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Novi Sad Novi Sad Novi Sad
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26.07.2007, 13.49 Uhr

Stadt der vielen Völker

Es wird Zeit, von der Novi-Sad-Episode Abschied zu nehmen. Es gäbe viel zu erzählen, aber dann kann ich ja gleich ein Buch schreiben

In diesem Jahr stach der Neubeginn ins Auge. Es wird gebaut, wohin das Auge reicht. Straßen, wo früher ganz Pflastersteine gefehlt haben, werden repariert. Alte Häuser werden saniert, die ich kurz vorm Einsturz sah. Gott sei dank, vieles bleibt in seiner alten Baustruktur erhalten und die Häuser aus der K&K-Zeit fallen nicht komplett dem Betonbau zum Opfer.

Wenn ich an Novi Sad denke, dann ist das eine Stadt, die keiner kennt, aber auf die ich immer stolz war. Während in allen Republiken Krieg herrschte, blieb es nur bei uns ruhig. (Kunststück bei acht Nationalitäten; jede zweite Ehe ist vermischt; man tanzt auf vielen verschiedenen Hochzeiten;

meine verstorbene Tante konnte so gut wie alle Volkstänze der Region; man blamierte sich also nie, wenn sie zu Hochzeiten eingeladen wurde; ich muss heute noch über das Bild lachen: meine großgewachsene, blonde Tante, die die Tanzfläche bei einer albanischen Hochzeit aufmischte

Stolz war ich auch immer auf den Schriftsteller Aleksandar Tisma, der vor einigen Jahren den Bayerischen Buchpreis bekam, auch für den Nobelpreis nominiert war und dessen Bücher immer die Geschichte dieser gebeutelten Region dokumentierten. Er war ebenso ein Kind der Vojvodina (der Name der Republik, von der Novi Sad die Hauptstadt ist) und wenn ich seine Bücher lese, stolpere ich ständig über die ein oder andere bekannte Straße.

Für den Reisenden bedeutet es: Man kommt in eine Stadt, der man die Armut ansieht (ich würde viele zivilisationsverwöhnte Freunde nicht mitnehmen), aber eine Stadt, die wie wenige dort noch immer das nationalvermischte Europa des vergangenen Jahrhunderts symbolisiert und lebt.
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