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Land&Natur

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11.08.2009, 12.01 Uhr

Her mit den guten alten Dingen

Gegen Einkaufswägen voll mit Billig-Ramsch setzt ein Waltroper Unternehmen sein Qualitäts-Statement. Manufactum beweist mit seinem Sortiment, dass sie noch existieren, die guten alten Sachen, die einfach nicht kaputt zu kriegen sind. Das schont zwar kurzfristig nicht gerade den Geldbeutel, die Umwelt aber auf jeden Fall.


Qualitätsprodukt sucht Langzeitbesitzer

Wo trendige Billigketten auf den Acryl-Flokati setzen, schiebt Manufactum den „Handwebteppich Diepholzer Moorschnucke“ ins Regal. Ein paar Schritte weiter stapelt sich Dose um Dose „Mariawalder Erbsensuppe“, im nächsten Fach gibt es „Zahnbürsten aus Zelluloseazetat mit Schweineborsten“ zu bewundern. Wie passt dieses wilde Sammelsurium zusammen? Das verbindende Geheimnis des Manufactum-Sortiments heißt Langlebigkeit. Damit schwimmt die Firma gegen den Strom, der unermüdlich immer neue Wegwerf-Innovationen auf immer neue Müllberge spült. Und bildet gleichzeitig eine Insel der Qualitäts-Seligkeit. Denn, vereinzelt gibt es sie ja noch: Hochwertige Waren, die den Kunden ein Leben lang erfreuen. Manufactum sammelt sie rund um den Globus ein, sucht noch die richtigen Ersatzteile zusammen und hortet alles in der Firmenzentrale Waltrop.


Der Bezwinger der Billig-Berge

Schuld war ein kaputter Rasierer. Es muss Mitte der 1980er Jahre gewesen sein, als der Buchhändler Thomas Hoof mal wieder kein Geschäft fand, das bereit war, seinen funktionsuntüchtigen Apparat zu reparieren. Stattdessen sollte er wieder einen Neuen kaufen. Voraussichtlich würde auch der wieder kurz nach Ablauf der Garantie kollabieren. Thomas Hoof hatte genug von dieser Ersatzökonomie, deren ökologische Unverträglichkeit für ihn auf der Hand lag. So kam es, dass er sich auf die Suche nach guten, soliden Dingen machte und 1988 in Waltrop den Versandhandel „Manufactum“ gründete.

Die Nachfrage nach plastikarmen Gegenständen, die solide handwerklich hergestellt waren, wuchs rasch. Inzwischen beschert ihm sein ausgesuchtes Sortiment einen beachtlichen Geschäftserfolg: Im Jahr 2006 konnte er mit 150 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro erwirtschaften.


Klare Worte statt Slogans

Marketing-Experten kommen aus dem Staunen nicht heraus. Denn in Sachen Verkaufsstrategie straft Manufactum jede BWL-Weisheit Lügen. Thomas Hoff hält nicht viel von „Marketing-Klamauk“, wie er es nennt. Für die Kundenkommunikation ist hauptamtlich der einmal jährlich erscheinende Katalog zuständig. Mit seinem knappen Kilo ist dieser zwar reich an detaillierter Information, dafür aber arm an Werbeslogans und effekthascherischen Präsentationen.

Leicht bekleidete Mädchen findet der Betrachter nicht, stattdessen detaillierte Auskunft zu Entstehung und Besonderheit eines jeden Produkts. Überzeugen soll schließlich die Qualität und nicht viel Quak-Quak. Und weil Manufactum es mit der unbedingten Zuverlässigkeit ernst meint, gibt es auch keine Sonderangebote und Preisnachlässe. Schließlich soll keiner der Kunden ein gekauftes Produkt einige Wochen später irgendwo billiger finden.


Wer hat soviel Pinkepinke?!

Geiz ist garstig bei Manufactum. Solide Qualitätsprodukte haben eben ihren Preis, schließlich halten sei auch länger, so die Firmenphilosophie. Und: Warum soll man für Olivenöl, das man in sich hineingießt, nicht das Gleiche ausgeben wie für Motorenöl? Diese Überlegungen sind zwar plausibel, schränken aber auch die Zielgruppe ein. Schnäppchenjäger kaufen bei Manufactum wahrscheinlich genauso selten wie Durchschnittsfamilienväter. Die Päckchen aus dem Qualitätsversand werden überdurchschnittlich oft in Wohnviertel mit gepflegten hohen Hecken geliefert oder auch in liebevoll sanierte Altbau-Stadtviertel.


Bei Berührung haben wollen

Katalog ist gut, anfassen ist besser. Deswegen gibt es deutschlandweit sechs Manufactum Warenhäuser. Von oben nach unten: In Hamburg, Berlin, Waltrop, Düsseldorf, Köln, Stuttgart und München. Jedes kann den bummelwilligen Einkäufer in Entzückensschreie ausbrechen lassen – und das meist auch noch in schmucken Gemäuern.

Die Düsseldorfer Filiale beispielsweise befindet sich einer ehemaligen Bank-Schalterhalle aus den 1930er Jahren. In Hamburg hat sich Manufactum im architektonisch interessanten Chilehaus eingenistet. Und in München gab es erst kürzlich einen Umzug aus den schon exklusiven Fünf Höfen, hinein in den geschichtsträchtigen Alten Hof – wenn auch mit Türsteher am Eingang.
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Kommentare

12.08.2009 15:05 gammi70
Will wirklich noch jemand eine Zahnbürste aus Schweineborsten?
Leider ist es aber oft so, dass die teuren (Marken- ) Artikel oft auch nicht länger halten
Aber sonst sicher eine gute Idee. Gibts den Katalog auch im Internet?
13.08.2009 09:33 Anne
Die alte Waschkaue in Waltrop ist einfach sehenswert. Was aber ein bisschen ernüchternd wirkt, ist es diese Dinge in vielfacher Ausfertigung auf einem Haufen zu sehen. Im Katalog wirkt alles viel edler. Manches ist wirklich ganz nützlich und schön. Aber vieles ist eben wunderschön, teuer und überflüssig...
13.08.2009 20:13 kruemel
gammi70 schrieb:
Will wirklich noch jemand eine Zahnbürste aus Schweineborsten?
Leider ist es aber oft so, dass die teuren (Marken- ) Artikel oft auch nicht länger halten
Aber sonst sicher eine gute Idee. Gibts den Katalog auch im Internet?


Ja gibt's! Unter [www.manufactum.de]

Hab da Liegestühle gesehen, die würde ich mir am liebsten sofort kaufen, sie übersteigen aber ein wenig meine finanziellen Möglichkeiten
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