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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

409 mal angesehen
06.11.2009, 00.15 Uhr

Anfängersorgen

Wenn man als Anfänger das erste Mal in Kontakt mit Imkern tritt oder auch einen ersten Blick in die Zeitschriften bzw. auf die Homepage des Deutschen Imkerbundes wirft, dann merkt man schon bald, dass Imker wie Imkerbund bezogen auf Anfänger eine Frage ganz besonders quält: Wie bringt man jemanden dazu mit der Imkerei anzufangen?

Mich indes quälen ganz andere Fragen, wenn ich über meine Zukunft mit der Imkerei nachdenke. Dazu muss ich etwas ausholen:

Eigentlich bin ich kein Anfänger im richtigen Sinne des Wortes. Mit Bienen habe ich Kontakt seit ich Laufen kann, denn mein Vater ist seit seinen Jugendjahren Imker. Davor war auch sein Vater Imker. Insgesamt geht die Familiengeschichte der Imkerei väterlicherseits bis irgendwann um das Jahr 1940 zurück. Damals war mein Großvater etwa 30, und um diese Zeit hat er wohl beschlossen mit der Imkerei anzufangen. Auf irgendeine Art und Weise hat er dann damit auch meinen Vater angesteckt.
Auf der mütterlichen Familienseite geht die Imkerei noch weiter zurück. Dort haben schon mein Urgroßvater, mein Großvater und schließlich auch meine Mutter geimkert. Warum, das kann mir niemand so richtig erklären. Auf der mütterlichen Familienseite scheint die Imkerei aber auch ansteckend gewesen zu sein: Von 5 Geschwistern imkern 4 mit vollem Einsatz.
Allerdings gab meine Mutter die Imkerei kurz nach der Heirat auf. Einen Imker hätte sie heiraten wollen, dass hätte sie immer schon gewusst, hat sie letztens schelmisch angemerkt, als ich wieder einmal versucht habe den Ursprüngen der familiären Imkerei nachzuspüren. Allerdings vertritt sie bis heute die Meinung zwei verheiratete Imker in der Familie vertragen sich nicht. Um so mehr freut sie sich darüber mir dabei zuzuschauen, wie ich die etablierten und alteingefahrenen Handlungsweisen meines Vaters hinterfrage. Konflikte sind dabei nicht ausgeschlossen. Lerneffekte auch nicht.

Seit ich Laufen kann - das müsste etwa um 1983 mit 3 Jahren gewesen sein - bin ich also mal mehr mal weniger mit den imkerlichen Altlasten meiner Eltern beschäftigt gewesen. Ich habe unzählige Male Waben entdeckelt, Futterkübel gewaschen, Rähmchen gedrahtet, Rähmchen beim Versuch sie zusammenzunageln vernichtet und vieles mehr. Begeistert haben mich immer schon der Rauswurf der Drohnen im September - wie sollte man da keine feministische Seite entwickeln -; das Umlarven der schleimig weißlichen Maden - was besser auf vorlaute Jugendliche wirkt als jeder Horrorfilm -; und die Schwärme in unserem Vorgarten - gerade wenn man hungrig aus der Schule kommt, hieß es da immer "Haube auf und durch".
Für die Imkerei an sich habe ich mich aber nie interessiert. Es hat mich auch nie jemand danach gefragt und selber bin ich auch nie auf die Idee gekommen mir das ganze mal genauer anzuschauen.

Gefunkt hat es zwischem mir und der Imkerei erst Anfang 2009. Nach einem miserabligen Bienenjahr 2008 lamentierte mein Vater mehr als sonst, dass ihm die Imkerei zum langfristig zum Hals raushängen würde. Vor allem nervte ihn die Varroa. Anders als ich, kennt er Zeiten einer Imkerei ohne die Varroa. Dazu kam 2007 unverhofft eine Spättracht des Springkrauts. Die Bienen lagerten die Beuten voll Honig. Kein Platz mehr für Brut da. Der Winter wurde mit bis zu 20 Grad um Weihnachten außerordentlich warm und das böse Erwachen erfolgte dann Anfang 2008. Nach einem Jahr Wiederaufbau kam dann das Bangen über den Winter bis ins Frühjahr 2009 und nach einem Jahr intensiven Lamentos dann erneut das Geschimpfe über Varroa und alle anderen Dinge, die einen Hobbyimker sonst so plagen.

