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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Foto: Friedrich Frühling / www.pixelio.de
60 mal angesehen
08.11.2009, 19.00 Uhr

Stiller Ozean?

Wir hatten auch schon mal drüber nachgedacht eine dieser Walbeobachtungen per Boot mitzumachen. Aber nachdem ich mich am Wochenende ein wenig in das Thema Lärm in den Meeren eingelesen habe, werde ich wohl freiwillig auf diese sicherlich an sich tolle Erfahrung verzichten. Denn der Lärm der modernen Welt muss für die Tierwelt Unterwasser ohrenbetäubend sein. Das fängt beim Motorenlärm der vielen Schiffe und hört bei der Erdöl- und Gasgewinnung noch lange nicht auf. So faszinierend sie auch sein mögen: gerade auch die beliebten Walbeobachtungen tragen dazu bei, dass sich die Situation für die Tiere vor allem in der Touristensaison verschlimmert, denn sie sind dann mit jedem Boot der Lautstärke eines Vorschlaghammer ausgesetzt.

Auch das Sonar von Seestreitkräften, das feindliche U-Boote aufspürt, arbeitet mit Schallwellen, die für Meeresbewohner noch in 1600 Kilometer Entfernung hörbar sind. Schiffe und auch Bohrinseln verwenden außerdem so genannte „Airguns“, die in regelmäßigen Abständen starke Druckwellen gen Meeresboden senden. Ihr „Echo“ zeigt, wie der Meeresboden beschaffen ist und wo Erdöl- oder Gasvorkommen sind. Dabei entsteht ein Schalldruckpegel von bis zu 260 Dezibel. Das gleicht einer Explosion, die das Hörsystems eines Wals zerstören kann. Zum Vergleich: bei 130 Dezibel fängt die Schmerzgrenze für den Menschen an.

Verschlimmert wird die Situation durch den steigenden Säuregehalt in den Meeren. Dieser steigt, weil immer mehr CO2, also „Kohlensäure“ in der Luft ist, die dann auch immer mehr sich gelöst im Wasser wieder findet. Säurehaltigeres Wasser bedroht nicht nur Korallen, es leitet Schallwellen viel besser und vor allem weiter als weniger säurehaltiges Wasser. Das bedeutet, dass das „Hintergrundrauschen“ im Meer immer mehr zunimmt.

Das alles führt dazu, dass immer mehr Wale und Delfine, die sich ja per Schallwellen orientieren, sich verirren und in lebensbedrohende Situationen geraten - vor allem die Sonargeräte und Airguns sind stehen dabei in Verdacht so etwas auszulösen. Das heißt, sie stranden irgendwo oder tauchen vor lauter Schreck zu schnell auf und sterben an der Taucherkrankheit. Was zum Beispiel bei Cuvier-Schnabelwalen vorkommt, die oft lange und tief tauchen und deshalb viel Stickstoff im Blut haben. Auch die Kommunikation der Meeressäuger wird erschwert, so dass beispielsweise Paarungsrufe durch den Lärm nicht mehr gehört und der Partner geortet werden kann.

Selbst der Bau von eigentlich umweltfreundlichen Anlagen wie Windkraftparks auf dem Meer verursacht für die Meeresbewohner unerträglichen Lärm. Die Basis wird mit einem Rammhammer in den Boden getrieben, pro Windrad sind das mehrere tausend Schläge über einige Stunden hinweg. Allerdings dürfen die Bauarbeiten einen Pegel von 160 Dezibel in mehr als 750 Metern Entfernung nicht mehr überschreiten (was immer noch wahnsinnig laut ist!). Deshalb wurde ein neues System der Lärmsenkung für solche Baurabeiten entwickelt. Auf dem Meeresboden werden Rohre mit sehr vielen kleinen Löchern verlegt, aus denen Druckluft enströhmt. Dadurch entsteht ein dichter Blasenvorhang rund um die Baustelle, der nicht mehr ganz so viel Dezibel nach draußen durchlässt.

Auch die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO hat das Problem erkannt, und will in den nächsten Jahren Richtlinien für leisere Schiffe entwickeln. Mikrofone auf stark befahrenen Handelsketten sind ebenso eine Idee, über die Fahrverbote und Tempolimits geregelt werden könnten.

Weitere Artikel zum Thema:
[www.wissenschaft.de]
[www.spiegel.de]
[www.welt.de]
[www.news.de]
[www.news.de]

Foto: Friedrich Frühling / www.pixelio.de
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

12.11.2009 10:23 Paradiesgarten

Wir waren in München im "Sea-Life", dort kann man über Kopfhörer hören, mit welcher Lautstärke Wale und Delfine die Geräusche wahrnehmen müssen. Einfach GRAUENVOLL !
Es wird Zeit, dass sich hier was ändert und zwar schnell !
12.11.2009 21:16 kruemel
Als Mensch kann man sich das kaum vorstellen, mit welchem Lärm die Tiere täglich zurecht kommen müssen...
13.11.2009 11:53 Paradiesgarten
kruemel schrieb:
Als Mensch kann man sich das kaum vorstellen, mit welchem Lärm die Tiere täglich zurecht kommen müssen...


Auch für Menschen bedeutet Lärm Stress, warum erkennen wir das für Tiere so spät ???
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