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Das Leben eines Krümels

(548 Einträge)

http://themannahattaproject.org/
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10.12.2009, 21.27 Uhr

Mannahatta, oder der Großstadtdschungel

Wenn man durch große Städte, wie Berlin, Hamburg und München läuft, kann man es sich kaum vorstellen, wie es noch vor einigen hundert Jahren ausgesehen haben mag, als noch keine Gebäude standen und die Natur noch ursprünglich und kaum beeinflusst vom Menschen war. Noch schwerer mag dies bei einer Weltmetropole wie New York fallen, wo 8 Millionen Menschen auf engstem Raum leben und die Wolkenkratzer in den Himmel schießen.

Die Wildlife Conservation Society, die sich dem erhalt von Fauna und Flora weltweit widmet, hat nun in einem einzigartigen Projekt die Natur Manhattans vor 400 Jahren rekonstruiert. Zu dieser Zeit fuhr der englische Abenteurer Henry Hudson erstmals den später nach ihm benannten Fluss hinauf und warf vor der heute so berühmten Insel seinen Anker. Damals lebten dort vor allem eine reiche Tierwelt die Lenape-Indianer, die sie „Insel der vielen Hügel“ also„Mannahatta“ nannten. Damals gab es am (natürlich noch nicht vorhandenen) Times Square einen Sumpf mit Ahornbäumen und am Broadway befand sich ein Biberteich. Noch nicht einmal der Central Park spiegelt die Natur vor 400 Jahren wider. Hügel wurden dafür geebnet, Teiche angelegt, alte Bäume ausgerissen und neue gepflanzt. An der 21 Kilometer langen Insel erstreckten sich im Jahr 1609 außerdem lange Sandstrände. Ausgedehnte Kastanien- und Eichenwälder boten Schutz für Wölfe, Schwarzbären oder Truthähne. An einem Ende der Insel gab es sogar eine Art Savanne, die die Indianer durch regelmäßig gelegte Brände erschufen, um dort einfacher jagen zu können. In ihrer Arten- und Landschaftsvielfalt hätte Mannahatta problemlos mit dem Yosemite-Nationalpark mithalten können.

Ermöglicht wurde diese Simulation der damaligen Insel durch den glücklichen Umstand, dass während des Unabhängigkeitskrieges die Briten im 18. Jahrhundert die Gegend genaustens kartografiert hatten. Trotzdem brauchte der Ökologe und Geograf Eric Sanderson noch 10 Jahre um herauszufinden, wie Manhattan nun damals im Einzelnen ausgesehen hat. Man muss dazu sagen, dass er seine Forschungen neben seiner offiziellen Arbeit bei der Wildlife Conservation Society betrieb, also am Abend und an den Wochenenden. Sehr zum Leidwesen seiner Frau. Aber er fand heraus, wie viele Flüsse und Bäche es gab, und wo sie entlang flossen oder wie hoch die einzelnen Hügel waren und welche Tiere und Pflanzen sich in den einzelnen Bereichen der Insel angesiedelt hatten.

Das Ergebnis ist eine detaillierte, interaktive Karte, bei der das heutige New York und die ursprüngliche Wildnis übereinander gelegt werden können, und man genau sieht, wie die einzelnen Straßenzüge vor 400 Jahren aussahen. Das Ziel des Projektes war niemals, Manhattan wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen zu wollen. Es ging eher darum, etwas Neues an diesem weltweit so bekannten Ort zu entdecken. Und wer weiß, vielleicht bewegt sich New York ja schneller zurück in diese Richtung, als gedacht.

Durch Renaturierungsmaßnahmen an Flüssen und die Neuentstehung von Parks, gibt es in der Milionenmetropole nicht mehr nur Tauben, Ratten und Kakerlaken als Tierwelt. 2007 wurden wieder Biber im Bronx River gesehen, Finken und Bussarde nisten an Hochhäusern. In den Parks der Stadt gibt es Waschbären, Hirsche und sogar Kojoten und Rotluchse. In der Jamaica Bay beim John F. Kennedy Airport leben Schildkröten und Robben.

Auf jeden Fall mal eine Gelegenheit, New York von einem anderen Aspekt aus zu betrachten. Wenn es mich doch mal dorthin verschlagen sollte, werde ich bestimmt noch mal nachschlagen, wie es im 17. Jahrhundert dort aussah.

[themannahattaproject.org] (Foto)
Hier gibt es auch drei interessante Videos dazu: [themannahattaproject.org]

[www.nationalgeographic.de]
[www.nationalgeographic.de]
[www.stuttgarter-zeitung.de]
[nymag.com]
[www.nydailynews.com]
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kruemel

kruemel

Alter: 37 Jahre,
aus Südhessen

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