Eigentlich gäbe es damit keinen wirklichen Grund für ihn weiterzumachen, war damals meine Meinung. Dazu kam, dass sich trotz des Geschimpfes die Anzahl seiner Völker von Jahr zu Jahr kontinuierlich steigerte. Vor einigen Jahren waren es einmal 40 - heute dürften es um die 50 sein. Dabei sind die Völker anderer Imker, die er mitbetreut noch nicht dazugerechnet. Wie er das macht, ist mir in Anbetracht seiner Schwarzmalerei bis heute ein Rätsel. Warum er nicht endlich aufhört oder vielleicht wenigstens die Anzahl der Völker reduziert erschließt sich mir genausowenig. Aber vielleicht komme ich dem auch irgendwann einmal auf die Spur.

Meine Verwunderung über das zweigleisige Verhalten meines Vaters, gepaart mit etwas Sinn für die Familientradition war es dann auch, die langsam die Idee reifen liesen, die Imkerei selbst in die Hand zu nehmen. Da ich viel beruflich viel unterwegs bin, ersteinmal als Helferling oder als "Wochenendimker". Bei näherem Überlegen fand ich dann gerade die Idee einer Tierhaltung unter ständiger Bedrohung durch Milben, Pestizide und was weiß ich auch durchaus reizvoll. Ich bin da wohl eher der etwas morbide und sarkastische Typ - ganz getreu dem Motto: No Risk - no Fun. Und schließlich gibt es nichts was was folgendes - sicherlich etwas zugespitzte - Argument schlagen könnte: Eine Monarchie unter meiner Fuchtel, dazu um die 40.00 Sklaven die tagein, tagaus für mich schaffen und wenn meine Monarchin nicht spurt, dann murks ich sie einfach ab und such mir eine angenehmere - da sollte doch das Herz jedes Sozialwissenschaftlers höher schlagen. Zumindest dass jedes aufgeklärten Bayern.

Aber Spaß beiseite. Warum ich letztlich selber mit der Imkerei angefangen, und im letzten Halbjahr meinen ersten Anfängerkurs-Marathon hinter mich gebracht habe, kann ich mir so richtig auch nicht erklären. Auf jeden Fall interessiert mich die Imkerei. Gerade auch weil mich andere Fragen plagen als die Altimker. Anders als die frage ich mich nämlich gleich 4 Sachen:
Warum hört so mancher Altimker nicht mit der Imkerei auf?
Warum hört manch anderer tatsächlich auf?
Warum fange ich mit so einem schrägen Hobby eigentlich an?
Warum habe ich damit nicht schon viel früher angefangen?

Aber das sind wahrscheinlich wirkliche Anfängersorgen. Die richtigen Anfängerprobleme bekommt man erst, wenn man sich in die Materie stürzt. Das dann ein anders Mal.

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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim
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Kommentare

09.11.2009 10:50 Bienenalex
Super geschrieben.
Du machst das schon!
09.11.2009 11:35 Wastl
Ich bin auch letztes Halbjahr in die Materie gestiegen. Ich studiere nebenher und gehöre noch zu den jüngeren Eisen. Eine Seltenheit. Warum ich mit den Imkern begonnen habe?

