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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: Karin Jung / www.pixelio.de
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29.10.2009, 20.12 Uhr

Greenwashing

Egal, wo man hinschaut, überall in der Werbung bekommen wir Begriffe wie „Bio“, „ökologisch“, „natürlich“, „umweltfreundlich“ und „nachhaltig“ regelrecht um die Ohren gehauen. Das gilt nicht nur für Lebensmittel, Getränke und Pflegeprodukte, sondern sogar schon für Autos, Versicherungen oder Energiekonzerne. Inzwischen ist es sicherlich auch dem Letzten aufgefallen: damit kann ein Unternehmen nicht nur sein Image aufpolieren sondern praktischerweise auch noch eine Menge Kohle verdienen, indem für solche „grünen“ Produkte auch noch ein höherer Preis verlangt wird. Stellt sich die grundsätzliche Frage: haben die Firmen wirklich umgedacht? Oder läuft es bei dem einen oder anderen nicht doch nur auf eine ziemlich dicke Werbelüge hinaus, bei der jede noch so kleine Klimaschutz- oder Umweltmaßnahme unverhältnismäßig aufgeblasen wird?

Heutzutage gibt es für diese Art der grünen Vermarktung sogar einen speziellen Begriff: „Greenwashing“. Man könnte es in etwa mit „sich ein grünes Mäntelchen anziehen“ übersetzen oder die Weste grün, anstatt weiß zu waschen . Zu den meist genannten Beispielen zählen die Firmen bp und RWE.

bp hieß bis vor einigen Jahren noch „British Petroleum“ und nannte sich dann in „bp“ um, was für „beyond petroleum“ stehen sollte. Ein neues Logo wurde eingeführt, dass an eine gelb-grüne Blume erinnert und eine große Kampagne gestartet, die informierte, dass bp 45 Millionen Dollar ausgegeben hat, um Marktführer bei der Solarenergie zu werden. Das klingt im ersten Moment sicherlich toll. Allerdings kam danach heraus, dass die Werbekampagne schon 200 Millionen Dollar gekostet hat und bp parallel dazu 26 Milliarden (!) Dollar in die Ölförderung gesteckt hat. Das relativiert die positiven Aussagen doch etwas.

Der Energiekonzern RWE hingegen ließ dieses Jahr im Kino und TV einen an sich wirklich gut gemachten Imagefilm laufen. Da läuft ein grüner Riese (der in erstaunlichem Maße an Shrek erinnert) durch wunderschön animierte Landschaften, pflanzt Windkraftanlagen, errichtet Gezeitenkraftwerke, repariert alte Stromleitungen und bepflanzt alte Kohle-Abraumhalden neu. Schöne heile Welt mit dem Slogan „Es kann so leicht sein, Großes zu bewegen. Wenn man ein Riese ist“. Sehr schnell hat Greenpeace sich den Spot geschnappt, mit sehr interessanten Informationen versehen und ihn wieder ins Netz gestellt. Da steht dann, dass nur 0,1 Prozent des RWE Kraftwerkparks aus Windrädern besteht. Gezeitenkraftwerke existieren derzeit lediglich auf dem Reißbrett. Viele Strommasten stammen noch aus Vorkriegszeiten und sind alles andere als auf dem neuesten Stand. Außerdem produziert RWE 20% des gesamten deutschen CO2-Ausstoßes. So schnell kann in der heutigen Internetzeit ein solcher Film nach hinten losgehen und den gewünschten Image-Effekt ins Gegenteil umkehren. Der Film kann hier [blog.handelsblatt.de] angeschaut werden.

Doch Greenwashing wird noch von vielen, vielen weiteren Firmen aus allen Branchen praktiziert. Welche das sind verraten Internetseiten wie [www.klimaluegendetektor.de] oder Bücher wie Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen: Lügen, bis das Image stimmt oder Die Ökolüge . Auch der NDR hat einen Beitrag zum Thema produziert. Anzuschauen hier [www3.ndr.de] (Videolink ist unten rechts).

Aber nicht alle sind schwarze Schafe. Es gibt auch Unternehmen, die sich still und heimlich für umwelt- und sozialgerechte Produktionsabläufe einsetzen und entsprechende Projekte unterstützen. Diese vermeiden es sogar, solche Themen an die zu große Glocke hängen, um sich nicht von Kritikern Greenwashing vorwerfen lassen zu müssen. Das wäre dem guten Image (um das es ja auch im Endeffekt geht) schnell wieder abträglich. Der Unternehmenscheck des Bundesverband Verbraucher-Initiative e.V. hat untersucht, wie sehr sich Handelsunternehmen für Umwelt und Soziales engagieren. Dabei wurden nicht nur die Firmen Hessnatur und Gepa mit Gold bedacht, sondern überraschenderweise auch IKEA. Hätte ich ehrlich nicht gedacht. Alles über diesen Unternehmenscheck und welche Firmen noch gut abgeschnitten haben, findet ihr hier [www.nachhaltig-einkaufen.de] und hier [www.utopia.de]

Foto: Karin Jung / www.pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

30.10.2009 09:49 himbeerbaer
Wieder ein klasse Beitrag von dir!
Ich fühle mich von all dem vermeintlichen "Grün" inzwischen regelrecht verfolgt!
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