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Die Tücken des Alltags

(44 Einträge)

Perchten
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10.12.2009, 11.14 Uhr

Knecht Albrecht, die Perchten und der Weihnachtsmann im Filzbademantel

Auch die Nikoläuse sind ja nicht mehr ganz das, was sie mal waren. Ich finde tatsächlich auch - peinlicher Weise wie der fundamentalistische Bischof Marx - dass diese amerikanischen Weihnachtsmänner in ihren billigen roten Filzbademänteln bei uns so richtig nichts verloren haben. Bei uns in Bayern sollte schon der Nikolaus kommen, der Respekt einflössende Bischof, mit Mitra und Bischofsstab und einem goldenen Buch in den Händen. Und begleitet werden sollte er vom Krampus. Dabei kommt er am Vorabend seines Namenstages, am 5. Dezember, nicht am 6. Er kommt auch nicht auf dem Rentier, sondern zu Fuss. Das ist die Münchner Version, die ich allerdings so auch schon Jahre nicht mehr gesehen habe. Wer am 5. Dezember bei anbrechender Dunkelheit durch München geht, wird nur selten auf einen Nikolaus mit Krampus treffen. Wenn man aus der Alpenregion kommt, kennt man jedoch noch einige sehr viel furchterregendere Begleiter des Nikolaus. Die Butt´nmandl zum Beispiel, in Stroh eingewickelte junge Männer mit dämonischen Teufelsmasken und Kuhglocken um den Bauch und rasselnden Ketten und Ruten. Oder die Perchten aus dem Salzburgischen, die heuer auch hier in München beim Tollwood-Festival eine Kostprobe ihrer Gruseligkeit gaben. Bei soviel Grässlichkeit geraten die Nikolaus-Begleiter schon mal durcheinander. Neffe 2 etwa, der mit Bruder und Mutter dieses Nikolauswochenende in München verbrachte, fragte neugierig nach dem "Knecht Albrecht", wobei ich bei der Erklärung des gemeinten Knecht Ruprecht echt passen musste.
Trotz aller Auf- und Abgeklärtheit von Neffe 1 und Neffe 2 hatte aber sogar der Nikolaustag in München noch etwas Geheimnisvolles und Besinnliches. Der Nikolaus stellte seine Gaben vor der Haustür ab, weil ihm die Treppen in den 5. Stock nicht zuzumuten waren. Und siehe da, kurz bevor ein Familienmitglied den bedeutungsschwangeren Satz aussprechen sollte, dass man doch mal vor die Tür gehen und schauen sollte ob der Nikolaus nicht doch.... da klopfte es mehrmals laut und vernehmlich. Man konnte auch ein seltsames Rascheln vernehmen, so als huschte jemand oder etwas ganz leise an der Wand entlang ... also, da war doch was? (dem Hausmeister in der Wohnung über uns sei Dank dafür ... seine Reparatur-Arbeiten kamen zum richtigen Zeitpunkt ). Und tatsächlich ... zwei Nikolaus-Teller, randvoll - weniger mit Äpfeln und Nüssen - sondern mit Redbull-Kaugummi und Bio-Schokolade. Auch der Nikolaus geht mit der Zeit.

Wir fanden dieses Jahr tatsächlich noch Zeit und Musse - und Neffe 1 und 2 hörten sogar zu - ein paar Geschichten vorzulesen. Wir haben zwei von Karlheinrich Waggerl ausgewählt, der lange Jahre in unserer Kindheit das Salzburger Adventssingen moderierte. In der einen Geschichte erzählt er, dass das Christkind lächelte, weil ihm ein Floh im Ohr saß und in der zweiten beschreibt er, wie er als Junge seiner Mutter als selbstgebasteltes Weihnachtsgeschenk Schaukelkufen an ihren Nähstuhl anbrachte, sie darin liebevoll wiegte und schaukelte, die Mutter jedoch immer stiller und blasser wurde und schließlich hektisch mit vorgehaltener Schürze aus dem Zimmer rennt.

Fotoquelle: kurt, pixelio.de
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Philine

Philine

Alter: 63 Jahre,
aus Schönau

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