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Land&Natur

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29.12.2009, 11.52 Uhr

Ausräuchern von Haus und Hof - Vom Heidentum zum Christussegen

Am Dreikönigstag oder am Vorabend des 6. Januar trägt so mancher Haus- und Hofbesitzer auf einer Kohlenschaufel glimmende Weihrauchkörner durch das Haus, in die Scheune und die Viehställe - sofern er welche hat, um Unglück fern zu halten und das Diesseits mit dem Jenseits zu verbinden.

Dazu sprengt er Dreikönigswasser und schreibt mit geweihter Kreide auf die Haus- und Stalltüren die Buchstaben C+M+B sowie die neue Jahreszahl. Im Volksglauben bedeuten die Buchstaben Caspar+Melchior+Balthasar nach den heiligen drei Königen. Eigentlich jedoch heißt die Auslegung "Christus mansionem benedicat", was soviel heißt wie "Christus segne dieses Haus".

Während der Prozedur beten die Hausbewohner das Vaterunser und den Rosenkranz. Vor allem in ländlichen Gegenden hat der Brauch Tradition, während in städtischen Regionen in der Regel "nur" die Sternsinger unterwegs sind und nach dem Aufsagen ihres Spruches die Buchstaben an die Türen schreiben.

Das richtige Ausräuchern beginnt kreisförmig im Keller und geht weiter in den Wohnbereich, wobei jede Ecke ausgegangen werden muss. Damit wieder neue Energie und Lebensfreude ins Haus zurückkommen kann, sollte immer wieder zum Ausgangspunkt zurück gekehrt werden. Neben dem Weihrauch schreibt man auch Düften von Eisenkraut, Lorbeer, Majoran, Minze, Salbei oder Thymian die verschiedenen Schutz- und Heilfunktionen zu.

Das Ausräuchern von Haus und Hof ist ein ursprünglich heidnischer Brauch, der später vom Christentum übernommen wurde. Schaden, schlechte Einflüsse und böse Geister sollen von Haus und Hof und seinen Bewohnern ferngehalten werden. Mancherorts räuchern die Menschen bereits am 25. Dezember, dem Beginn der Raunächte (der Begriff Raunächte kommt von Räuchern) die bis zum 6. Januar dauern, Stall und Stube aus. In dieser Zeit treiben unheimliche Geister ihr Unwesen und müssen gebändigt werden.

Wer es mit dem Vertreiben der unheimlichen Geister nicht so wichtig nimmt, aber trotzdem den Rauchduft gerne riecht, kann sich selbst einen Räucherkegel "Gute Geister" machen.

Die Lindacher Aromatherapeutin Maria Theresia Riedl und die Gesundheitspädagogin Beate Hölscher (beide Landkreis Ebersberg) zeigten dessen Herstellung bei einem Seminar in der Landwirtschaftsschule in Ebersberg. Das Herstellen der Kugeln oder Kegel ist auch ein Spaß für Kinder. Es können auch unterschiedliche Kräutermischungen Verwendung finden.



Räucherkegel "Gute Geister"

Zutaten

2 Teelöffel Traganth*
6 Teelöffel Rosenblütenblätter, Lavendelblüten, Thymiankraut zu gleichen Teilen (oder beliebig andere Kräutermischungen).

Zubereitung

Traganth in einer Tasse mit Wasser verrühren, bis es etwas aufschäumt. Eine Stunde quellen lassen. Getrocknete Kräuter im Mörser zerkleinern. Kräuter in eine Schüssel geben, mit dem Traganth vermischen (1 Teil Traganth, 3 Teile Kräuter), gut durchkneten bis sich eine feste Masse gebildet hat. Jetzt können Kugeln oder Kegel geformt werden.
Das Räucherwerk sollte noch ein paar Tage an einem luftigen, warmen Ort gut durchtrocknen.



*Traganth ist eine in Indien heimische Pflanze, die ein gummiartiges Harz liefert. Es ist völlig geruchfrei und unschädlich, auch wenn es verbrannt wird. Traganth ist in Apotheken frei verkäuflich. Traganth ist auch ein Lebensmittelzusatzstoff, sogar für Öko-Lebensmittel zugelassen.
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Kommentare

21.12.2013 07:01 Gartenblume
Ja, schade, dass dieser Brauch nicht mehr praktiziert wird bzw. den Rauch nicht jeder im Haus haben möchte.
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