Die Faszination am "Bien". Der warme angenehme Geruch, wenn man ins Bienenhaus geht. Die beruhigenden Momente, wenn man zu Abendstunden die Fluglöcher beobachtet und das sorglose Treiben der Arbeiterinen beobachtet und dabei die menschengemachten Sorgen hinter sich lassen kann.
....außerdem bin ich ein Freund guten Honigs!

lg
Wastl
09.11.2009 14:49 imkerhh
Hallo, bin im 25zigsten Lehrjahr bei meinem Vater.
Erst als dieser zum Jahreswechsel 08/09 aufhören wollte (Totalverlust), machte es bei mir Klick.
Das kann nicht sein, sagte ich und wollte die Hobbyimkerei übernehmen (immer um die 25 Völker). Ebenfalls habe ich 2009 einige Kurse belegt und was ist das Ende vom Lied? Mein Vater hat nicht aufgehört und jetzt Imkern wir beide...
Mein Vater hat sich vergrößert und ich stehe ebenfalls schon mit 12 Völkern im Winter.
Ich habe in der Imkerei einen ausgleich zum alltag gefunden, das hätte ich so nicht für möglich gehalten.
09.11.2009 16:17 Saarschleifenimker
Herzlich Willkommen !
09.11.2009 19:36 N-Gast
Ein guter Beitrag !
Ich weiß nicht,ob du die 4 gestellten Fragen beantwortet haben möchtest?
Ich hebe mal auf die Anfängersorgen ab:
In dem Wort Sorge kann doch auch Fürsorge stecken.
Ich habe,empfinde,entwickel eine Fürsorge für ein Lebewesen,in dem Fall,die Bienen.
Für mich eine erfüllte Aufgabe.
Grüße
11.11.2009 16:20 Austeja
Hallo,
vielen Dank für die Kommentare. Ich kann leider nicht auf alle antworten - da mein beruf recht zeitintensiv ist - und immer nur einzelne beantworten finde ich auch irgendwie ungerecht. Deswegen ein kollektives Danke an alle : )
Die Fragen sind eher rhethorisch. Ich denke jeder wird sie anders beantworten. Wie ich sie für mich beantworten kann, weiß ich noch nicht genau. Aber kommt Zeit kommt Rat und Ansichten ändern sich ja erfreulicherweise im Zeitverlauf auch mal.
11.11.2009 16:40 Kobi
Da steckt ja richtig Tiefgang drinn. Fast schon eine philosophische Betrachtungsweise. Bin beeindruckt von den Gedankengängen und der Ernsthaftigkeit eines doch relativ jungen Menschen, sich mit der Imkerei so intensiv zu beschäftigen. Weiter so - nicht aufhören -bist ein Hoffnungsträger.
11.11.2009 20:52 Britta
ein schöner Einstieg, auch für die Imkerei als Hobby. Einiges kommt mir bei Familienbeschreibung bekannt vor. Neben der Tierhaltung und dem Nutzen daraus, fasziniert mich das "Termingeschäft" in Abhängigkeit von Wetter und Staatsentwicklung (auch hier schwarz-gelb). Vor kurzem las ich drei Imker - fünf Meinungen. Das verspricht eine interessante Kommunikation und viel Platz für Experimente. Viel Erfolg beim Hobby wünscht Britta aus dem Schenkenländchen
12.05.2010 00:19 carnika2010
Ich finde mich in großen Teilen deiner Geschichte irgendwie selbst wieder, wo ich aber gerade echt eine Gänsehaut bekommen habe, dass waren deine letzten vier Fragen - echt wie aus meinem Kopf herausgezogen. Hast zudem einen echt fesselnden Schreibstil.
Anfänger sein, heißt das Glück zu haben, jeden Tag dazulernen zu können, traurig der, der sich selbst als alten Haasen bezeichnet, da sich für ihn die Möglichkeiten, etwas dazuzulernen von Tag zu Tag immer mehr verschließen - ich bin gern ein Anfänger (genau wie du seit Frühjahr 2009). Es gibt nichts langweiligeres als Routine - ich glaube, genau darin steckt ein Teil der Antwort auf die Frage nach dem "warum fange ich mit diesem schrägen Hobby an?" - kein Jahr ist wie das andere, eine wirkliche Routine hierbei kann ich mir nicht vorstellen.

L.G.
Christian
P.S.: Sorry, dass das jetzt so ausgeufert ist...
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