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Die Tücken des Alltags

(44 Einträge)

Zither
62 mal angesehen
08.11.2009, 11.48 Uhr

So staad die Zeit, so laut das Leben...

Ich kann es richtig spüren, dass das Leben derzeit auf langsamer gepolt ist, auf Rückzug und ruhigere Aktivitäten. Gepolt sein sollte, muss ich besser sagen. Obwohl man hier in Bayern immer noch von der "staaden Zeit" spricht, möchte ich gerne mal wissen, wo die eigentlich ist. Im Gegenteil: im Geschäftsleben sind zum Jahresende die Aktivitäten schriller denn je. Eine große Messe jagt die andere, jedes Unternehmen muss da schon zeigen, was es alles Tolles gemacht hat im laufenden Jahr. Sehen und gesehen werden ist wie immer die Devise ... und reden, reden, reden. Mit Kunden, mit Mitarbeitern, mit Dienstleistern, mit potenziellen Kunden, mit Besuchern, mit Gott und der Welt. Pläne müssen erfüllt , Etats für neue Jahr erstellt, Konzepte für kurz-, mittel- und langfristig ausgedacht und abgestimmt werden. Eine Hektik ist allüberall, von "staad" nichts zu spüren, obwohl die Natur eindeutig sagt: "Jetzt gebt´s amoi a Ruah!" Ich beneide da immer die Landwirte von nebenan, bei denen ist das so eindeutig, dass es andere Prioritäten gibt, wenn die Ernte eingefahren ist. Die gesamte andere Produktion tickt da genau "antizyklisch".
Wenn es um halb 6 abends schon stockfinster ist, da zieht man sich eben gerne zurück, wenn es windet und weht, regnet und nebelt, da ist doch so ein kuscheliges Sofa das einzig Wahre. Wieviele Bücher warten darauf, gelesen zu werden (bei mir sind es 7, während des Sommers gekauft, auf dem Regal abgelegt für Zeiten, in denen ich Zeit habe), wieviele Neffen lechzen danach, zu warm-wohligen Apfelstrudel-Variationen Geschichten erzählt zu bekommen (naja, ich geb`s zu, falsche Idylle: Neffe 1 und Neffe 2 ist es wurscht, Hauptsache sie können immer und überall mit ihrer Playstation wilde Spiele treiben), wieviele Schränke sehnen sich danach, ausgemistet zu werden, also aufs Leben übertragen mal wieder eine Entscheidung zu bekommen, was wirklich wichtig und was - wenn vielleicht auch schön - doch überflüssiger Ballast ist. Wieviele Kerzen freuen sich darauf, angezündet zu werden und wieviele Teetassen und - gläser drängt es, wieder mit dem aromatischen Blätterextrakt gefüllt zu werden.
Die "staade" Zeit war - früher, damals, als man noch mehr mit der Natur gelebt hat - auch mehr die Zeit Ende Oktober und November, gar nicht so sehr der Advent. Im November vor allem fanden die "Hoagoascht" oder "Hoagarten" statt, die Zusammenkünfte in den bayerischen Bauernstuben, bei denen miteinander gesungen und musiziert wurde. Es gibt ein paar Aufrechte, die diese Tradition nach wie vor hochhalten. Aber für die Mehrzahl der arbeitenden Bevölkerung ist die Zeit Oktober / November / Dezember die Stresszeit schlechthin.

Ich weiß, was ich mache, ich schlage meinem Chef vor, statt der 5. Betriebsversammlung im Jahr ein gemeinsames Singen in unserem Foyer zu veranstalten. Da ist es dann bestimmt ganz "staad".

Fotoquelle: segovax, www.pixelio.de
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Philine

Philine

Alter: 62 Jahre,
aus Schönau
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Kommentare

12.11.2009 10:25 Paradiesgarten

Du hast ja so Recht !
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