiben – wenn sich denn eine geeignete Schule finden lassen würde. Doch die zuständige Grundschule gefiel den Liess‘ nicht, und so beschlossen sie kurzerhand, eine eigene, private Schule zu gründen. Bereits 1,5 Jahre später war es soweit – mit einem Raum im Haus der Familie, einer Lehrerin, einer Tafel und 4 Schülern. Doch das war nur der Anfang.

Heute gibt es ein Schulgebäude mit Sport- und Spielplatz, finanziert aus privaten und öffentlichen Geldern, Spenden und einem Kredit und errichtet mit viel Fleiß von den Einwohnern. Die Schule hat sechs Voll- und sechs Teilzeitangestellte für immerhin 30 Schüler, die jahrgangsübergreifend unterrichtet werden. In der 1. und 2. Klasse sind 12, in der 3. bis 5. Klasse 18 Mädchen und Jungen. Die Kinder pflegen einen Schulgarten und können die Ernte in der eigenen Küche verarbeiten, sie werden in Kunst, Handwerk und Musik täglich gefördert. Auch Eltern aus den Nachbardörfern nehmen das Konzept an, und bezahlen gern die 60 Euro pro Monat und Kind.

In Lüchow leben jetzt 19 Kinder und 21 Erwachsene, die alle gut in der Dorfgemeinschaft – auch mit den Alteingesessenen – integriert sind. Alle helfen einander, die Kinder finden immer jemanden zum Spielen, und das Gemeindehaus ist nicht nur Speisesaal der Schule, sondern auch dörflicher Treffpunkt, Café und Kino. Die Lüchower planen momentan noch einen Kindergarten, einen Hort und soeben wurde auch ein Kaufvertrag für die Schule im Nachbarort unterschrieben, wo die Kinder der 6. und 7. Klasse ab dem nächsten Jahr unterrichtet werden sollen.

Johannes Liess‘ Visionen für Lüchow gehen sogar noch weiter. Er plant ein Dorf von mit etwa 100 Menschen, das soweit wie möglich autonom werden soll und für alle Arbeit bietet. Er denkt dabei an Kleinbauern, die einen Großteil der benötigten Lebensmittel anbauen, an eine Windkraftanlage und ein Blockheizkraftwerk. Es soll außerdem einen Dorfladen geben, ein Altenheim und vielleicht auch ein kleines Hotel. Und so wie er bisher alles in dem kleinen Ort angepackt hat, traue ich ihm das auch zu .

Wie ich finde ein wirklich beeindruckendes Beispiel dafür, wie mit Mut, Ideen und Eigeninitiative aus einem totgesagten Dorf plötzlich ein sich rasant entwickelnder Ort mit einer lebendigen Gemeinschaft entstehen kann.

[fr-online.de]
[www.landschule-luechow.de]

Foto: Carlo Schrodt / www.pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen

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