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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Das Erbstück Das Erbstück
465 mal angesehen
11.11.2009, 17.28 Uhr

Altlasten: Die Erste - Das Erbstück

Insgesamt betreuen mein Vater - und damit seit neuestem auch ich - 5 Bienenhäuser in größerer und kleinerer Ausführung, in jüngerer und älterer Bauart und mit verschiedenen Besitzverhältnissen und Beuten.
Mit jedem der Häuser sind verschiedene Probleme verbunden, die in letzter Konsequenz dazu geführt haben, dass ich mich persönlich für die Magazinimkerei entschieden habe, allein schon der örtlichen Flexibilität wegen. Dazu ein anderes Mal. Fürs erste eine kurze Vorstellung der einzelnen Altlasten, die mich plagen und auch erfreuen:

Das Erbstück

Das wahrscheinlich älteste und auch wichtigste Bienenhaus des Familienerbes steht mitten in einem 600 Seelen Dorf. Der Blick geht nach Süden, die Lage ist meist sonnig. In unmittelbarer Nähe gibt es einen Brunnen sowie einen Bach. Innerhalb von etwa einem Kilomenter Radius um das Haus herum stehen nur vereinzelte andere Bienenvölker. Obwohl das Haus in unmittelbarer Nähe zur Bushaltestelle und damit zum abendlichen Treffpunkt der Dorfjugend steht, gab es mit Vandalismus noch nie Probleme.
Auch die Anwohner um das Haus herum haben sich bisher nicht beschwert.
Das Haus ist mittlerweile um die 70 Jahre alt. Gebaut hat es mein Großvater. Nach seiner Erbauung wurde das Haus angeblich noch einmal auf seinen heutigen Stadort versetzt.
Früher befand sich das Haus und der Grund auf dem es steht im Besitz meines Großvaters. Dieser nutzte das Haus lange Zeit selbst, ab etwa 1980 betreute mein Vater das Haus und die Bienen fast vollständig allein. Nach dem Tod des Großvaters erbte mein Onkel Haus sowie Grund, die Nutzung erfolgte aber weiter allein durch meinen Vater. Nach dem Tod des Onkels erbte schließlich um 2000 eine Cousine Haus und Grund und verkaufte beides später an die lokale Gemeinde. Seitdem sind die Besitzverhältnisse ambivalent: Der Grund gehört der Gemeinde und wem das Bienenhaus gehört, ist nicht abschließend geklärt. Nach einem freundlichen Gespräch mit dem örtlichen Bürgermeister und einigen Beiträgen zum Kinderferienprogramm der Gemeinde "Besuch beim Imker" steht einer Nutzung von Haus und Grund durch unsere Familie aber nichts im Weg. Zitat des Bürgermeisters: "Solang's ordentlich ausschaut, passt's".

Im Haus befinden sich Trogbeuten im kleinen Schweiermaß. Die Trogbeuten im Haus sind - wie das Haus auch - um die 70 Jahre alt, aber durch regelmäßige Pflege und verschiedene Ausbesserungsarbeiten noch gut in Schuss. Wie früher wohl üblich, sind die Wände der Beuten aus mehreren Lagen gebaut, zwischen denen eine Isolierung angebracht ist. Um 1940 herum hat mein Großvater die Beuten wohl noch zusätzlich durch Lagen von Zeitungspapier isoliert. Die zu Rechtecken geschnittenen und getackerten Papierisolationen fanden sich bei einer groß angelegten Putzaktion im Jahr 1995 wieder. Ganze Serien des Völkischen Beobachters und eine Reihe damaliger Familienmagazine fanden so ihr Ende als Isolationsmaterial für Bienenvölker. Etwas sarkastisch, und mit Blick auf die Abneigung meines Großvaters gegen das damalige Regime, kann man wohl sagen, dass die verschiedenen Schundschriften so in letzter Instanz doch dem Volkswohl genützt haben, bevor sie 1995 endgültig in den Müll gewandert sind.
Wie auf dem Bild zu erkennen ist sind die Trogbeuten im Haus auf zwei Ebenen angeordnet. Das schafft mehr Platz für Völker und auch weniger Platz zum Arbeiten. Gerade wenn man an den unteren Beuten arbeitet, sollte man ein flexibles Rückgrat mitbringen. Im Bienenhaus selbst findet sich noch etwas Mobiliar, das ebenfalls um die 70 Jahre alt sein dürfte: Ein mittlerweile wachsimprägnierter Tisch und ein wachsimprägnierter Stuhl. Überschüssige Aufsätze für die Trogbeuten sind in den Ecken gestapelt und überzählige Rähmchen hängen an zwei Leisten an der Decke. Im Moment beherbergt das Haus etwa 10 Völker.

