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Learning to Bee

Anfängersorgen und Altlasten der Imkei (39 Einträge)

Noch so ein Bienenhaus Und noch ein Bienenunterstand
371 mal angesehen
16.12.2009, 02.03 Uhr

Altlasten: Die Letzten

Haben oder nicht haben - das ist hier die Frage.

Über die Bienenkiste gab es in den letzten Ausgaben des Imkerfreunds eine ganze Reihe von Berichten und Meinungen. Auch hier im Forum wird darüber heiß diskutiert.
Nach einem ersten Überfliegen des Artikels zur Bienenkiste war meine Meinung auch weitgehend negativ. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, warum sich irgendwer um Himmels willen so einen steinzeitlichen und dazu noch chaotisch zu bewirtschaftenden Kasten in seinen Garten stellen wollte. Wozu hätten dann auch unzählige Generationen von Imkern all das entwickeln sollen, was Imkern heute effizienter macht: Modular aufgebaute Beuten, Rähmchen, Mittelwände, Schleudern etc.
So eine urige Kiste wollte ich sicher nicht in meinem Garten stehen haben - das wäre ja ein Schritt zurück in die Urzeit, so meine erste Meinung. Diese fand auch die weitgehende Unterstützung meines Vaters, der die Idee der Kiste schlicht unter "Ökofanatismus" abhakte.

Nach langem Nachdenken, und auch ersten Überlegungen für meinen imkerlichen Neuanfang neues Equipment anzuschaffen, sehe ich die Bienenkiste mittlerweile anders.

Neben den bereits geschilderten zwei Bienenhäusern zählen zu unseren familiären Erblasten noch drei weitere Standorte. Ein weiteres großes Bienenhaus mit Platz für an die 20 Völker (erstes Photo, von der Seite), gelegen an einem Waldrand. Es ist noch in sehr gutem Zustand, da es erst in den 1960er Jahren gebaut wurde. Es bildet sozusagen den Standort, den sich mein Vater in Absetzung zum Bienenhaus meines Großvaters, gesichert hat. Nach dem Tod desselben betreut er nun aber beide Häuser.
Daneben gibt es noch einen besonders ertragreichen Standort in top Lage mit 6 Völkern die in einem kleinen Unterstand untergebracht sind (zweites Photo). Und darüber hinaus noch den "Siebenschläferverschlag" - ein über mehrere Ecken ererbtes Bienenhaus, dass über 200 Jahre alt sein dürfte und wohl demnächst aus allen Fugen fallen wird. Ein paar Völker sind nichtsdestotrotz darin untergebracht. Außerdem züchten wir darin unfreiwillig jedes Jahr eine ganze Schar an Siebenschläfern heran, die dann im Sommer meist aufwändig wieder ausgesiedelt werden, um nicht allzuviel Schaden anzurichten. Die Idee die Siebenschläferzucht unter dem Slogan "Knuffiger als eine Katze und erklecklicher als ein Eichhorn, wartungsarm da Winterschlaf" zum eigenen Geschäftszweig auszubauen, scheiterte bisher am erbitterten Widerstand meiner Eltern.

Die Erblast umfasst nicht nur 5 Standorte mit Bienenhäusern in unterschiedlichen Zuständen, sondern auch einen Keller voller Equipment, dass sich über an die 80 Jahre angesammelt hat:
3 verschiedene Wabenpressen, Waagen, eine größere Schleuder, ein großes Entdeckelungsgeschirr, ein Melitherm mit mehreren Töpfen, einen Nebenkeller voll mit Rähmchen in mittlerweile insgesamt 4 verschiedenen Größen (Schweier groß, Schweier klein, Zandermaß, Deutschnormal), ein Gerät zum Löten von Wabendraht, verschiedenste Kübel und Flaschen zum Einfüttern und Honig lagern (wehe dem, der sie im Herbst reinigen darf), eine weitere Unzahl an kleineren und größeren Geräten die ein Imker vielleicht irgendwann benötigt, dazu - verteilt über den ganzen Haushalt und oft verzweifelt gesucht - unzählige Kleinteile für die Königinnenzucht.

Eine Bienenkiste braucht man bei dem ganzen selbstgeschaffenen Chaos dann wirklich nicht mehr. Ob unsere Betriebsweise aber wesentlich weniger chaotisch ist, als die Arbeit mit der Bienenkiste, das ist natürlich eine Frage die man sich stellen muss.

Für mich als Neuanfänger ist es gerade das Chaos und die Vielzahl der bei uns vorhandenen Gerätschaften und Beuten, die mich manchmal schlicht in die Verzweiflung treibt. In dem einen Haus Trogbeuten im Schweiermaß - in dem anderen auch, aber in Schweier-klein. Über drei Häuser verteilt noch ein paar geschenke Erlanger Beuten und dann noch einige in die Deutsch-Normal Maß passt. Dazu der ganze unsortierte Haufen an Gerätschaften im hauseigenen Keller. Wenn es nach mir ginge, wäre mindestens eine Sorte von Magazinen bereits zu Brennholz konvertiert worden, um so das Dickicht etwas zu lichten. Aber egal an welchem Punkt man ansetzt, die Widerstände meines Imkervaters sind dann doch immer kaum zu überwinden. An den alten Schweierkästen hängen wichtige Kindheitserinnerungen, an den neueren hängt die Erfahrung erster Selbstständigkeit innerhalb autoritärer Familienstrukturen. Die neueren Erlanger Beuten sind Geschenke, die kann man nicht einfach aufgeben und die paar Deutsch-Normalmaß Beuten sind viel zu gut um... .. naja.

