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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Young@Heart
42 mal angesehen
13.11.2009, 20.42 Uhr

Young@Heart

*gähn* Gestern wurde es spät. Sehr spät sogar. Um genau zu sein, so gegen 1 Uhr, was für meine Verhältnisse mal ordentlich ist. Und Schuld war nur der WDR. Der hat nämlich gestern Abend, einen ganz wunderbaren Film gebracht, auf den ich beim Durchzappen gestoßen bin, und der mich (leider und gleichzeitig überhaupt nicht leider) nicht mehr losgelassen hat. Dass die guten Sachen immer erst ewig spät im Fernsehen kommen, ist natürlich auch so ein Thema, auf dass ich jetzt aber nicht näher eingehen werde. Ich glaube das hatten wir vor kurzem schon mal irgendwo in einem Thread .

So, was war das nun für ein Film? Also um genau zu sein, war es eine Dokumentation im Spielfilm-Format mit dem Titel „Young@Heart“. In diesem wird ein Rentner-Chor aus den USA mit eben diesem Namen eine Zeit lang begleitet. Die Mitglieder sind zum damaligen Zeitpunkt zwischen 73 und 93 Jahre alt.

Der Chor besteht bereits seit 1982 und wurde für die Bewohner eine Seniorenwohnprojekts gegründet – allerdings lebt die Urbesetzung leider nicht mehr. Die erste größere Produktion im Jahr 1983 war ein Musiktheater mit Liedern aus den 20er und 30er Jahren, die bereits für Aufruhr in der Heimatstadt sorgte. Danach wurde der Chorleiter Bob Cilman mutiger und ließ die Gruppe Rock- oder Punksongs einstudieren oder beispielsweise eine Nacherzählung der Französischen Revolution mit Frank-Sinatra-Songs. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, der Chor wurde schnell bekannt. Die Show „Road to Heaven“ wurde sogar so erfolgreich, dass die Gruppe damit von 1997 bis 2004 insgesamt 12 Mal quer durch die USA, Kanada und Europa tourte.

Die Dokumentation setzt nun bei der Vorbereitung für ihre neue Konzerttour „Alive and Well“ an. In nur zwei Monaten sollen die Songs für die große Premiere in ihrer Heimatstadt Northampton, Massachusetts einstudiert werden. Anstatt wie andere Rentner alle vier gerade sein zu lassen, treffen sich die Mitglieder des Chores drei Mal in der Woche zum intensiven Proben. Es ist eine Freude zuzusehen, mit wie viel Begeisterung und Enthusiasmus alle an die Arbeit gehen und auch anspruchsvolle Stücke einstudieren. Manchmal dauert es etwas länger, bis eine Strophe sitzt, aber Schwierigkeiten begegnen sie mit Witz und anarchischem Humor. So ist es einfach göttlich, wenn die 93jährige Eileen Hall ständig mit dem Doku-Filmer flirtet. Oder wenn der 75jährige Stan Goldman in dem Lied „I feel good“ eigentlich nur zwei Zeilen zu singen hat, sie aber bis zum Schluss nie sauber hinbekommt. Egal, es macht trotzdem allen Spaß. Überhaupt sind die Lieder genial ausgewählt. „Road to Nowhere“ von den Talking Heads oder "Should I stay or Should I go" von The Clash bekommen bei Rentnern gleich noch ganz andere augenzwinkernde Bedeutungen.

Doch der Film hat nicht nur fröhliche Seiten. Während der Dreharbeiten sterben kurz hintereinander zwei der Chormitglieder, beide im gesegneten Alter von Mitte 80. Noch kurz vor ihrem Tod merkt man, wie wichtig ihnen dieses Projekt und der bevorstehende Auftritt ist. Wie viel Kraft er ihnen gibt, jeden Tag weiterzumachen und die anderen nicht im Stich zu lassen. Und doch schaffen sie es nicht zur Premiere. Die restlichen Mitglieder trauern natürlich, doch sie lassen sich nicht entmutigen und machen mit aller Kraft weiter, gerade für die beiden eben Verstorbenen.

Höhepunkt ist natürlich die Premiere selbst, die zum vollen Erfolg wird, und die die Zuschauer regelrecht von den Sitzen reißt. Es ist erstaunlich wie diese Gruppe von Menschen, die teilweise schon nicht mehr richtig gehen und stehen können und eben zwei gute Freunde verloren haben, so viel Lebensfreude ausstrahlen. Der Film hat mich sehr berührt und ich habe sofort alle Sängerinnen und Sänger total ins Herz geschlossen. Nach dem Film habe ich gleichzeitig vor mich hingelacht und ein Tränchen verdrückt. Wenn ihr mal die Gelegenheit bekommt, den Film zu sehen (gibt’s auch schon auf DVD) unbedingt ankucken.

[www.youngatheartchorus.com]
[www.wdr.de]
[www.welt.de]
[www.morgenpost.de]

Trailer zum Film:
[www.youtube.com]
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen
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