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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

St. Marienkirche in Gera
42 mal angesehen
21.08.2009, 21.39 Uhr

Kirchen als Supermärkte

Vor kurzem gab es im Fernsehen ein Bericht über eine Kirche die in ein Restaurant umgebaut wurde. Zuerst war ich sehr verwundert, ob dieser doch so „unchristlichen“ Nutzung, aber das ist scheinbar gar nicht so selten. Denn immer öfter sitzen nur noch eine Handvoll Menschen in den Gottesdiensten. Häufig sind es außerdem nur noch Rentner, die wenig oder gar keine Kirchensteuer zahlen. Doch Kirchen und die dazugehörigen Gemeindehäuser kosten im Unterhalt viel Geld, das die Gemeinden nicht haben. Oft wird noch versucht, die Gebäude an christliche Glaubensgemeinschaften oder Freikirchen zu vermieten oder zu verkaufen. Oder sie werden für kulturelle Zwecke wie Ausstellungen oder Konzerte genutzt - oder in Teilen an Hilfsprojekte und gemeinnützige Vereine vermietet. Dann sind die Kirchen immerhin noch ein Treffpunkt, wo Menschen sich austauschen können.

Wenn alles nichts hilft, droht meistens ein Abriss – oder eine kommerzielle Umnutzung wird in Betracht gezogen. Das heißt, dass versucht wird, die Kirche an nichtchristliche Interessenten zu verkaufen. Sie kosten etwa zwischen 450.000 und 1 Million Euro. Doch das ist nicht so einfach, denn Kirchen sind oft kalt und dunkel, weder kinder- noch behindertengerecht. Die Gemeinde will bei der neuen Nutzung natürlich ein Wörtchen mitreden, zudem muss meistens der Denkmalschutz eingehalten werden. Ganz zu Schweigen von den hohen Sanierungs- und Unterhaltskosten.

Und doch es gibt sie, die Käufer. Die Kirchen werden dann – oft nach starker Kritik aus der Bevölkerung - beispielsweise in Wohnungen oder Restaurants umgebaut oder auch schon mal als Büro oder Sparkasse genutzt. Das sind jedoch nur die harmloseren Beispiele. In der Pfalz wurde aus einer ehemaligen Baptistenkirche für die bereits abgezogenen US-Truppen eine Diskothek mit dem Namen „Spirit“ gemacht. In den Niederlanden geht man sogar noch einen Schritt weiter. Hier kann man in ehemaligen Kirchen bereits Anwaltskanzleien, Buchhandlungen, Kletterhallen, Hotels, Schwimmbäder oder Supermärkte finden.

Dass es für ehemalige Gemeindemitglieder sehr schmerzhaft ist, wenn die „eigene“ Kirche, in der man wichtige Ereignisse seines Lebens begangen hat (Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen…), geschlossen wird, kann ich gut nachvollziehen. Dass es noch schwieriger ist, wenn sie dann auch noch entweiht und für „weltliche“ Dinge umgebaut wird (und man am Anfang auch nicht weiß, wofür genau die Kirche später genutzt werden wird), ist ebenso verständlich. Aber was ist, wenn nur noch die Wahl steht zwischen Abriss/Verfall und Neunutzung? Ist dann einer behutsamer Neuanfang nicht besser? Supermärkte und Diskotheken in den Kirchen muss man ja nicht zwangsweise gut finden…

[www.welt.de] (Diashow zeigt interessante Beispiele der Kirchennutzungen)
[www.derwesten.de]
[www.wdr.de]
[www.sueddeutsche.de]
[www.welt.de]
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

21.08.2009 22:13 gammi70
am schlimmsten wär dann ja noch, wenn man ein Rotlicht-Etablissement einbauen würde
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