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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: ZweitSinn, W. Baumann
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04.10.2009, 20.29 Uhr

Recycling Design

Ich habe ja in meinem vorletzten Beitrag von den Junk Raiders in Kanada erzählt, die versuchten ein Haus nur mit 5.000 Dollar und Fundstücken aus dem Müll zu sanieren. Zwei Mitarbeiter waren ja selbst Freecycler, die aus weggeworfenen Gegenständen Dekorationen oder auch schon mal neue Möbel bauten. Das Thema hat mich sehr fasziniert, und deshalb habe ich mich ein wenig im Internet umgesehen, ob es noch mehr solcher Designer und Handwerker gibt. Was soll ich sagen, Recycling-Design liegt absolut im Trend. In unseren globalen Zeiten, wo IKEA-Möbel in gefühlten 90% aller Haushalte stehen (auch in unserem, natürlich) entsteht eine Gegenbewegung und ein Bedürfnis nach individuellen Einrichtungsgegenständen, die nicht perfekt sind und ihre ganz eigene Geschichte erzählen.

Es gibt mittlerweile dutzende Designer aus der ganzen Welt, die recyclen. Aber insbesondere in Deutschland, haben sich einige besonders spannende Projekte entwickelt. Zum einen ist das „ZweitSinn“ ein Netzwerk von Unternehmen, die gebrauchte Produkte zu Möbeln weiterverwehrten. Es bringt Entsorger (die die Rohstoffe liefern) mit Designern, Künstlern und Handwerkern aber auch mit Mitarbeitern von Beschäftigungsgesellschaften oder Behindertenwerkstätten zusammen. Das heißt im Klartext, dass hier Behinderte, Langzeitarbeitslose oder auch benachteiligte Jugendliche bei den Entsorgern beziehungsweise in den angeschlossenen Tischlereien und Polstereien arbeiten. Dort können sie sich qualifizieren und haben eine gute Chance bei den Netzwerkpartnern übernommen zu werden. Aber nun zu den Produkten. Besonders gut gefallen haben mir die Möbel, die mit Holz aus alten Lattenrosten oder Europaletten hergestellt wurden. Da entstehen dann Tische, Schränke oder Betten, die ein ganz eigenes Muster aus den verschiedenesten Holztönen haben. Beispiel1 und Beispiel2. Sehr edel ist außerdem die Vino-Reihe, die für Tische oder Bänke original Weinkisten-Brandings verwendet und sie in hochwertige Hölzer einbaut. Sehr hübsch sind auch die farbenfrohen Sofas und Sessel der Reihe Pixelstar, bei der die Polsterung aus gebrauchten Schaumstoffresten und alten, gereinigten Hosen oder Mänteln besteht.

Weitere Designer die mir noch sehr gefallen haben sind Lockengelöt, die aus Schallplatten tolle Sachen wie Lampen, Uhren oder Handtaschen (!) machen. Beispiele hier und hier. Aus alten Waschmaschinentrommeln basteln sie spacige Lampen oder Kommoden. und die Kleiderhaken aus alten Büchern sind auch sehr originell.

Sybille Homann erstellt wunderschöne Designobjekte aus ganz alltäglichem Gebrauchtglas wie Flaschen und Fensterglas. Besonders toll sind die Garderoben aus Flaschenhälsen und die so gar nicht alltäglichen Leuchten, in denen vor allem Flaschen auf völlig neue Weise eingearbeitet wurden.

Rafinesse & Tristesse kommen zugegebenermaßen nicht aus Deutschland (sondern aus der Schweiz), aber ihre Produkte sind bereits in einigen deutschen Geschäften erhältlich. Sie bauen vor allem Hocker aus recht großen Blechkanistern, in denen vorher Oliven aufbewahrt wurden. Außerdem machen sie aus denselben Materialien herzallerliebste kleine Mini-Backöfen und Mini-Spülen für Kinder – wirklich sehr, sehr niedlich!

Weitere Artikel zum Thema
[www.n24.de]
[www.welt.de]
[www.berlin.de]
[www.bauemotion.de]

Foto: Johann Helm, Jungdesigner von ZweitSinn mit seiner Kommode "Tausendschub" aus alten Schubladen in der Tischlerei bei Möbel & Mehr, Iserlohn. Copyright: ZweitSinn, W. Baumann
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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