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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Sanierungsfall Sanierungsfall II Bienenhaus im März bei erneutem Wintereinbruch
385 mal angesehen
14.11.2009, 14.44 Uhr

Altlasten: Die Zweite - Der Sanierungsfall

Manche Leute wollen mit dem Imkern anfangen,
andere können damit nicht aufhören,
wieder andere hören damit auf,
und in machen Fällen kommt alles drei zusammen.

Etwa Ende Juli 2009 erreichte die Bienenunlust meines Vaters einen ungeahnten Höhepunkt. Jeder Gesprächspunkt über Bienen und Imkerei etc. wurde nur mit einem entnervten Grummeln kommentiert. Ein ursächlicher Grund war kaum zu erschließen, da seine eigene Imkerei zu diesem Zeitpunkt eigentlich gut lief.
Der Grund der schlechten Laune erschloss sich erst einige Tage später, als das Gespräch auf ein nahegelegenes Bienenhaus kam, das bisher von einem, befreundeten Imker "betreut" wurde. Dieser hatte etwa vor einer Woche kundgetan, er wolle nun endgültig mit der Imkerei aufhören. Eigentlich hätte er schon lange keine Lust mehr dazu. Gemacht habe er dieses Jahr mit den Bienen auch noch nicht viel. Er habe aber noch 5 Völker im besagten Bienenhaus und die wolle er nun loswerden. Deswegen habe er meinen Vater als glücklichen Erben auserkoren.
Daher galt es, dem neu erworbenen Stück einen ersten Sondierungsbesuch abzustatten. Das gerade dies in einer besonders schlechte Laune väterlicherseits resultierte, erklärte sich beim ersten Besuch fast von selbst.

Von außen machte das Haus einen recht idyllischen Eindruck. Seine Lage ist nicht unbedingt ideal, da in der näheren Umgebung neben ein paar kleinen Obstgärten vor allem stark gemähte Wiesen liegen.
Beim ersten Betreten war die Feststellung des "Altimkers", er habe schon lange keine Lust mehr dazu, aber sofort nachzuvollziehen:
Beim Betreten fiel als erstes ein riesiger Stapel alter und zerfressener Decken ins Auge, der etwa ein Viertel des Innenraums des Bienenhauses einnahm und später 5 große Müllsäcke füllte. Die Decken lagen scheinbar schon sei Jahren herum und waren früher wohl als Isolation gedacht. Mittlerweile hatten es sich scheinbar Ratten und Mäuse in ihnen gemütlich gemacht. Jetzt im Sommer boten sie allerlei Insekten einen guten Unterschlupf.
Beim Versuch diesen Anblick zu umgehen und an die Decke zu starren, bot sich das nächste Bild des Grauens: An der Decke hingen viele alte Rähmchen mit und ohne Waben. Rähmchen wie Waben waren meist schwarz und in etwa der Hälfte der Fälle auch grau. Bei den meisten konnte man kaum sagen, ob das Gewebe und Gespinst, das sie umgab, nun Schimmel oder Spinnweben waren. Vermutlich war es beides. Insgesamt füllten sich so nochmals einige Müllsäcke.
Dazu am Boden und in den leeren Beuten - ein Berg alter toter Bienen, fast wie nach einem Massaker.
Der Zustand der Bienenvölker entsprach schließlich dem Bild das sich bisher geboten hatte. 4 von den 5 Völkern waren außnahmslos schwach. 3 davon hatten kaum mehr Futter in den Waben. Alle 5 waren stark mit Varroa befallen, zudem lies sich an den Beuten wie auch an den Rähmchen nachvollziehen welche anderen Krankheiten die Völker im letzten halben Jahr wohl gehabt haben mussten. Innen- und Außenraum der Beuten waren verdreckt mit toten Bienen, Kot und allen möglichen weiteren Reststoffen. Unnötig zu sagen, dass die Rähmchen und Waben in den Beuten genauso aussahen wie die an der Decke des Bienenhauses. Leider hatte ich damals keinen Photoapparat dabei, ansonsten hätte man wahrscheinlich eine gute Serie imkerlicher "Kardinalfehler" machen können.

Das man sich unter solchen Umständen über ein Geschenk kaum mehr freut, mag einleuchten. Dass man als Jungimker nach so einer Zuwendung vielleicht gleich wieder aufhört, wahrscheinlich auch. Was ich mit so einem Haufen Elend gemacht hätte, wäre ich als Anfänger allein gewesen, kann ich mir kaum vorstellen. Aber immerhin hatte ich einen Pragmatiker an meiner Seite - und so ist es vielleicht gar nicht so schlecht sich als Anfänger manchmal Rat von verschiedenen Seiten einzuholen (auch bezogen auf das Vorgehen des Pragmatikers).

