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Erlebtes

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78 mal angesehen
24.08.2009, 21.03 Uhr

Heimweh

In einer Gesellschaft wo das Wort HEIMAT schon verdächtig klingt, dürfte der Begriff " Heimweh" erst gar nicht vorkommen.
Und trotzdem übermannt es mich immer wieder, egal ob ich länger als acht Tage in New York oder in Neuperlach bin.
Ist das vielleicht schon schleichend senil? Mit nichten! Denn Kinder leiden erfahrungsgemäß am meisten darunter. Ich kann ein Lied davon singen.
Meine Tante Liese, Ehe-und Kinderlos, hatte mich als Ersatz für ihre Einsamkeit in ihr Herz und mit in ihre Wohnung geschlossen. Wir, arm wie Kirchenmäuse, sie begütert, überschüttete sie mich mit feinsten Leckereien, was jedoch das Heimweh nach meiner Mutter und den Geschwistern in keinster Weise linderte. Denn was ist schon ein sündteuerer Elisenlebkuchen gegen die lebendigen Gassenbuben-Spezln aus dem eigenen Viertel.
Ach ja - und dann kurz nach dem Krieg, die Verschickung unterernährter Halbwaisen in ein Landschulheim, wie die Verwahrungsanstalten damals hießen.
Wenn da nicht die Stockbauer Marile, die von mir heiß geliebt wurde gewesen wäre, hätte ich die vierzehn Tage vor lauter Heimweh wohl gar nicht überlebt.
Aber noch ehe ich die Marile - lässig wie Gary Cooper - fragen konnte "willst du mit mir gehen," wurde sie von einem hohlen Husten geschüttelt, erbleichte wie ein Glas Magermilch und wurde von der Gouvernante abgeführt und ins Bett gebracht. Da kam zu dem nagendem Heimweh auch noch ein starker Liebeskummer dazu.
Da fällt mir zu dem Thema gleich noch ein Witz ein, welcher kurz nach dem Krieg die Runde machte.
Kommt ein schwarzer Besatzungssoldat zum Friseur und lässt sich rasieren.Und weil der junge Friseurgeselle noch kein Meister seines Faches ist, geht die Prozedur nicht ganz ohne Verletzung ab. Tränen des Schmerzes rollen über die Wange des maltretierten. Da schaut ihm der Geselle mitleidig in die Augen und mein gerührt :" Ham's Hoamweh gell - Mister."
Ganz treffend meint dazu die schöne Schriftstellerin Franziska zu Reventlow in ihren Tagebüchern " Das Heimweh hört doch nie auf ".
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Eugenius

Eugenius

Alter: 79 Jahre,
aus München
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Kommentare

25.08.2009 12:12 Katalin
ein schwieriges thema: ich denke da könnte man nächte durchdiskutieren. hast du für dich einen ort gefunden, den du mit heimat gleichsetzt? VG
25.08.2009 14:52 Eugenius
Katalin schrieb:
ein schwieriges thema: ich denke da könnte man nächte durchdiskutieren. hast du für dich einen ort gefunden, den du mit heimat gleichsetzt? VG


[de.wikiquote.org]
Hier nur ein kleiner Auszug aus dem Internet über das unendliche Thema Heimat
L.G.
25.08.2009 18:58 kruemel
Als Kind habe ich auch ganz schnell unter Heimweh gelitten. Da kam gerade die ein oder andere Erinnerung hoch .

Obwohl ich für mich keinen Ort mehr habe, den ich mit "Heimat" gleichsetzen könnte, so habe ich doch einen der für mich "zu Hause" ist: nämlich überall da, wo sich mein Mann befindet. Das ist gar nicht an eine Stadt oder eine Region gebunden. Heimweh habe ich eigentlich nur, wenn wir getrennt sind...

Hast du eigentlich von Marile jemals noch was gehört?
25.08.2009 21:10 Eugenius
kruemel schrieb:
Als Kind habe ich auch ganz schnell unter Heimweh gelitten. Da kam gerade die ein oder andere Erinnerung hoch .

Obwohl ich für mich keinen Ort mehr habe, den ich mit "Heimat" gleichsetzen könnte, so habe ich doch einen der für mich "zu Hause" ist: nämlich überall da, wo sich mein Mann befindet. Das ist gar nicht an eine Stadt oder eine Region gebunden. Heimweh habe ich eigentlich nur, wenn wir getrennt sind...

Hast du eigentlich von Marile jemals noch was gehört?


Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl ! eine gute Definition wie ich finde. Leider nicht von mir.
Die Marile war noch längere Zeit mein Herzblatt. Leider sind die Stockbauers dann in eine andere Stadt gezogen. Die Kommunikation war damals noch sehr beschränkt, so dass wir uns leider nie wieder sahen.
L.G.
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