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Das Leben eines Krümels

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rebel / www.pixelio.de
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11.08.2009, 22.30 Uhr

Machu Picchu wird überrannt

Gestern schaute ich mich in der Mediathek des Ersten um, und entdeckte richtig interessante Beiträge vom ARD Weltspiegel. Einer über Machu Picchu hat mich besonders erschüttert. Die sagenumwobene Kultstätte der Inka ist eigentlich ein heiliger, ein magischer Ort mit einer beeindruckenden, einzigartigen Architektur. Aber als eines der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Perus, ist es bereits ab halb sechs Uhr morgens vorbei mit der Magie. Zwischen 2.000 und 4.000 Besucher strömen jeden Tag durch die Tempelanlagen, in den 90er Jahren waren es nur wenige Hundert am Tag. Auch wenn sich die meisten benehmen, so kann die Masse der Menschen nur zur Zerstörung der Stätte führen. Sie zertrampeln die Wege, vertreiben die Kolibris, einige pflücken seltene Orchideen oder bringen aus Versehen Mauern zum Bröckeln. Inzwischen regt sich Widerstand unter den Peruaner, die die Kultstätte, das Erbe ihrer Vorfahren bewahren und die Besucherzahl beschränken wollen. Doch Machu Picchu bringt dem Staat und den umliegenden Unternehmen unglaublich viel Geld ein, und so gibt es sogar einen Plan, bis zu 10.000 Menschen täglich durchzuschleusen – Tag und Nacht. [www.daserste.de] (Artikel mit Link zum Video)

Auch ich gehöre ja zu den Menschen, die gern reisen und andere Kulturen kennenlernen. Natürlich stehen da auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten eines Landes auf dem Plan. Aber kann man die angesichts der weltweit zunehmenden Touristenströme überhaupt noch ruhigen Gewissens besuchen?

Denn auch andere Touristengebiete oder einzelne Sehenswürdigkeiten haben diese Schwierigkeiten. Ich habe mal ein wenig gegooglet und will nur ein paar wenige Beispiele nennen. So machen auch dem Kloster Mont-Saint-Michel die Touristenströme zu schaffen. Nicht nur, dass hier ja auch noch Menschen und Mönche leben, die mit den vielen Gästen und dem Lärm klarkommen müssen. Auch die Dammstraße und der Parkplatz, die im umliegenden Watt gebaut wurden, bergen noch ein weitere Probleme. Das Wasser kann nicht mehr genug Sand und Schwebstoffe wegspülen, die Insel verlandet immer mehr. [www.br-online.de]

Doch auch abgelegene Gebiete wie die Sahara werden heutzutage von Touristen erobert. Ausgelöst wurde der neue Boom unter anderem durch Filme wie „Der englische Patient“. Dort gibt es zum Beispiel prähistorische Fels- und Höhlenmalereien und Schriftzeichen an Felswänden, die ihnen schutzlos ausgeliefert sind. Da tropfen Besucher Wasser oder Öl auf die Zeichnungen, um die besser zu sehen oder andere verewigen sich mit einer eigenen Felsritzung daneben. Das liegt auch an den schlecht ausgebildeten Fremdenführern, die kaum ahnen, welche Schäden da angerichtet werden. [www.online-artikel.de]

Selbst die Arktis und Antarktis sind nicht mehr sicher und Kreuzfahren in diese unwirtlichen Gegenden werden immer beliebter [www.sueddeutsche.de] Natürlich können diese Reisen auch über das die Gefährdung dieser Gebiete besser aufklären als jede theoretische Abhandlung – aber sind die Schäden, die sie eventuell anrichten, das wert? Ohne Besucherlenkung wird wohl auch noch das letzte und entlegenste Reiseziel dieser Erde irgendwann überrannt werden. Ob der Balanceakt zwischen Bewahrung von Natur und Kultur gegenüber den Verdienstmöglichkeiten mit Touristenmassen gelingt, wird wohl einzig die Zeit zeigen.

Bild: rebel / www.pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen

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