Zur mobilen Version wechseln »
AktuellesWetterShopAboMediaserviceKontaktDie besten Seiten der ImkereiImkerzeitschriften
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche
Pharaonenhonig ewig haltbar? Pharaonenhonig ewig haltbar? Pharaonenhonig ewig haltbar?
784 mal angesehen
22.11.2009, 10.53 Uhr

Pharaonenhonig ewig haltbar?

Traum und Wirklichkeit -

Gerne hören wir Imker die Meinung, dass Honig bei richtiger Lagerung praktisch unbegrenzt haltbar ist. Sogar Honig, der in der Antike oder im Ägypten der Pharaonen als Beigabe in die Gräber gelegt wurde, sei bei seiner Entdeckung in der Moderne noch genießbar gewesen. Dies beweist die hohe, ja einzigartige Qualität des geradezu „göttlichen“ Lebensmittels Honig. Dem „Pharaonenhonig“ lässt sich freilich in einem konkreten Fall nachspüren, in dem ein 3.300 Jahre alter Honig aufgefunden und wissenschaftlich untersucht wurde.

Spuren im Mumienhonig?

Prof. Enoch Zander hat 1941 im Band 3 seiner „Beiträge zur Herkunftsbestimmung bei Honig“ eine über 50-seitige Analyse und Erörterung dieses „Mumienhonigs“ veröffentlicht. Die Probe kam aus dem Ägyptischen Museum von Berlin im Jahr 1938 zu ihm (Abb.1). Sie stammte aus einer Ausgrabung, die in Der el Medine bei Theben in Oberägypten eine ungeahnte Fülle von Funden eingebracht hat. Dass es sich um Honig handelte, hatte man herausgefunden; man vermochte aber nicht die Spuren, die sich im Honig befanden, zu lesen. Entsprechend der gestellten Aufgabe hat Prof. Zander seiner Arbeit den Titel gegeben: „Versuch der Pollenanalyse eines um 1350 v. Chr. einer ägyptischen Mumie in der Nähe von Theben (Oberägypten) beigegebenen Honigs“.

Zunächst wird der Fund beschrieben: Auf einer offenen, flachen Schale von 13 cm Durchmesser lag ein Stück Scheibenhonig. Eindeutig ließ sich die Identität von Wachs und Honig feststellen. Wörtlich heißt es: „Die noch in mehreren Zellen befindliche harte, glänzend-schwarzbraune, malzbonbonartige Masse ist Honig, der sich in Wasser leicht auflösen lässt und genug Pollenkörner enthält.“

Die Untersuchung beginnt

Prof. Zander hat sich zunächst aus Ägypten sieben neue Vergleichshonige schicken lassen und in präziser Arbeit am Mikroskop die Pollen identifiziert und gezeichnet. Das Ergebnis: bei allen neuägyptischen Honigen handelte es sich um Honig aus landwirtschaftlicher Kleetracht, mit weiteren Pollenherkünften von Baumwolle, Obst, Palmen, Öl- und Hülsenfrüchten (Abb. 2).

Den Honig zum „Sprechen“ gebracht

Was würde nun die Betrachtung des Mumienhonigs ergeben? Würde er sein Geheimnis preisgeben? Welche pflanzengeografischen Rätsel würden sich lösen lassen? Der zu untersuchende Honig hatte ja stark gelitten und mit ihm die eingeschlossenen Pollen. In einem vorsichtigen Abwägen aller mikroskopischen Befunde kam Prof. Zander zu folgendem Schluss: Im altägyptischen Honig ist fast nichts von der Pollenformenwelt der Gegenwart zu finden. Flora und Weideverhältnisse der Bienen haben sich in Ägypten im Laufe der 3.300 Jahre vollkommen geändert. Damals sammelten die Bienen von Sapotagewächsen (Mimusops Schimperi), einem Gartenbaum, der heute nur noch in Äthiopien vorkommt. Seine Blätter wurden auch in Gräber gelegt. Die zweite enträtselte Leitpollenform stammt vom Zachunbaum (Balanites), dessen Früchte, die Sklavendatteln, auch häufig in Gräbern gefunden wurden (Abb. 3).
Damit war das Rätsel des Pharaonenhonigs gelöst. Er stammt aus einer Baumtracht der Wild- und Gartenflora. Weitere festgestellte Einzelpollen bestärkten Prof. Zander in diesem Ergebnis.

MHD (fast) 3.300 Jahre?

So falsch ist also die Rede vom „ewigen“ Honig nicht: auch wenn er nicht mehr flüssig und genießbar war, hat er der Wissenschaft doch nach 3.300 Jahren verborgene Kenntnisse seiner Herkunft preisgegeben. Welches andere Lebensmittel hätte überhaupt eine solche lange Zeitdauer überstanden wie unser Honig? Wohl keines, längst wären sie alle vermodert!

Vom Autor in ADIZ/die biene/Imkerfreund Ausgabe 10/2007


offline

Geschrieben von

Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

Anzeige
Zum Seitenanfang