Familienbiographisch gesehen bildet das Haus das Herzstück der väterlichen Imkerei. Mit diesem Haus und den darin befindlichen urigen Beuten hat alles angefangen. Beides waren die ersten Investitionen meines Großvaters in die Imkerei und bis zum heutigen Tag wurde von den nachfolgenden Imkergenerationen die einzelnen Bestandteile des Hauses sorgsam gepflegt. Seine ersten imkerlichen Erfahrungen und seine imkerliche Prägung hat mein Vater in diesem Haus erhalten. Zwar ist alles alt, aber entbehrlich ist es gerade deswegen kaum.
Meine anfänglichen Imkerträume den ganzen alten "Schund" auf den Sperrmüll zu hauen haben sich nach diversen Gesprächen in der Familie zerschlagen. Man könnte wahrscheinlich sagen das es sich bei den alten Kästen (Haus und Tröge) weniger um biographisch-familiäre Altlasten als um biographisch-familiäres Fundament oder auch um eine Verwurzelung und damit ein Erbstück handelt, die man besser nicht ausreißt. Also muss man damit leben. Gerade das Alte an dem Haus scheint für meinen Vater ein Grund zu sein nicht damit aufhören zu wollen. Bei der ersten oberflächlichen Durchschau des Hauses - nach meinem Beschluss mit der Imkerei anzufangen - war das ganze alte Zeug für mich eher ein Grund sofort nicht mehr damit anfangen zu wollen. Aber erfreulicherweise bin ich lern- und anpassungsfähig .

Standorttechnisch ist das Bienenhaus sicher nicht schlecht und soweit ich das sehen kann sind die Erträge der Völker im Haus ordentlich. Auch die Distanz zu anderen Bienenvölkern ist sicher positiv. Dazu kommt die geschützte Lage, da sich das Haus in einem öffentlichen und gut bevölkerten Raum befindet, was natürlich wiederum das Risiko von Vandalismus beinhaltet.
Unschön ist die ungeklärte Besitzlage, mit der sich - mangels Notwendigkeit -bisher niemand auseinandergesetzt hat. Was tun, sollten sich Anwohner beschweren? Was tun, wenn der Grund zum Baugrund wird?
Dazu kommen die baulichen Tücken des Hauses: Zwar kann man das Haus abschließen, was unbefugten Zutritt verhindert. Aber arbeiten mit Trogbeuten auf zwei Ebenen macht nicht wirklich Spaß. Man ist entweder am sich bücken und verbiegen oder man balanciert auf Tisch und Stuhl, um an die oberen Tröge heranzukommen. Auf lange Sicht wird sich hier wohl etwas ändern und die zweite Ebene wegfallen. Das wäre ein Anfang... ...nicht vom Ende der Tröge und des Hauses, aber zumindest von einer benutzerfreundlichen Veränderung dieses einen Hauses.


Einen schönen Überblick über die Standortwahl als downloadbare PDF Dateien habe ich übrigens auf folgender Homepage gefunden:

[www.lwg.bayern.de]

Bienenhäuser schneiden dabei nicht allzu gut ab.
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Austeja

Austeja

Alter: 38 Jahre,
aus Rosenheim

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Kommentare

12.11.2009 16:34 Bienenfreund
Du schreibst am Ende: Bienenhäuser schneiden dabei nicht allzu gut ab.

Ja, aber es geht auch um Psychologie.
Der Bienenvater muss seinen Schützlingen, seinen Sonnenvögelein möglichst weitreichenden Schutz bieten, und das ist ein Haus, ein Bienenhaus.
Die Freiaufstellung ist amerikanisch, kapitalistisch, utilitaristisch, naja, halt bloß zweckmäßig
So ist das historisch entstanden. Der Mann kam müde von der Arbeit heim, zu Frau und Kindern in sein Haus, und dann suchte er Erholung in seinem Bienenhaus. So war es auch bei meinem Onkel, einem bekannten Imker in Bayern in früher Vorzeit.
Dazu passte, dass die Bienen stechlustig waren (sein mussten?), wir Kinder rannten schreiend weg und er hat gelacht.
Dies ist nur als Streiflicht gedacht.
Schönen Gruß von Bienenfreund
13.11.2009 18:02 N-Gast
Hallo Austeja,
abbrechen kannste immer noch (wenn es denn sein muß).
Ich würde das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.
Falls die Häuser als Schutz weiter imkerlich genutzt werden sollen,bewegen mich zwei Fragen:Sind die Häuser,die Kästen in einem
bienengesunden Zustand ?
Wie sind die Lichtverhältnisse in den Häusern ?
Wenn alles das ok ist,vielleicht die Häuser für
Zucht/Ableger usw. nutzen,oder auch für
Wirtschaftsvölker,warum nicht.
Viel Glück !
Nordsee
14.11.2009 13:23 Austeja
Lieber Bienenfreund,
Lieber Nordsee,
tatsächlich finde ich das Haus auch schön und heimlich. Was mich nach längerem Betrachten und Nachfragen auch erstaunt hat ist, dass obwohl die Beuten (meiner Anfänger-Meinung nach) nach 70 Jahren total versifft aussehen, wir in diesem Haus noch nie kranke Bienen hatten. Das liegt aber sicher daran, dass einmal immer auf einen Wabentausch geachtet wurde, dazu werden die Beuten regelmäßig gesäubert und ausgeflammt, auch wird wirklich altes ersetzt - etwa die Rähmchen. Wenn man aber das erste Mal einen genaueren Blick in 70 Jahre alte Beuten wirft, dunkel vom Ausflammen, überall mit Propolis verklebt, dann wirkt das auf den ersten Blick schon etwas abschreckend. Irgendwie ist man in der heutigen Zeit und durch die Medien doch mit der Idee geimpft nur blitzeblank-sauber und hochglanz-steril könnte gesund sein. Ist aber scheinbar doch nicht so. Erfreulicherweise!
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