Das weitere Vorgehen unsererseits war dann folgendes: Nach einer Großentrümpelung des Bienenhauses und zwei Fahrten mit unserem VW-Caddy zum lokalen Wertstoffhof, war im Bienenhaus endlich Platz zum Arbeiten.
Hauptziel war es dann die Bienenvölker zu erhalten, soweit eben möglich. Den Völkern noch in diesem Jahr Honig zu entnehmen, war keine Option. Deswegen erfolgt zuerste eine Kontrolle der Völker durch Entnahme und Durchschau aller Waben sowie eine Kontrolle des Zustandes der einzelnen Königinnen.

Bei dem starken Volk fand sich eine junge Königin sowie eine Vielzahl mit Brut und Honig gut befüllter Waben. Hier beschloss mein Vater zuvorderst gegen die Varroa vorzugehen, der dann eine Umsiedlung des Volkes in eine saubere Beute mit neuem Wabenwerk folgen sollte. Als Mittel der Wahl gegen die Varroa benutzte er in diesem Fall Perizin. Eigentlich behandeln wir im Sommer mit Ameisensäure und im Winter mit Oxalsäure, so wie es der gängigen und politisch korrekten Praxis entspricht. Die hauseigene Perizinflasche als Mittel der Wahl bei Fällen extremen Milbenbefalls steht aber doch immer griffbereit. Schließlich vertritt er die Überzeugung, dass Perizin in solchen Notfällen mitunter am effektivsten wirkt. Als Anfänger bin ich mir da nicht so sicher und wenn man die verschiedenen Diskussionen so durchliest, mag man Perizin nicht mehr so recht hernehmen. Warum Ameisensäure und Oxalsäure aber soviel unchemischer sein sollen als Perizin, das leuchtet mir noch nicht ganz ein. Hier muss ich wohl im nächsten Jahr einen ganz eigenen Weg des Vorgehens einschlagen.
Immerhin nach Behandlung, Umsiedelung ist aus diesem Volk mittlerweile ein ganz ansehnliches geworden, das sich weiterhin gut entwickelt hat.

Die anderen vier Völker wurden dann neben diversen Maßnahmen, die ich als Anfänger wahrscheinlich nur unzureichend beschreiben kann, auch behandelt, umgesiedelt und dabei mit Blick auf die je jüngsten Königinnen zusammengelegt, neu aufgefüttert und machen mittlerweile auch einen sehr guten Eindruck.
Besonders ans Herz gegangen ist mir dabei, dass das eigentlich schwächste Volk mit seiner jünsten Königin - die nach Angaben meines Vaters eine ganz tolle Biene ist, da jung, wuselig, groß und ordentlich bei der Eiablage - es doch geschafft hat. Quasi survival of the fittest. Vielleicht kralle ich mir dieses Volk, sobald ich im Frühjahr meine eigenen Beuten bekomme. Ich weiß dann auch schon, was ich mir auf diese Beute aufsprayen werden:

"HEROIC INSPIRATION: When things look grim, you rise to the occasion."
[Heißt lapidar übersetzt soviel wie: "Heroische Inspiration: Wenn die Dinge besonders schlecht aussehen, dann beißt du dich erst recht durch" ]
Das wird zwar kein Mensch verstehen, weil der Spruch aus einem urigen PC-Spiel von 2000 kommt. Aber in diesem Spiel ist es definitiv mein Lieblingsspruch.

Natürlich überlege ich, ob ich die Beute dann auch "heroisch" gestalte. Mein Vorbild ist dabei jener Jungimker, dessen Idee ich wirklich genial finde. Metallplatten allein finde ich aber etwas öde, ich denke, ich werde es mit Nieten versuchen:
[www.diebiene.de] (1. Monatsbericht, ganz unten im Bericht!)

Die Monatsberichte von 2007 sowie 2008 fand ich allgemein sehr lesenswert. Die aktuellen von 2009 sind noch nicht online - aber man kann sie hier ja die ADIZ, den Imkerfreund oder die Biene beschaffen, da stehen sie drin.

Und so kann dann praktisch aus dem Grauen, das ein Imker nach seinem Aufhören hinterlässt, die Inspiration für einen anderen Imker werden, es besser zu machen. Ich hoffe mal das ich das im nächsten Jahr auch hinbekomme.
offline

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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim
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