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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Thomas Kuban / www.pixelio.de
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01.09.2009, 22.07 Uhr

Verkehr ohne Schilder?

Deutschland hat einen Schilderwald, eben heute erst gelesen. Der ADAC hat wohl errechnet, dass auf deutschen Straßen etwa 20 Millionen Schilder rumstehen, das ist immer alle 28 Meter eines. Ich glaube jeder hat war schon mal in der Situation, dass er mit dem Auto unterwegs war und vor lauter Schildern nicht mehr wusste, wohin er überhaupt fahren sollte und durfte. Seite heute trat wohl auch eine Reform der Straßenverkehrsordnung in Kraft, den zahlreichen Verkehrszeichen zu Leibe rücken soll. 11 Schilder sollen gestrichen werden - unter anderem dreieckige Schild mit der roten Umrandung, das vor Flugzeugen warnt. Dafür kommen aber auch schon wieder 5 neue Schilder hinzu. Beispielsweise ein Schild "durchlässige Sackgasse", das zeigt, dass hier Fußgänger und Radfahrer trotzdem noch durchkommen. Kann man sicherlich drüber streiten . Außerdem werden wir die Ausdünnung des Schilderwaldes wahrscheinlich erst im Laufe von 10 Jahren bemerken, so lange haben die Gemeinden nämlich Zeit, sie zu entfernen. Nun ja, die Reform wird unser Verkehrsleitsystem wohl nicht umfassend ändern.

Einen völlig anderen Weg ging hingegen die Gemeinde Bohmte. Sie ließ ihm Jahr 2008 alle Verkehrsschilder abmontieren und die Ortsdurchfahrt auf 450 Metern Länge komplett umbauen. Dort stehen jetzt keine Ampeln mehr, es gibt keine ausgewiesenen Parkplätze, keine Bushaltebuchten, Zebrastreifen und noch nicht mal mehr Fußgängerwege. Es gilt nur die Grundregel rechts vor links sowie ein Rechtsfahrgebot. Ansonsten kann jeder überall fahren oder laufen. Klingt nach Chaos, oder? Ist es aber erstaunlicherweise nicht. Hätte ich ja auch nie gedacht, aber wenn es keine Regeln gibt, dann ist keiner im Recht und keiner hat Vorfahrt. Alle müssen aufeinander aufpassen, Rücksicht nehmen und langsam fahren, damit nichts passiert. Der gesamte Verkehr wird entschleunigt. Auf der anderen Seite entstehen keine Staus mehr durch Ampeln, denn die Verkehrsteilnehmer sind ständig im Fluss.

Dieser neue Ansatz der Raumplanung heißt "Shared Space". Es ist ein EU-Projekt, dass bereits in einigen Orten in den Niederlanden, Belgien, Dänemark und England umgesetzt wurde. Der Name kommt daher, dass die Straßen nicht mehr in Bereiche für Autos, Radfahrer, Füßgänger etc. aufgeteilt, sondern jeder hat den gleichen Anspruch darauf und jeder hat die gleiche Verantwortung dafür, dass dem anderen nichts passiert. Natürlich gab es am Anfang viele Kritiker, und auch Eltern, die sich um ihre Kinder sorgten. In Bohmte gab es vor dem Umbau etwa 30-40 Unfälle, leichte und schwere. Seit der Einrichtung der neuen Straßenführung vor etwas mehr als einem Jahr sind keine schweren Unfälle mehr passiert. Es sind 14 Bagatellunfälle verzeichnet worden - alle ohne Personenschaden, wie beispielsweise das Anfahren einer Straßenlaterne beim Ausparken. Wohlgemerkt in einem Ort, der täglich von 13.000 Fahrzeugen durchquert wird. Inzwischen schauen sich viele andere Städte in Deutschland das Konzept vor Ort an.

So ganz kann ich es mir noch nicht vorstellen, dass das wirklich funktionieren soll. Aber vielleicht müssen wir eben radikal umdenken, um unsere Straßen sicherer zu machen.

Informationen von der Gemeinde Bohmte
[www.bohmte.de]
[www.bohmte.de]


[www.stern.de]
[www.fr-online.de]
[www.der-bote.de]
[www.welt.de]

Bild: Thomas Kuban / www.pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

02.09.2009 11:49 Paradiesgarten

Du sprichst mir aus der Seele !
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