Zur mobilen Version wechseln »

Erlebtes

(7 Einträge)

106 mal angesehen
07.09.2009, 20.30 Uhr

Großstadtplage

Sie vermehren sich so fleißig wie das Unkraut in den Ritzen zwischen den Steinplatten meines Vorgartens.
Die Rede ist von den Typen, die sich das Geld in der Bewegungslosigkeit ersitzen. Nein - nicht Beamte, die kriegen es ja bekanntlich im Schlaf. Gemeint sind jene fragwürdigen Gestalten, die vorwiegend in Großstädten an belebten Plätzen ihre gekrümmte Hand aufhalten, um Almosen zu erbetteln.
Dabei schauen sie alle so traurig drein wie ein angeleinter Hund vor einem Metzgerladen. Natürlich ist die Barmherzigkeit vor den Stufen der Hl.Geist-Kirche am Viktualienmarkt einträglicher als vor den Stufen der Mode Boutique
" Dolce & Gabbana " in der Maximilianstr.
Ich spreche hier selbstverständlich nicht über die wenigen Ausnahmen, die tatsächlich keine Alternative haben.
Dass dieses Gewerbe aber immer dreister wird, zeigt jene mafiose Organisation aus Osteuropa, die ihre Klientel kniend in Stellung bringt. Anschließend werden diese armen Schweine auch noch gnadenlos abkassiert, wie die Nutten von ihren Zuhältern.
Als ich kürzlich so einen feisten, etwa dreißigjährigen in seiner pseudo-demütigen Verrenkung ansprach und sagte " steh auf - nimm dein Bett - und geh " , stand der tatsächlich auf, nahm aber kein Bett, sondern eine drohende Haltung.
Der Einfallsreichtum der Gestalten aus " Gorkis Nachtasyl " war jedoch in früheren Zeiten ungleich kreativer. Was sich da in den Hinterhöfen der tristen Mietskasernen alles ein Stelldichein gab, war schon erstaunlich.
Regelmäßig trat da der blinde Geiger auf, der sich vorher scheu umschaute, ob nicht irgendwo ein Schutzmann lauerte. Oder ein Mundharmonikavirtuose, der seinen Fotzhobel kräftig ausklopfte, bevor er die tränenschwangere Schnulze
" das Elterngrab " pathetisch ankündigte.
Und dann regneten die sorgfältig eingewickelten Pfennige und Zehnerl aus den Fenstern herab auf den " Künstler ".
Ein Drehorgelmann, Pfannenflicker, Scherenschleifer, Sägfeiler, Bauchladenverkäufer und Klinkenputzer wechselte sich ständig ab. Und der gegenseitige Respekt wurde immer gewahrt.
Wie man selber ganz schnell zum Bettler werden kann, zeigt eine Episode mit meiner Mutter, wenn ich es als junger Pimpf wiedereinmal rotzfrech auf die Spitze trieb und von ihr die Warnung kam :
" Jetzt bettlst mia dann glei oane ob "
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Eugenius

Eugenius

Alter: 80 Jahre,
aus München

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

Zum Seitenanfang