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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

 Bild: 	Herbert Raschke / www.pixelio.de
146 mal angesehen
06.10.2009, 20.47 Uhr

Bäume als Baumaterial

Okay, ja in Form von Holz werden Bäume sehr regelmäßig als Baumaterial verwendet. Aber ich möchte heute von Bäumen schreiben, die sozusagen im „lebendigen“ Zustand architektonisch genutzt werden.

Zuerst bin ich eher per Zufall auf die Wurzelbrücken in Nordindien gestossen. Dort ist es extrem feucht und es gibt riesige Gummibäume, die auch über der Erde ausufernde und extrem starke Wurzeln bilden. Der dort lebende War-Khasis-Stamm hat sich diese schon seit Jahrhunderten zu Nutze gemacht, um Brücken zu bauen. Mit ausgehölten Betelnuss-Baumstämmen bringen sie die Wurzeln dazu, sich erstens nicht zu verzweigen und zweitens in eine bestimmte Richtung – zum Beispiel über einen Fluss – zu wachsen. Auf der anderen Seite angekommen, dürfen sie wieder in der Erde andocken. So entsteht im Laufe der Jahre ein stabiles Geflecht und nach etwa 10-15 Jahren ist die Brücke begehbar. Je mehr Zeit vergeht, umso stabiler ist sie. Die ältesten dieser Brücken werden auf etwa 500 Jahre geschätzt. [atlasobscura.com]

Hier in Deutschland gibt es seit einigen Jahren Bauprojekte, die Weiden zum Bauen nutzen. Die dünnen, biegsamen Weidenruten lassen sich gut verarbeiten und bekommen, in Bündeln verpflanzt, eine relativ große Stabilität, die mit dem schnellen Wachstum der Bäume entsprechend zunimmt.

Zum einen hat das Atelier „Sanfte Strukturen“ bereits über 50 Weidenbauten in Deutschland und im benachbarten Ausland umgesetzt. Dazu gehört der Auerworldpalast [www.auerworld.de] im Weimarer Land, der bereits seit 11 Jahren dort steht. Das filigrane, kuppelartige Gebilde wurde damals mit 300 Freiwilligen erbaut. Heute finden dort jedes Jahr Festivals statt und einem grünen Dach, das jedes Jahr anders aussieht. Weitere Projekte sind beispielsweise der Weidendom in Rostock, der für die IGA 2003 erbaut wurde [www.weidendom.de] und die Arena Salix in Brandenburg [www.spreewaldbrauerei.de] Erst letztes Jahr und im Gegensatz zu den anderen „Gebäuden“ ganz aus Bambus ist die so genannte „Weinkirche“ in Weinheim, die gar nicht mal so weit weg von uns steht. Ich glaube, da werden wir bei Gelegenheit mal einen Ausflug hin unternehmen. Ein Bild davon gibt’s hier: [www.sanftestrukturen.de] (gleich ganz oben).


Drei Architekten aus Stuttgart haben hingegen die „Baubotanik“ erfunden. Auch sie arbeiteten bisher mit Korb- und Silberweiden, verwendeten aber zusätzlich noch künstliche Bauelemente, die von den Bäumen getragen werden. So war zum Beispiel „Der Steg“ ihr erster baubotanischer Prototyp. Es ist eine Konstruktion ähnlich einer Brücke, bei der die Weiden die Stützpfeiler darstellen und der begehbare Teil aus Stahlgitterrosten besteht. Eröffnet wurde Kunstobjekt bereits 2005, so dass inzwischen beobachtet werden konnte, wie die Weiden auf den „Fremdkörper“ reagieren. Sie entwickelten Verdickungen, insbesondere da, wo sie den größten Belastungen ausgesetzt waren. Das heißt also, dass der Steg im Laufe der Jahre immer stabiler werden wird. Später haben sie dann noch runde Pavillons mit Segeln als Dach oder Vogelbeobachtungsstation, in die eine Plattform eingelassen ist. Bilder sind auf [www.baubotanik.de] unter Projekte zu finden.

Film über Baubotanik:
[www.dw-world.de]

Bild: Herbert Raschke / www.pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

06.10.2009 20:50 Hans_A_Plast
Das ist ein interessantes Thema.
07.10.2009 19:56 Oekopeter
Sagenhaft! Hab nie geahnt, dass es so etwas gibt. Vor allem die Brücke in Indien sieht spannend aus.
Vielen Dank für denBeitrag!
08.10.2009 12:20 Paradiesgarten

Diese Naturbrücken trotzen bestimmt auch am besten jedem Unwetter, weil sie sehr biegsam und flexibel sind. Wir können von der Natur noch viel lernen, siehe Bionik
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