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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

Allein unter Gurken
87 mal angesehen
01.12.2009, 20.47 Uhr

Buchtipp: Allein unter Gurken

Vor einiger Zeit hatte ich ja schon mal über einen Trend geschrieben, der sich immer mehr in den USA ausbreitet und auch in Deutschland immer größere Beachtung findet. Es ging um die Locavores, also Menschen, die möglichst nur Sachen essen, die in einem Umkreis von 100 Kilometern angebaut und produziert wurden. Also keine Äpfel aus Neuseeland und Tomaten aus Holland, sondern einheimische Produkte.

Schauspieler Andreas Hoppe, der vor allem als Tatort-Kommissar Mario Kopper an der Seite von Ulrike Folkerts alias Lena Odenthal bekannt ist, hat nun ein Experiment gewagt und sich ein Jahr lang konsequent von regionalen Lebensmitteln ernährt. Ausschlaggebend war die deftige Catering-Kost bei den Dreharbeiten und überhaupt das unregelmäßige Essen mit dem daraus resultierenden schwankenden Gewicht. Das brachte ihn dazu, sich ernsthaft mit seinen Essgewohnheiten und seiner Ernährung auseinander zu setzen. Er informiert sich ausführlich über biologischen Anbau von Gemüse, über dessen Herkunft und artgerechte Haltung von Tieren.

Beeinflusst hat ihn auch seine Kindheit, die er zu einem großen Teil im Berliner Schrebergarten seines Großvaters verbracht hat. Eine kleine Oase, die in ihm den Wunsch hervorbrachte, selbst ein Fleckchen Erde zu besitzen und eigenes Obst und Gemüse anzubauen. Deshalb kaufte er einen kleinen Hof in Mecklenburg-Vorpommern, wo er nicht nur seinen Kindheitstraum verwirklichte, sondern auch gärtnern lernte. Unterstützung bekam er dabei von der alteingesessenen Dorfgemeinschaft, die ihn nicht kritisch beäugte, sondern herzlich aufnahm und ihm immer wieder Tipps und Hilfestellungen gaben.

So konnte er sich in diesem Jahr zum großen Teil selbst versorgen. Mit Radieschen, Tomaten und Äpfeln, teilweise konnte er auch mit den Dorfbewohnern tauschen und dafür zum Beispiel Kartoffeln bekommen. Die ergiebige von 30-40 Gurken führt wohl zum Titel des Buches . Rückschläge gab es natürlich auch, zum Beispiel wenn ein Sturm die Ernte vernichtet. Dann kann es schon schwierig werden mit dem Abendessen. Auch im Winter ist Selbstversorgung alles andere als einfach. Da steht nicht mehr viel zur Verfügung außer Kohlsorten oder Zwiebeln, und da hat man doch als zivilisationsverwöhnter Mensch recht schnell die Nase voll.

In seinem zweiten Wohnsitz in Berlin war die Situation schon anders. Dort besuchte er Bauernmärkte und Bioläden und fand heraus, dass es gar nicht mal so schwierig ist, regionale Produkte zu bekommen. Es gab auch echte Überraschungen, wie der Perser Dr. Moshiri, der mitten in Berlin 400 Kräuter aus der ganzen Welt anbaut. Doch Andreas Hoppe ist bei diesem Projekt nie dogmatisch vorgegangen. Nachdem er es nicht über sich brachte, Getreidekaffee zu trinken, genehmigte er sich trotzdem seinen heißgeliebten Kaffee - dafür aus fairem Handel. Es soll ja trotz allem noch Spaß machen.

Verarbeitet hat er seine Erfahrungen mit Hilfe der Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Jacqueline Roussety. Sie begleitete ihn die ganze Zeit, recherchierte über regionale und ökologische Landwirtschaft und setzte dieses Jahre literarisch in Szene. Wenn man den Kritiken glauben mag, ist ein interessantes und witziges Buch dabei entstanden.

[www.berlinonline.de]
[www.piper-verlag.de]
[www.taz.de]
[www.jacquelineroussety.de]
[www.utopia.de]

Foto: Cover von "Allein unter Gurken"
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kruemel

kruemel

Alter: 36 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

02.12.2009 11:33 Paradiesgarten

mam muss nur erstmal über seinen Schatten springen, dann klappt´s auch !
03.12.2009 10:15 Edeltraut
Selbstversorgung stell ich mir ganz schwierig vor...die Nahrung beschaffen würde ja noch gehen, aber was mit den ganzen anderen Sachen?
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