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Die Tücken des Alltags

(44 Einträge)

Krimischreiben
68 mal angesehen
20.08.2009, 17.45 Uhr

Krimis lesen und schreiben?

Ich bin ja ein absoluter Krimifan. Kriminalromane sind das Herz meiner Bildung. Sie stehen in direkter Beziehung zu meiner philosophischen Neigung - finde ich, um diesem Leseverhalten wenigstens einen kleinen Anstrich von Seriosität zu geben. Denn mich fasziniert hier wie dort das Geheimnis, das, was nicht sofort sichtbar ist und das man erst durch viel Überlegen und Herumrätseln herausbringen muss. Als ich vor ca. 3 Jahren meine Wohnung renoviert hab, hab ich erstmals in meinem Leben Bücher weggeben, an einen Bücherflohmarkt. Ich weiß nicht, wieviele Taschenbuch-Ausgaben von Kriminalliteratur hier den Besitzer gewechselt haben. Das Herz hat mir geblutet, obwohl ich ja keinen Krimi 2 x les (außer den Agatha Christie - Romanen, die sind einfach unschlagbar).

Inzwischen hab ich schon wieder so viele neue Ausgaben, dass ich nicht mehr weiß, wohin damit. Aber ich muss sagen: es schleicht sich hier Ermüdung ein. Ich werde immer ungeduldiger mit dem Genre. Erstens glaube ich nicht, dass ein guter Kriminalroman mehr als 200 bis 250 Seiten haben muss. Wenn man sich die Büchertische anschaut: Kein Krimi mehr unter 500 Seiten. Ich glaube, ich weiß auch, warum: Es ist viel schwieriger, auf den Punkt zu schreiben als irgendwie drauflos. Da kommen 500 Seiten schnell zusammen . Zweitens gab es in den vergangenen Jahren so einen Hype um das Genre, dass jetzt jeder Krimis schreibt. Zum Beispiel die Regional-Krimis. Die bestechen ja in den meisten Fällen durch das Lokalkolorit, nicht durch die Story und die Qualität.

Da also offenbar jeder Krimis schreiben kann und sie auch verlegt kriegt, ist es kein Wunder, dass die Qualität leidet. Denn beim Krimischreiben muss man einfach ein paar Regeln einhalten. Das tun viele jüngere Krimi-Autoren nicht mehr. So gehört es einfach dazu, dass die Hauptperson, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, der Verbrecher-Jäger ist, gleich ob Detektiv, Polizist oder Journalist. Der Leser muss sich mit dem Detektiv auf die Suche nach dem Mörder machen, die Seiten sind klar verteilt. Und am Ende - ob das nun trivial ist oder unrealistisch - muss das Gute siegen und der Verbrecher muss gefasst werden. Es gibt meiner Kenntnis nach eine geniale Ausnahme von dieser Regel, Agatha Christies "Alibi". Hier ist der Erzähler, der die Polizei bei der Mördersuche unterstützt, tatsächlich selbst der Täter.

In der letzten Zeit greift die Unsitte um sich, verschiedenste auftretende Personen gleichgewichtig nebeneinander in den Kapiteln auftauchen zu lassen - das geht nicht für einen richtigen Krimi, finde ich. Jüngstes Beispiel: "Das Schweigen" von Jan Costin Wagner: Ein Polizist, ein Ex-Polizist, die Mutter des Opfers, einer der Mörder ... alles wird im selben Tenor aus anderer Sicht erzählt. Und ich habe mir das Buch gekauft, weil es immerhin Gewinner des Krimipreises 2008 war. Ein ganz großer Faux pas beim Krimischreiben ist, wie etwa bei Paulus Hofstatterer: "Das süsse Leben" (auch ein Gewinner eines Krimi-Preises): Der Mörder ist jemand, der überhaupt nur in einem winzigen Kapitel in einer Nebenrolle vorkam. Absoluter Thrill-Killer.
Angesichts dieser Entwicklung von Krimi-Flut habe ich, deren Lebenstraum es einmal war, in einer einsamen Berghütte Kriminalromane zu schreiben, mich inzwischen davon distanziert und mir einen anderen Traum für meine Altersaktivitäten ausgeguckt
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Philine

Philine

Alter: 62 Jahre,
aus Schönau
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