Wirklich anfangen kann man bei den vorhandenen Altlasten also kaum. Eigentlich müsste man zumindest mit irgendetwas aufhören - also Material und Vielfalt eindämmen und dabei vielleicht sogar die Völkeranzahl schrittweise reduzieren.
Dagegen sträuben sich nun aber mein Vater und insofern bleibt mir kaum etwas anderes als selbst Anknüpfungspunkte zu suchen - innerhalb des chaotischen Alten etwas neues zu formieren, ohne das Alte abschießen zu können, ohne sich ihm aber ganz unterwerfen zu wollen.

Die von mir gewählte Lösung grenzt dabei wahrscheinlich an Hybris: Ein ganzer Stapel neuer Beuten soll angeschafft werden. Keine Trogbeuten mehr, sondern Magazine - aber immerhin im Anschluss an unsere jüngeren Beuten - Magazine mit Rähmchen im Erlanger Maß. Dazu sollen die alten Beuten aussortiert werden. Zumindest ein Schweiermaß wird daran glauben müssen. Etwas Anschluss und viel Absetzung, vielleicht noch mehr Chaos, erreicht durch stundenlange Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit (Warm- oder Kaltbau, Langstroth oder Zander, oder Dadant? Erlanger Beute oder Herold Beute oder ganz was anderes?) gegenüber meinem Vater und mit hohem finanziellen Einsatz meinerseits. Im Januar 2010 wird sich dann zeigen, welche Folgeprobleme sich aus einem solchen Kompromiss ergeben. Ich bin jedenfalls gespannt: No risk - no fun.

Ich "leide" als Anfänger so also am Überschuss von Material. Und aus dieser Position heraus lässt sich ein Konzept wie die Bienenkiste leicht als vorsintflutlich verwerfen. Warum sollte man sich auch sowas zulegen, wenn man mit dem eigenen, hochtechnologisiertem Imkerchaos viel zu schaffen hat. Dabei übersieht man leicht, dass das ganze Chaos sich doch auf wundersame Weise ergänzt und trotz aller Unordnung die Arbeit durch die vielen Geräte die man zur Verfügung hat wesentlich vereinfacht wird.
Man hat Beuten und eine Unzahl an Rähmchen. Natürlich schleudert man diese im Sommer in der familieneigenen Schleuder mit Elektroantrieb, das Entdeckeln ist auch kein Problem - das Geschirr dazu steht immer bereit. Um die Honigfilterung und Aufbereitung muss ich mir keine Sorgen machen. Siebe, Siebeinsätze, Lagerkübel, Melitherm und Honigrührer sind allesamt vorhanden. Auch die Wachsaufbereitung ist im nu erledigt, per Sonnenwachsschmelzer oder Dampfschmelzer, dazu kann ich mir je nach Tageslaune eine passende Wabenpresse aussuchen. Letztlich ist das Chaos also doch ein Garant für eine Vielfalt der Möglichkeiten. Von denen habe ich sicher genug, deswegen finde ich die Bienenkiste - aus meiner Position - auch kaum begehrenswert.

Wie wäre das aber, wenn ich wirklich mit der Imkerei anfangen wollte, und es für mich keine Anknüpfungspunkte an bereits vorhandene Gerätschaften gäbe? Natürlich müsste ich mich dann nicht über den ganzen Kram und die Arbeit seiner Instandhaltung ärgern. Aber einfach mal Honig schleudern, das wäre dann auch nicht drin.
Ich könnte mir dann sicher ein paar Magazine kaufen, aber was würde ich dann mit den Rähmchen anfangen. Ich müsste also noch etwas zum Entdeckeln kaufen, wahrscheinlich auch eine Schleuder, woher bekäme ich Mittelwände - und welcher Qualität.

Einfach mal mit dem imkern anzufangen erscheint mir aus dieser Perspektive ein richtig teurer Spaß zu werden, gerade dann, wenn man nach ein paar Misserfolgen wieder damit aufhören möchte. So etwas könnte ich mir dann nicht leisten und das wäre dann auch ein Grund für mich gar nicht erst damit anzufangen. Insofern ist es gerade Banalität eines Konzeptes wie der Bienenkiste, die eigentlich schon wieder genial ist. Rein theoretisch käme man (fast) nur mit der Kiste aus. Und die paar Kleinteile, die man noch zusätzlich braucht, treiben niemand in die Armut.

Aus Sicht bereits voll ausgestatteter Imker, erscheint eine Kasten wie die Bienenkiste wahrscheinlich dennoch vorsintflutlich. Allerdings wird durch eine, so auf das Wesentliche reduzierte Form der Imkerei, das Anfangen für richtige Anfänger leicht gemacht.

Insgeheim wünsche ich mir deswegen schon gelegentlich, das ich mit nur einer Kiste - vielleicht nicht der Bienenkiste - und nicht gleich mit einem Großbesitz von 5 Bienenhäusern und 4 verschiedenen Rähmchenmaßen in die Imkerei einsteigen könnte. Aber man kann eben nicht alles (nicht) haben. Tauschen möchte ich aber auch nicht.


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Austeja

Austeja

Alter: 37 Jahre,
aus Rosenheim
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Kommentare

16.12.2009 15:36 Bienenfreund
Tja, spricht eigentlich alles für die Einrichtung eines Bienenmuseums
Dann dürfte für die Siebenschläfer, unter dem Blickwinkel 'ganzheitliche Bienenhaus-Erfahrung', auch noch etwas Platz bleiben

Und übrigens: als Erlanger bin ich für die Erlanger ... Beute
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